Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Prozess nach Überfall auf Schwerter Esso-Tankstelle

Räuber hörte auf die Stimme des „bösen Engels“

SCHWERTE/HAGEN Nach drei Tagen ohne Schlaf und mit viel Alkohol und Kokain im Blut führten innere Stimmen den Angeklagten im Oktober zum Holzener Weg. Sein Trip endete jetzt auf der Anklagebank.

Räuber hörte auf die Stimme des „bösen Engels“

Die Esso Tankstelle am Holzener Weg wurde im Oktober überfallen. Foto: Bernd Paulitschke

Sechs Monate nach einem spektakulären Raubüberfall auf die Esso-Tankstelle am Holzener Weg hat ein 48-jähriger Schwerter am Dienstag vor dem Hagener Landgericht ein Geständnis abgelegt. Angeblich war der Räuber, der damals von zwei Zeugen an der Flucht gehindert worden war, befallen von inneren Stimmen.

Als Motiv für den Beutezug am frühen Abend des 9. Oktober 2017 nannte der bullige Schwerter seine völlige Verzweiflung nach einem dreitägigen Kokain-und-Alkohol-Trip ohne auch nur eine Minute Schlaf. Er sei wie ein aufgescheuchtes Huhn zu Hause in seiner Wohnung herumgelaufen und habe immer nur an Möglichkeiten gedacht, wie er an Tabletten (Benzodiazepine) zur Beruhigung kommen könne. Eine Kopf-Stimme habe ihm letztlich den Befehl erteilt: „Los, besorg‘ Dir Geld dafür!“ Stundenlang habe er danach noch mit sich gerungen, ehe er sich schließlich doch als Maske eine Motorradhaube und als Waffe ein Messer gepackt, sich auf sein Fahrrad gesetzt habe und losgefahren sei. „Die Stimme kam von innen. Sie müssen sich das so vorstellen wie ‚guter Engel‘ und ‚böser Engel‘“, sagte der 48-Jährige den Richtern. „Am Ende hat das Böse in mir gesiegt.“


Maske und Tüte

„Alles rein hier. Los, da rein.“ Es war exakt 18.31 Uhr, als der bewaffnete Masken-Täter mit einer weißen Tüte ausgestattet in den Verkaufsraum der Esso-Tankstelle gestürmt war. Wie das Überwachungsvideo, das am Dienstag vor Gericht abgespielt wurde, enthüllte, dauerte der Coup keine 30 Sekunden. „Ich habe sofort die Kasse aufgemacht. Er hat das Geld in die Tüte gepackt“, erinnerte sich die überfallene Kassiererin. Das auffälligste Merkmal an dem Räuber sei sein Körpergeruch gewesen. „Er hat ganz fürchterlich nach Alkohol und Schweiß gerochen“, so die Frau. Sorgen und Ängste habe sie trotz der Tatsache, dass das bereits ihr zweiter Überfall in der Tankstelle gewesen sei, nicht sonderlich gehabt: „Ich konnte eigentlich sogar auch ganz gut schlafen.“

Dass der Angeklagte damals praktisch noch vor Ort festgenommen werden konnte, ist zwei aufmerksamen und couragierten Zeugen zu verdanken. Einer, der gerade seinen Wagen betankt hatte, hatte sich dem mit dem Rad flüchtenden Täter in den Weg gestellt, mit ihm gerangelt und letztlich mit einem Faustschlag zu Boden gebracht. „Er hat immer nur gesagt, Du kriegst mich nicht.“

„Hilfe! Überfall!“

Gemeinsam mit einem Freund, der damals zufällig an der Tankstelle vorbeigelaufen und auf die Hilferufe der Kassiererin („Hilfe! Überfall!“) aufmerksam geworden war, war es den Männern gelungen, den Täter bis zum Eintreffen der Polizei festzuhalten. Die Frage nach Angst verneinten beide Zeugen. „Ich habe nichts gefühlt, hatte wie einen Blackout“, sagte einer.

Für den Prozess haben die Richter noch zwei weitere Verhandlungstage im April anberaumt. Dem massiv vorbestraften Angeklagten droht eine empfindliche Gefängnisstrafe. Möglicherweise geht es daneben auch um eine Einweisung in eine geschlossene Drogen-Entzugs-Klinik.

Anzeige
Anzeige