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Pilze bis der Arzt kommt

VILLIGST Der Rasen ist übersät mit Pilzen: Untertassengroße braune, weiter hinten kleine gelbe mit Hütchen, im Beet sprießen dicke gräuliche Knollen.

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Prachtexemplare im Garten von Dr. Michael Thölke (l.). Pilzexperte Willibald Träger hat den „Kahlen Krempling“ schnell identifiziert.

Eigentllich wollte er Pilze wollte finden- Stattdessen aber entdeckte ein 39-jähriger Sammler im Wuppertaler Wald Granaten.

Ein Graus für jeden Hobbygärtner. Außer für Dr. Michael Thölke. Der ehemalige Chefarzt des evangelischen Krankenhauses freut sich über die vielen Pilze im heimischen Garten. Mehr noch: Er züchtet sie förmlich. Denn Dünger nimmt Thölke nicht in die Hand. Auch wenn er auf die Stinkmolche, die vor einiger Zeit aus dem Boden schossen, gut hätte verzichten können.

Wunderliche Pilzvermehrung

Doch ist es allein der Verzicht auf Chemie, der zu dieser wunderlichen Pilzvermehrung geführt hat? Das fragten wir einen, der es wissen muss: den Pilzsachverständigen Willibald Träger. Seit Jahren ist der 68-Jährige Mykologe aus Leidenschaft. Gestern Nachmittag begutachtete er für uns die Pilze im Garten von Dr. Thölke.

Körper bildet Antikörper

„Kahler Krempling“ nennt sich das 20 Zentimeter breite Gewächs, das den Besucher direkt hinterm Gartentor begrüßt. In älteren Pilzbüchern wird er noch unter „essbar“ geführt. „Mitnichten“, sagt dazu Pilzexperte Willibald Träger. Er weiß: „Der Körper bildet Antikörper gegen ein im Pilz enthaltenes Antigen. Das kann auf Dauer sogar zum Tod führen“. Verzehren würde Gartenbesitzer Thölke seine Pilze eh nicht. Als Mediziner weiß er, wie fatal eine Verwechslung sein kann.

Köstlich bis ekelhaft

Beim Schwefelkopf ein paar Meter weiter liegen Welten zwischen der grau- und grünblättrigen Variante: die eine köstlich, die andere ekelhaft. Ist die Sporenreife einmal erreicht, lässt sich die Zuordnung nicht mehr äußerlich klären. Der Sachverständige will‘s wissen und beißt ein Stück ab. Sein Gesichtsausdruck genügt als Antwort: grünblättrig. „Das feucht-warme Wetter fördert das Pilzwachstum“, erklärt Träger. Er vermutet unter dem 1850 Quadratmeter großen Grundstück viele Baumwurzeln: „Porling, Schwefelkopf und Co. bilden sich bevorzugt an Gehölz.“ Zudem ist der Boden hier, wo früher ein Bauernhof war, sandiger als in anderen Gärten.

Keine Pilze auf der Terrasse

Beim Rasenmähen hat Dr. Thölke ein Büschel ausgespart, weil er das Kraut an dieser Stelle mochte. Der Mediziner überlässt eben vieles der Natur. Außer auf der Terrasse: Dort steht eine handgeschliffene Pflaumenbaumwurzel. Auf Pilze kann er hier gut verzichten.

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Prachtexemplare im Garten von Dr. Michael Thölke (l.). Pilzexperte Willibald Träger hat den „Kahlen Krempling“ schnell identifiziert.

Eigentllich wollte er Pilze wollte finden- Stattdessen aber entdeckte ein 39-jähriger Sammler im Wuppertaler Wald Granaten.

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