Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Freiheit hinter der Maske

ERGSTE Die Augen blicken starr nach vorn, die wulstigen Lippen sind in der Bewegung eingefroren, niemand sagt ein Wort. Masken verdecken die Gesichter der Darsteller und lassen die Körper für sich sprechen. Theaterprobe in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Ergste.

/
Die Masken verbergen ihre Gesichter. Gestik und Körpersprache sind die Ausdrucksmittel.

Vor dem Spiel steht die Verwandlung. Nach und nach stülpen sich zwanzig Männer ihre selbstgebastelten Masken über und schlüpfen in die Kostüme. Lange wallende Ledermäntel, weite Blusen und Hosen, Pappmachee-Gesichter in blau, rot und grün verdecken vieles – nicht nur die Körperkonturen. „Mit der Maske bewegt man sich anders“, erklärt einer der Schauspieler. „Viel freier.“ Der Vorschlag von Theaterpädagoge Dirk Harms, diesmal einen Mummenschanz aufzuführen, hatte bei den Männern einen Nerv getroffen. „Alle waren sofort einverstanden“, erinnert sich Harms. Auch er hat festgestellt: Wer vorher zurückhaltend gewesen sei, werde hinter der Maske auf einmal mutig.Brecht und Grass gelesen  Seit August laufen die Vorbereitungen für dieses vierte Stück. 22 Teilnehmer zählt die Gruppe mittlerweile, zwei weitere stehen auf der Warteliste. Das Theaterspiel ist beliebt – auch wenn es viel Arbeit bedeutet, wie der Theaterpädagoge betont. Das Bühnenbild haben zum Beispiel die Männer der Arbeitstherapie gestaltet. Inhaltlich orientiert sich das Stück an der Zeit des 30-jährigen Krieges im 17. Jahrhundert, die Darsteller haben „Mutter Courage“ von Berthold Brecht gelesen sowie das „Treffen in Telgte“ von Günter Grass. Die schlichte, aber emotionale Chormusik von Paul Gerhard, einem der bedeutendsten Liederdichter der protestantischen Kirche, steht im krassen Gegensatz zum chaotischen und verwirrenden Kriegsgeschehen, das die Schauspieler in ihren Szenen darstellen. Toleranz und Respekt gelernt Der Dichter in seinem Garten, ein junger Mann, der Schmetterlinge fängt, ein Sohn und seine Mutter mit ihrem Fischernetz, ein Überfall von marodierenden Banden – gemeinsam entwickeln Dirk Harms, sein Regieassistent und die Darsteller die Handlung – die bis zur Premiere veränderbar bleibt. Bei den sogenannten öffentlichen Proben sind die Schauspieler für Impulse der Zuschauer offen. Und auch die Schauspieler verändern sich während der Proben. „Mit dem Theater öffnet sich ein Weg, um aus Ängsten und Einsamkeit herauszukommen“, erzählt einer der Darsteller. Toleranz und Respekt habe er im Projekt gelernt –  die er im wirklichen Leben noch besser gebrauchen könne als in der Theaterwelt. Insgesamt fünf Vorastellungen Insgesamt gibt es fünf Vorstellungen von „Stück 4. ‚...aus mein herz in...‘ (ein mummenschanz)“. Die erste öffentliche Probe findet am Freitag, 9. November, um 17.30 Uhr statt, es folgen Proben am 16. und 30. November, ebenfalls 17.30 Uhr sowie am Samstag, 24. November, 14 Uhr. Die Premiere ist für Freitag, 7. Dezember, 17.30 Uhr, angesetzt. Der Eintritt kann nur nach Voranmeldung, telefonisch oder schriftlich, erfolgen. Besucher werden gebeten, ohne Mobiltelefon, mit gültigem Personalausweis und mit mindestens fünf Euro 30 bis 45 Minuten vor Beginn zu erscheinen.

/
Die Masken verbergen ihre Gesichter. Gestik und Körpersprache sind die Ausdrucksmittel.

Anzeige
Anzeige