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Müllreduzierung in Olfen

Lösungen für das Plastik-Problem

Olfen Immer mehr Verbraucher wollen Plastikmüll reduzieren. Leicht ist das nicht immer. Doch es gibt Ideen zur Müllreduzierung. Zum Beispiel die von Monika Müller aus Olfen.

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Monika Müller stellt Taschen für Obst und Gemüse her, um Plastikmüll zu vermeiden

Foto: Sabine Geschwinder

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Monika Müller stellt Taschen für Obst und Gemüse her, um Plastikmüll zu vermeiden

Foto: Sabine Geschwinder

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Monika Müller stellt Taschen für Obst und Gemüse her, um Plastikmüll zu vermeiden

Foto: Sabine Geschwinder

Monika Müller zuckt mit den Schultern. „Es ist nur eine Kleinigkeit“, sagt sie. Aber dennoch glaubt die Rentnerin, dass ein Tropfen auf dem heißen Stein immer noch besser ist, als gar kein Tropfen. Es kommt schließlich auf die Menge derer an, die etwas tun wollen.

Die Rede ist von Müllreduzierung, ganz speziell der Reduzierung von Plastikmüll. Im Internet gibt es Bilder von Schildkröten oder Möwen, die neben Plastikteilen schwimmen oder die diese verschluckt haben. Bei Youtube gilt Minimalismus, also der Versuch, möglichst wenig zu konsumieren und sich von seinen Besitztümern zu trennen als aktuelles Thema. Teil dieser Minimalismus-Bewegung ist auch die Untergruppe „Zero Waste“, also im Idealfall gar keinen Müll zu produzieren. Wer gut ist, schafft es in einer Woche vielleicht eine kleine Tüte mit Müll als Ausbeute anzubieten. Dafür stellen Menschen eigenes Shampoo, zum Beispiel aus Roggenmehl her und kochen selbst statt To-Go-Produkte zu konsumieren.

Ihr Mineralwasser macht sich Monika Müller schon seit Jahren mit einem Soda Streamer selber. „Ich glaube, früher hat man dabei eher an das Schleppen gedacht“, sagt sie. Jetzt gehe es ihr aber auch darum, die Weichmacher in den Plastikflaschen und den Müll zu vermeiden.

Ihren Klick-Moment hatte sie aber an anderer Stelle. Müller, die auf Gut Eversum lebt, fand es super, dass Supermärkte weniger Plastiktaschen anbieten oder Geld dafür nehmen. Aber warum braucht es denn die kleinen Tütchen, beim Obst und Gemüse? Tatsächlich werden Plastiktüten in Deutschland immer seltener. Nach ersten Schätzungen der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) dürften im vergangenen Jahr 20 Prozent weniger der umweltschädlichen Tragehilfen verbraucht worden sein als 2016. An anderer Stelle wird aber fleißig verpackt.

Taschen in zwei Größen

„Ich finde es unmöglich, dass einzelne Gurken in Plastik verpackt werden“, sagt Müller. „Was nützt es denn, wenn ich keine Plastiktüten mehr an der Kasse bekomme und für alles andere ne Tüte brauche?“ Doch wenn sie ihr Obst und Gemüse einzeln auf das Band legte und anschließend in den Einkaufskorb legte, hatte sie ein Problem. Manchmal zermatschten Dosen versehentlich die Lebensmittel, oder der nasse Salatkopf machte die Tasche dreckig. So kam Monika Müller dann auf die Idee mit den Taschen aus Wachstuch.

Seit dem vergangenen Jahr fertigt die Rentnerin nun die Taschen für Obst und Gemüse. In zwei Größen sind sie erhältlich. Für sechs bis sieben Euro verkauft sie sie auf Märkten in Nordkirchen, Olfen und Lüdinghausen.

