Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Kritik an Olfener Rettungswache

Olfener Retter sollen nachts schneller ausrücken

Olfen Die seit Jahren steigenden Zahlen sprechen für sich: Weil nachts die Olfener Rettungswache nicht besetzt ist, muss immer häufiger Hilfe aus Nachbarkreisen kommen. Dafür gibt es viel Kritik – und erste Lösungsansätze.

Olfener Retter sollen nachts schneller ausrücken

Der Rettungswagen aus Datteln auf dem Weg zum Einsatz in Olfen: Dafür sollte es nach dem Wunsch der Olfener eine feste Vereinbarung geben. Foto: Dattelner Morgenpost

Der Mann kennt sich im Rettungswesen des Kreises Coesfeld bestens aus, verfügt über vielfältige Informationen. Deshalb ist ihm die Verbesserung der Situation eine Herzensangelegenheit. Allerdings möchte er mit seinem Namen und seinem Gesicht nicht in die Öffentlichkeit. Aus seiner Sicht sprechen die Fakten für sich. Wir machen den Check.

Was ist die große Besonderheit der Olfener Rettungswache


Die Wache an der Otto-Hahn-Straße im Gewerbegebiet ist „nur“ von 8 bis 21 Uhr besetzt. In der Nacht wird Olfen von der Wache Lüdinghausen aus betreut. „Das reicht nicht aus“, sagt der Kritiker und verweist auf Zahlen des Kreises Coesfeld.


Wie bewertet die Stadt Olfen die Situation?


Bürgermeister Wilhelm Sendermann ist „sehr froh, dass es gelungen ist, die Präsenz hier hinzubringen.“ Die Verwaltung habe aus der Bevölkerung keine Hinweise bekommen, dass die Versorgung verbessert werden müsste. Gleichzeitig kündigte Sendermann an, sich die neuesten Zahlen genau anzusehen. Er wisse natürlich, dass die Zahlen in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen seien. Sendermann verwies zudem auf die medizinische Erstversorgung durch die Olfener Feuerwehr (First Responder).

Wie sehen denn die konkreten Zahlen aus?

Es gibt eine Statistik über Einsätze auswärtiger Wachen. Und diese Zahl gehen nur in eine Richtung – aufwärts. 2012 rückten Rettungswagen aus Datteln 166 Mal zu Einsätzen in den Kreis Coesfeld aus. Diese Zahl ist mittlerweile (in 2016) auf 250 Einsätze der Dattelner Retter im Kreis Coesfeld gestiegen. Für 2017 gibt es noch keine Zahlen. Ähnlich stark ist der Anstieg bei den Einsätzen der Borker Wache. 2012 rückten Retter in 67 Fällen zu Einsätzen im Kreis Coesfeld aus. Bis 2016 ist die Zahl auf 119 gestiegen. „Eine Besetzung der Olfener Wache rund um die Uhr wäre wichtig und notwendig, fordert unser Informant.

Wie sieht der Kreis Coesfeld diese Situation?


In einer schriftlichen Stellungnahme räumt der Kreis ein, dass die Einsätze der Wachen Datteln und Selm ausschließlich im Coesfelder Südkreis liegen. Von 237 Einsätzen der Wache Datteln in 2017 erfolgten 231 in Olfen und 6 in Lüdinghausen – vor allem in den Nachtstunden. Von 72 Einsätzen der Wache Selm in 2017 erfolgten 43 in Olfen, 20 in Nordkirchen und 9 in Lüdinghausen. Olfener Bürger sind also in vielen Fällen auf „auswärtige Hilfe“ angewiesen.

Ist es denn nicht egal, wo die Retter stationiert sind?


Jein! Bei Einsätzen zählt jede Sekunde. Zwölf Minuten ist die Zeit, die ein Rettungswagen in NRW brauchen darf, bis er beim Notfallpatienten ist. Und zwar in 90 Prozent der Fälle. Diese Vorgabe verfehlt die Rettungswache Lüdinghausen deutlich. 2015 haben die Retter in 11,1 Prozent der Fälle sogar mehr als 12 Minuten benötigt, um vor Ort zu sein. 2016 sah es noch schlechter aus. In 13,1 Prozent der Fälle vergingen mehr als 12 Minuten bis zum Eintreffen.

Fließen eigentlich die Zahlen der Wachen, Datteln, Selm, Werne und Dreisteinfurt in die Statistik der Eintreffzeiten der Orte im Kreis Coesfeld ein?


Dazu erklärt der Kreis: „Die Hilfsfristen werden in den jeweiligen Rettungswachenbereichen ausgewertet. Rettungsmittel auswärtiger Wachen, die zuerst vor Ort sind, werden dabei berücksichtigt.“


Wie groß ist nach Einschätzung des Kreises Coesfeld der Zeitverzug bei Einsätzen, wenn die Leitstelle Coesfeld auf kein eigenes Fahrzeug zurückgreifen kann und sich beispielsweise an die Leitstelle in Recklinghausen wenden muss?


