Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Gutachten: Schiff verursachte nicht die Kanalhavarie

OLFEN Das Gutachten zur Kanalhavarie an der Baustelle der Lippebrücke in Olfen am 11. Oktober 2005 liegt vor. Es präsentiert erste Erkenntnisse der Experten über den Hergang des Unglücks. Fest steht: Das Schiff, das zuvor die Spundwand gerammt hatte, war nicht die Ursache.

Gutachten: Schiff verursachte nicht die Kanalhavarie

Dieser Kran stürzte in die Spundwand.

Demnach stehen zwei Punkte im Vordergrund: 1. Die Planung entsprach nicht den Risiken bei laufendem Schiffsverkehr. 2. Möglicherweise lagen auch Mängel bei der Bauausführung vor. Fest steht dagegen, dass die Schiffskollision am 11. Oktober 2005 für den Kanalbruch nicht ursächlich war, ihn nicht einmal mit verursacht hat. Dies sind die Kernpunkte einer Mitteilung der Staatsanwaltschaft Dortmund vom heutigen Montag (14.). Seit vergangenem Freitag liegt der Anklagebehörde das Sachverständigen-Gutachten vor.

Staatsanwaltschaft vorsichtig

Die Staatsanwaltschaft formuliert ihre Schlussfolgerungen aus der Expertise sehr vorsichtig und vermeidet Schuldzuweisungen. Das ganze ist kompliziert, weil der „Tatort“ weg geschwemmt wurde, wie es die Wasserschutzpolizei einmal formulierte. So konnte der eigentliche Unfallhergang im Oktober 2005 nur durch Computersimulationen rekonstruiert werden. Dabei, so die Staatsanwaltschaft, „ergab sich die Vermutung, dass die Entwurfsplanung, die nach dem damaligem Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse korrekt durchgeführt worden war, den Risiken des Bauvorhabens bei laufendem Schiffsverkehr nicht gerecht geworden sein könnte. Die dieser Hypothese zugrunde liegenden Daten sind erst durch das Beweissicherungsverfahren gewonnen worden. Sie waren zum Zeitpunkt der Planung nicht bekannt.“

Einzelne Mängel bei der Bauausführung

Außerdem, so die Staatsanwaltschaft, fanden die Sachverständigen auch Indizien für einzelne Mängel bei der Bauausführung. In welchem Verhältnis diese möglichen Ursachen zueinander stehen und welchen Einfluss die alte Bausubstanz darauf habe, müsse nun aus juristischer Sicht bewertet werden. Das heißt: Für die Staatsanwälte beginnt jetzt erst die eigentliche Arbeit. Fest steht also noch lange nicht, wer und ob überhaupt jemand angeklagt wird, was Pressestaatsanwältin Dr. Ina Holznagel gegenüber unserer Zeitung bestätigte: „In den Gutachten wurden der Druck und die Strömungsgeschwindigkeiten und deren Auswirkungen aus die Spundwände simuliert. Dadurch ist man also erst nach dem Unfall zu neuen Erkenntnissen gelangt, die vor her nicht vorlagen.“ Deshalb könnte es durchaus sein, dass letztlich niemand zur Verantwortung gezogen werden kann.

Späterer Störfall hilfreich

Bezüglich möglicher Baumängel so Holznagel, sei der spätere kleine Störfall vom 10. März 2006 an derselben Baustelle, allerdings auf der gegenüber liegenden Südostseite des Kanals, hilfreich gewesen. Weil dabei eben nicht alles Beweismaterial weg gespült wurde, konnten die Gutachter gewisse Baumängel feststellen und darauf Rückschlüsse auf den großen Unfall ziehen. Auch hier sei allerdings noch nicht klar, ob es zu einer Anklage kommt.

Anzeige
Anzeige