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Auf Ötzis Spuren

SCHWERTE Der Schütze zieht die Bogensehne weit durch, peilt über den Pfeil den Hasen an. Er lässt los und der Holzpfeil segelt ins Papier - weit neben dem aufgezeichneten Beutetier.

Auf Ötzis Spuren

Mancher Teilnehmer kam im Fellgewand.

"Da gibt es heute Abend eben Tannennadel-Suppe", grinst Stephan Planitz. Er gehört zu den Ausrichtern des Wettkampfs im Prähistorischen Bogenschießen und Speerschleudern.

Schon auf dem Weg zum Bogenschießplatz an der Hörder Straße erfährt der Besucher von den Hinweisschildern: Hier geht es um Europameisterschaftsehren. Doch nur wer auf vielen der 17 Europameisterschaftsturniere punktet, kann im Steinzeitsport einen kontinentalen Titel abräumen.

Internationales Flair auf der Starterliste

Das Flair ist dementsprechend international. Franzosen, Engländer, Belgier und sogar ein Gast aus dem US-Bundesstaat Wyoming stehen auf der Starterliste: insgesamt über 100 Bogenschützen und 50 Speerschleuderer.

Entstanden ist die Sportart aus der experimentellen Archäologie. Wie konnten Ötzi und Co. überleben? Taugen Speer und Bogen aus einfachen Materialien überhaupt für die Jagd?  

  Wer hier mit schießt, braucht ein stilechtes Sportgerät. Kurz und Langbögen aus Hickory oder Ulme. Noch schwieriger ist die Auswahl der richtigen Sehne. Die meisten Materialien halten nicht sehr lange. Kunstfaser verbietet sich von selbst.

Sehne aus Brennnesselfaser

"Ich habe mal mit einer Sehne aus Brennesselfaser 1800 Schuss abgegeben", erklärt Werner Pleil. Der Mann mit dem archaischen Vollbart ist aus Stuttgart angereist. Im normalen Leben arbeitet er als Pressefotograf.

Pleil gehört zu jenen Teilnehmern, die so einer Veranstaltung besondere Atmosphäre verleihen. Denn neben dem historisch korrekten Köcher trägt er auch Gürtel und Ketten im Steinzeitlook. Manche Kollegen sind komplett in Felle gewandet, andere tragen moderne Fleecepullis.

Am Rande des Platzes hat Jean Loup Ringot seinen Stand aufgebaut. Er bietet echte Felle an. Aus denen kann sich der moderne Ötzi seine Gewänder oder Decken schneidern. Denn der Steinzeitmensch im knappen Bärenfell sei eine Legende, betont er. Ringot hat aus seinem Hobby einen Beruf gemacht. Er veranstaltet Steinzeiterlebnisse.

Bogen im Neandertaler-Museum gebaut

Auf einer Veranstaltung dieser Art kam übrigens auch Turnierorganisator Planitz vom Sportbogen zur prähistorischen Variante. "Den ersten Bogen habe ich bei einem Workshop im Neandertal-Museum gebaut", erzählt er.  

  Auf zehn Scheiben müssen die Schützen jeweils einmal abfeuern. Denn auch Ötzi und Co. hatten nur einen Schuss. Obwohl der Blattschuss mehr zählt als ein Treffer am Rand des Tieres: Gewonnen hat der, der die meisten Treffer hatte - unabhängig von der Punkte-Zahl. "In der Steinzeit galt: Der bessere Jäger war derjenige, der seiner Sippe jeden Tag ein Kaninchen brachte und nicht nur einmal einen Elefanten traf", grinst Planitz.  

Ach ja, bei aller Liebe zu unseren Vorfahren. Beim gemütlichen Beisammensein am Abend, gibt es dann doch keine Tannennadelsuppe, sondern Braten und roten Wein.

      

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