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Vereine nehmen Internetseiten wegen Verordnung vom Netz

Datenschutzverordnung beschert Vereinen Bürokratie-Stress

Nachdem die europäische Datenschutzverordnung (DSGVO) in Kraft getreten ist, haben viele Vereine ihre Internetpräsenzen aus dem Netz genommen. Auch Olfener Vereine sind davon betroffen.

Olfen

von Anabelle Körbel

, 13.06.2018
Vereine nehmen Internetseiten wegen Verordnung vom Netz

Der Bildschirm zeigt den „Wartungsmodus“ an: Viele Vereine sind momentan nicht über ihre Internetseiten erreichbar. Foto Niehaus

Wer momentan die Homepage der Karnevalistischen Gesellschaft Kitt aufrufen möchte, muss sich mit einer weißen Seite und einem kurzen Text begnügen: „Diese Seite befindet sich momentan im Wartungsmodus. Bitte versuchen Sie es später wieder.“ Ähnliche Szenen bieten sich auf der Webseite des Männergesangsvereins (MGV) Harmonia 1866. Die Ursache muss man nicht lange suchen: Am 25. Mai ist die neue europäische Datenschutzverordnung (DSGVO) in Kraft getreten.

Diese betrifft nicht nur Unternehmen, sondern auch Vereine – unabhängig von ihrer Größe. Seitdem hat jeder Bürger das Recht zu erfahren, welche Daten erhoben und wofür sie verwendet werden. Somit benötigen die Vereine ab sofort das Einverständnis ihrer Mitglieder, wenn es um die Speicherung von Personendaten geht. Fotos, Turnierergebnisse, aber auch Basisinformationen wie Namen oder E-Mail-Adressen – all das kann, widerrechtlich gespeichert oder weitergegeben, zum Verhängnis werden.

Vereine, die gegen die neuen Auflagen verstoßen, können dafür – zumindest theoretisch – mit Bußgeldern von bis zu 20 Millionen Euro belangt werden. Mögliche Fallstricke lauern auch im Internet: auf den vereinseigenen Webseiten oder Facebookpräsenzen. Deshalb haben sich unter anderem der Karnevalsverein und der MGV dazu entschieden, ihre Seiten vorübergehend aus dem Netz zu nehmen. „Wir wollen die Seite jetzt prüfen lassen und uns da absichern“, sagt Kitt-Vorsitzender Matthias Kortenbusch dazu.

„Völlig überzogen“

Dass das neue Gesetz nicht nur für Unternehmen, sondern auch Vereine gilt, hält er für unangemessen. „Gerade bei solch ländlichen Strukturen halte ich das für völlig überzogen.“ Anders als Unternehmen hätten Vereine ja kein wirtschaftliches Interesse an den Daten der Mitglieder. Das sieht auch der Vorsitzende des MGV, Thorsten Kirstein, so. Er findet es schade, „dass der Gesetzgeber scheinbar nicht darauf geachtet hat, wie sich das auf die Vereine auswirkt.“ Obwohl man die neue Verordnung bereits umgesetzt habe, wolle man keine Strafen riskieren. Denn eine Geldstrafe sei vor allem für kleinere Vereine „das Schlimmste überhaupt, was passieren kann“.

Die Seite des SuS Olfen ist hingegen weiterhin im Internet einsehbar. Vorsitzender Bernhard Bußmann: „Es war nie eine Option, die Seite vom Netz zu nehmen.“ Er habe sich seit November mit dem Thema beschäftigt und als die Verordnung dann in Kraft trat, habe man „schon einen gewissen Vorsprung gehabt.“

Trotzdem: In der Anfangsphase hat ihm das Gesetz große Sorgen bereitet. „Ich wusste nicht, was auf mich zu kommt“, sagt er. Da er als Vorsitzer für etwaige Verstöße haftbar ist, hatte er zwischenzeitlich sogar überlegt, seinen Vorstand abzugeben. Im letzten halben Jahr hat er aber viel unternommen: die Vereinssatzung wurde geändert, eine neue Datenschutzverordnung und ein neuer Mitgliedantrag wurden erstellt.

„Auf der einen Seite ist es natürlich wichtig, Daten zu schützen“, sagt er. Auf der anderen Seite bedeute die Verordnung aber auch einen enormen ehrenamtlichen Aufwand: „Das wird uns ewig beschäftigen.“ Bei der Suche nach einem Datenschutzbeauftragten hatte Bußmann Glück: Ein Vereinsinternes Mitglied hat die Aufgabe übernommen. Und das ehrenamtlich. „Ich weiß von vielen Vereinen: Die haben niemanden, der sich da kümmert“. Und wenn vereinsintern niemand gefunden wird, muss ein Externer beauftragt werden. „Das Geld stecke ich doch lieber in die Jugendarbeit“, so Bußmann.

Bald wieder online

Einen finanziellen Mehraufwand würde es auch für die Karnevalisten bedeuten, wenn sie die Betreuung der Homepage aus Datenschutzgründen ab sofort in professionelle Hände geben würden. Bis jetzt übernimmt das ein Mitglied ehrenamtlich. 800 oder auch 1000 Euro im Jahr seien dann „schnell weg“. Momentan prüfe man verschiedene Angebote, eine Entscheidung über das weitere Vorgehen steht noch aus. Egal wie sie ausfällt: Die Seiten des Kitt und der Harmonia werden wohl bald wieder online zu finden sein. Wie genau sich die DSGVO in Zukunft auf die Olfener Vereine auswirken wird, ist hingegen noch unklar. Matthias Kortenbusch vom Kitt dazu: „Das Thema wird momentan sehr heiß gekocht. Sehen wir mal in zwei Jahren, wie es dann mit der Umsetzung aussieht.“