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Kandaouroff-Prozess

Gutachter: Ein ungewollter Schuss ist unwahrscheinlich

VINNUM/BOCHUM Es geht um eine der Schlüsselfragen im Prozess: Kann sich ungewollt - einfach so - ein Schuss gelöst haben? Dazu wurde im Verfahren um den gewaltsamen Tod des Hoteliers Klaus Kandaouroff (80) ein Waffenexperte des Düsseldorfer Landeskriminalamtes (LKA) gehört.

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Doch wirklich klären konnte der Beamte die Sache auch nicht. Wie kam Klaus Kandaouroff zu Tode? Die Angeklagten behaupten, bei dem Überfall habe sich versehentlich ein Schuss aus dem Revolver gelöst. Klar ist dabei bis jetzt nur eins: Der Schuss muss aus allernächster Nähe abgegeben worden sein. Das haben Rechtsmediziner mehrfach bestätigt.

Doch wurde die Kugel wirklich unabsichtlich abgefeuert? Der Waffenexperte ging dazu gleich mehrere Szenarien durch, alle basierend auf einem Smith & Wesson Revolver – der wahrscheinlichsten Tatwaffe. Grundsätzlich, so seine Meinung, müsse dabei für einen unabsichtlichen Schuss der Hahn schon gespannt gewesen sein. Was allerdings wiederum auch unabsichtlich geschehen sein könne. Etwa beim Einstecken der Waffe in eine Jackentasche. Doch selbst dann, so der Mann vom LKA, sei ein ungewollter Schuss unwahrscheinlich.

Und auf Nachfrage des Anwalts der Opferfamilie, wie das mit dem Nahschuss zu vereinbaren sei, antwortete er: „Da fällt mir keine Variante ein, wie das gehen soll.“ Das Problem des Falles ist, dass die Tatwaffe nicht gefunden wurde und somit auch nicht für Untersuchungen zur Verfügung steht. Und so galten etliche Fragen auch dem Tuning solcher großkalibrigen Revolver.So wollten die Verteidiger zum Beispiel wissen, wie weit man den Widerstand, den man zum Abdrücken überwinden muss, herabsetzen kann. Die simple Antwort: Alles ist möglich. Zwar wäre eine solche Waffe äußerst gefährlich, ohne Widerstand könne man die Schussabgabe kaum noch kontrollieren, so der Experte. Aber das sei möglich. Das Bochumer Landgericht erwägt nun, sich das Ganze mit echten Waffen demonstrieren zu lassen.

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