Für mehr Transparenz

Zum Wiegen muss sie ihre Einkäufe dann zwar trotzdem auf das Band legen, allerdings sind ihre Taschen leicht auszuwaschen, nichts kann kaputtgehen und darüber hinaus sind die Taschen transparent gestaltet, damit der Kunde sich nicht komisch dabei fühlen muss, seine Einkäufe in die Tasche zu packen. Die Verkäuferinnen hätten damit kein Problem. Es müssten auch nicht alle Äpfel einzeln beklebt werden, sagt Müller: „Eine Verkäuferin sagte mal zu mir: ‚Sie können mir das schon zutrauen, dass ich sehe, ob sie da zwei Äpfel gewogen haben oder nur einen.“

Es gibt aber auch Kritik am Minimalismus-Trend. „Bei so etwas geht es nur darum, das eigene Gewissen zu beruhigen“, schreibt ein Leser auf Facebook. „Es fehlt der ökonomische Wille sich langfristig auf eine funktionierende Kreislaufwirtschaft zu verständigen.“ Auch Matthias Bücker, Sprecher der Wirtschaftsbetriebe im Kreis Coesfeld (WBC) findet, dass die Unternehmen mehr in die Pflicht genommen werden sollten, statt „Alibimaßnahmen“ zur Müllreduzierung zu bedienen.


Allerdings sagt er auch: „Der Bürger kann das durch sein Kaufverhalten steuern.“ Würde kein Mineralwasser mehr in Plastikflaschen gekauft, dann gebe es nur noch Glasflaschen. „Da wo es eben geht, sollte man Kunststoffe vermeiden“, sagt Bücker, zum Beispiel die flüssigen Kunststoffe in Shampoo, auch bekannt als Mikroplastiken, sind Stoffe, die im Abwasser landen – und über die der Verbraucher oftmals nicht nachdenkt.

Auf dem Land wird besser getrennt

Der Kreis Coesfeld sei ziemlich weiter vorne mit dabei, wenn es um Plastikmüll geht. In Olfen und Nordkirchen wurden zum Beispiel 2016 fast 60 Kilogramm Plastikmüll pro Person und pro Jahr verbraucht. In Städten wie Dortmund seien es nur um die 10 und 20 Kilogramm. Das liege daran, dass Müll auf dem Land besser getrennt wird. Aber die Menge an Plastikmüll ist in den vergangenen Jahren auch gestiegen (siehe Grafik).

Das Argument, dass Plastikreduktion nur dazu diene, das schlechte Gewissen zu beruhigen, will Bücker nicht gelten lassen. „Das ist ein Totschlagargument“, sagt er. Meistens werde es vorgeschoben, entweder aus Geldmangel oder Bequemlichkeit. Jeder könne schließlich etwas tun. Das findet auch Monika Müller. „Man sollte damit im Kleinen anfangen.“ Jeder brauche dafür einfach nur seinen ganz persönlichen Klick-Moment.

Tipps zur Müllvermeidung:

  • Code Check: Mit der App Code Check lassen sich Produkte über den QR-Code scannen. So kann man als Verbraucher direkt sehen, ob Produkte zum Beispiel Mikroplastik enthalten. Sie ist im App Store oder bei Google Play erhältlich.
  • Unverpackt-Läden: Dort können Lebensmittel wie Reis, Nudeln oder auch Gewürze abgefüllt und ohne Verpackung gekauft werden. Unverpackt-Läden gibt es zum Beispiel in Münster, Essen und Witten.
  • Regionale Lebensmittel: Sind zum Beispiel auf dem Wochenmarkt (Marktplatz Olfen, freitags zwischen 14 bis 18 Uhr) zu kaufen. Oder auch direkt vom Hofladen eines Landwirts. Zum Beispiel auf dem Hof Münsterlandtor (Dattelner Straße 79), dem Kökelsumer Bauernladen (Kökelsum 2) oder auf dem Hof Vinnemann (Zur Schafsbrücke 22).

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Monika Müller stellt Taschen für Obst und Gemüse her, um Plastikmüll zu vermeiden

Foto: Sabine Geschwinder

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Monika Müller stellt Taschen für Obst und Gemüse her, um Plastikmüll zu vermeiden

Foto: Sabine Geschwinder

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Monika Müller stellt Taschen für Obst und Gemüse her, um Plastikmüll zu vermeiden

Foto: Sabine Geschwinder

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