In diesen Fällen muss nach Aussage des Kreises zwischen dem Zeitablauf auf der Leitstelle und beim Einsatz des Rettungsmittels unterschieden werden. „Die zeitliche Verzögerung bei Alarmierung einer anderen Leitstelle beträgt im Regelfall nur wenige Sekunden. Die zeitliche Verzögerung durch die Alarmierung eines auswärtigen Rettungsmittels ist für jeden Einzelfall vor dem Hintergrund des gesamten Einsatzgeschehens zu betrachten und kann pauschal nicht beantwortet werden.

Nach dem Rettungsgesetz NRW (§12) sind „spätestens alle fünf Jahre“ (Paragraf 5) Bedarfspläne zu ändern. Nach unseren Informationen stammt der aktuelle Bedarfsplan im Kreis Coesfeld aus dem Jahr 2010. Warum gibt es noch keinen neuen Bedarfsplan?


Dazu sagt der Kreis: „Im Juli 2015 wurde ein Gutachten zur Fortschreibung des Bedarfsplans in Auftrag gegeben. Die Fertigstellung des Gutachtens war für Oktober 2015 vorgesehen und sollte als Grundlage der kommenden Bedarfsplanung dienen. Die Fertigstellung des Gutachtens verzögerte sich aus verschiedensten Gründen. Aktuell liegt das Gutachten vor und soll zeitnah den Kostenträgern vorgestellt werden. Zeitgleich erfolgt die Fortschreibung des Bedarfsplans auf Grundlage des vorliegenden Gutachtens. Der Bedarfsplan soll im Sommer verabschiedet werden.“

Wenn sich ein Gutachter seit 2015 um einen neuen Plan kümmert, wie kann es sein, dass in einem so langen Zeitraum keine Ergebnisse vorgelegt werden konnten?


„Die vorgelegten Gutachtenentwürfe mussten zunächst gesichtet werden und bedurften anschließend einer Überarbeitung durch die Gutachter. Darüber hinaus wurden die dem Gutachten zugrunde liegenden Einsatzzahlen nochmals aktualisiert. Aufgrund der Entwicklung der Einsatzzahlen mussten die Daten fortgeschrieben werden, um aktuelle Gegebenheiten im Bedarfsplan zu berücksichtigen“, erklärt der Kreis Coesfeld.

Mehr Einsätze im Kreis und in Olfen

Rettungsdienst fährt Millionendefizit ein

Olfen/Kreis Coesfeld. Der Rettungsdienst im Kreis hat 2017 ein Minus von rund 2 Millionen Euro eingefahren – 350.000 Euro mehr als Anfang Dezember bekannt. Einschnitte soll es aber nicht geben. Es wird weiter investiert.mehr...

Führt die verspätete Vorlage des Bedarfsplanes nach Einschätzung des Kreises dazu, dass notwendige Anpassungen nicht erfolgen?


Seit der letzten Bedarfsplanung 2010 ist, so steht es in einer Kreisvorlage, die Zahl der Rettungseinsätze um 53 Prozent gestiegen. Auch ohne Vorlage eines neuen Bedarfsplans wurde die Rettungswache Senden neu errichtet. Die Erneuerung weiterer Rettungswachen ist aktuell in der Planung (Ascheberg, Nottuln, Dülmen). „Schon während der laufenden Bedarfsplanperiode konnten einzelne Ergänzungsmaßnahmen in Abstimmung mit den Kostenträgern umgesetzt werden, ohne den Bedarfsplan vollständig fortschreiben zu müssen. Da sich aufgrund des Gutachtens voraussichtlich Veränderungen ergeben werden, soll der Bedarfsplan zügig verabschiedet werden – in Abstimmung und im Einvernehmen mit den Kostenträgern.“

Gibt es Pläne, die Wache Olfen zu modernisieren?


Kritiker der Wache sagen, dass die Unterkunft „eher provisorisch ist und auf Dauer eine neue Rettungswache in Olfen gebaut werden müsste.“ Nach Aussagte des Kreises ist eine Modernisierung des Standortes Olfen derzeit nicht vorgesehen. Der Kreis weist darauf hin, dass „Olfen kein Wachenstandort ist.“ Das Fahrzeug sei nur in Olfen stationiert.

Welche Maßnahmen plant der Kreis, um schneller vor Ort zu sein und die Eintreffzeiten zu reduzieren?


Er plant eine Ausweitung der Vorhaltezeiten. So sollen Ascheberg und Senden stundenweise einen zusätzlichen Rettungswagen erhalten und der Rettungswagen 2 in Lüdinghausen (Standort Olfen) soll künftig 24 Stunden pro Tag zur Verfügung stehen. Dazu der Kreis: „Die Umsetzung muss im Einvernehmen mit den Kostenträgern erfolgen.“

Bedeutet das konkret, dass der Olfener Wagen künftig rund um die Uhr in Olfen steht?


Nein. Der tagsüber in Olfen stationierte Rettungswagen soll „voraussichtlich“, so die Kreisverwaltung, während der Nachtstunden in Lüdinghausen stationiert werden und natürlich auch besetzt sein. Damit würde das gesamte Einzugsgebiet der Wache Lüdinghausen – und damit auch Olfen – von der Ausweitung profitieren.

Anzeige
Anzeige