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Das Interview

SCHWERTE Schlechte Noten aus Berlin für den Kreis, Streit um eine Spielplatzschaukel in Geisecke – wie steht es mit der Familienfreundlichkeit in der Stadt? Heiko Mühlbauer sprach mit den Koordinatoren des Bündnisses für Familien, Michael Schlabbach und Ursula Meise.

2004 rief die damalige Familienminsterin Renate Schmidt die Initiative zur Gründung lokaler Bündnisse ins Leben. In Schwerte war man erst 2006 soweit, warum? Schlabbach: Zunächst einmal muss man sagen, dass wir bereits 2005 angefangen haben zu planen. Doch man muss Mitstreiter und Partner finden. Das ist uns 2006 gelungen.Meise: Unser erstes Projekt, den Familienatlas, hatten wir bereits im Frühsommer 2006 in der Planung. Und schon im Februar 2007 haben wir mit einem Workshop die Weichen gestellt.

In welche Richtung? Schlabbach: Wir haben vier Arbeitsgruppen gebildet. Die beschäftigen sich mit flexibilisierter Kinderbetreuung, der Integration von Migrantenfamilien, dem Miteinander der Generationen und der Unterstützung von Menschen mit Behinderungen und ihrer Familien.

Was hat das Bündnis bisher bewirkt? Meise: Auf jeden Fall haben wir die zahlreichen Angebote, die es in der Stadt gibt, zusammen geführt. Der Familienatlas dokumentiert, wie viele das sind. Wir verstehen uns da eher in einer Bündelungs- und Vermittlungsfunktion.

Der Atlas ist fertig, die Arbeitsgruppen sind tätig, was steht nun an? Schlabbach: Wir haben uns das Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf für 2008 auf die Fahnen geschrieben. Unternehmen können durch eine familienorientierte Personalpolitik selbst wesentlich zu einer besseren Vereinbarkeit von Erwerbstätigkeit und Familienaufgaben beitragen. Der Aufwand dafür kann sich betriebswirtschaftlich rechnen. Darüber wollen wir mit Unternehmen reden.

War Schwerte vor der Gründung des Bündnisses weniger familienfreundlich? Meise: Natürlich gibt und gab es Defizite – hier wie anderswo. Das hat Familienministerin Schmidt auch gewusst, als sie die Initiative gestartet hat. Generell kann man aber sagen, dass es für eine Stadt dieser Größe schon reichlich Angebote vorhanden sind.

Und was fehlt Schwerte? Schlabbach: Unternehmen, die familienfreundliche Arbeitszeiten anbieten. Das ist ein weicher Standortfaktor, der am Ende auch die heimische Wirtschaft stärkt.

Als die Prognos-Studie den Kreis Unna als weniger familienfreundlich wertete, haben Sie sich geärgert? Meise: Natürlich, weil wir gerade im Bereich Betreuung schon weit gekommen sind. Aber es gibt eben auch die Defizite.

Und die wären? Meise: Familienpolitik kostet Geld. Und davon haben die Kommunen immer weniger.

Also muss ehrenamtlich gearbeitet werden? Meise: Ich mach das gerne und die Arbeit ist auch wichtig, sie darf aber nicht professionelle Arbeit ersetzen. Lesepaten sind toll, aber nicht als Ersatz für mehr Lehrer oder Erzieher.

Wie sehen die Sprecher des Bündnis‘ für Familien eigentlich den leidigen Streit um den Spielplatz in Geisecke? Meise: Das ist aus zwei Gründen ärgerlich: Zum einen zeigt es, dass Kinder nicht das Sprachrohr haben, dass sie brauchen. Zum anderen hat so etwas Signalwirkung. Man kann gute Angebote haben, wie Schulen, Offene Ganztagsschule und Kindergärten, wenn sich in den Köpfen aller gesellschaftlichen Schichten nichts ändert, dann helfen jegliche Anstrengungen nichts.Schlabbach: Es zeigt auch, dass es besser wäre, wenn wir da mehr eingebunden wären. Wir haben von dem Beschluss des Ausschusses erst aus der Zeitung erfahren.Meise: Es zeigt uns: Wir sind bei vielen angekommen, aber noch nicht überall in Politik und Verwaltung.

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