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Unterm Deutschland-Trikot schlägt ein Herz für Mexiko

Au-pair-Mädchen feiert Fußballparty in Schwerte

Für die Familie Wolf wird das erste WM-Spiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ein besonderes Ereignis. Auch wenn es nicht alle gemeinsam erleben werden.

Schwerte

von Reinhard Schmitz

, 16.06.2018
Unterm Deutschland-Trikot schlägt ein Herz für Mexiko

Auf das WM-Auftaktspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Mexiko freuen sich (v.l.) Dr. Stefan Wolf, sein mexikanisches Au-pair-Mädchen Marianna Carachure, Ehefrau Anna Maria Wolf und Tochter Victoria (6). Sie schwenken schon mal die beiden Landesflaggen. © Foto: Reinhard Schmitz

Das Trikot ist das von Neuer, Kroos & Co. Aber das Herz darunter schlägt für Mexiko. Ganz klar, da gibt es kein Vertun. Denn das ist das Heimatland von Marianna Carachure, die als Au-pair-Mädchen in der Familie von Tierarzt Dr. Stefan Wolf wohnt. Genau drei Monate lebt sie dort, wenn am Sonntag Deutschland und Mexiko bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland aufeinander treffen.

Für die Dauer des Spiels wird die 20-Jährige dann einmal nicht die Kinderbetreuung übernehmen. Normalerweise kümmert sie sich ständig um die sechsjährige Victoria Wolf. Spielt mit ihr, holt sie vom Kindergarten ab und begleitet sie zum Musikschul-Unterricht und anderen Aktivitäten. Doch am Sonntag übernimmt Mama Anna Maria Wolf diese Aufgabe selbst. Denn Victoria hat im Saalbau in Witten ihren ersten großen Auftritt mit der Ballettschule – ausgerechnet zur Anstoßzeit des WM-Spiels. Das verpasst auch das angehende i-Männchen, das sonst super gerne mit dem Papa im Fernsehen Fußballspiele verfolgt. Am liebsten natürlich die von der Borussia aus Dortmund.

Dr. Wolf wird diesmal wohl seinem Gast aus Mexiko zeigen, wie man in Schwerte Fußballfeste feiert – vermutlich beim Public Viewing auf dem VfL-Sportplatz am Schützenhof. „Ein T-Shirt habe ich schon gekauft – von Deutschland“, sagt Marianna Charachure. Weiter geht die Liebe aber nicht. Mitgefiebert wird natürlich für Mexiko. „Ich bin schon so aufgeregt“, verrät die 20-Jährige. Auch wenn sie, nach ihrem Ergebnistipp gefragt, ohne groß nachzudenken erklärt: „Ich glaube, dass Deutschland gewinnt.“

„Chicharito“ lässt sie kalt

Das wollen die Spieler um Javier Hernández, besser bekannt unter seinem Beinamen „El Chicharito“ (Spanisch: „Kleine Erbse“) aber möglichst verhindern. Der Star, der in den Medien immer wieder als Frauenschwarm gehandelt wird, lässt den Puls von Marianna Carachure allerdings nicht höher schlagen. „Er ist ein guter Fußballer“, erklärt sie nur knapp. Dagegen trauert sie einem Hugo Sanchez nach: „Der war der bestes Fußballspieler in Mexiko, aber spielt leider nicht mehr.“ Auch Rafael Márquez sei gut gewesen.

Die Stars ihres Landes kennt die Mexikanerin alle nur aus dem Fernsehen. „Ich war noch nicht im Stadion“, berichtet sie. Klar, auch in ihrer Heimatstadt Puebla gebe es eine Mannschaft. Aber die interessiert sie eigentlich nicht: „Ich bin kein Fan eines Vereins, ich bin nur Fan der Nationalmannschaft.“

Erinnerungen an 1986

Als die 1986 vor heimischem Publikum die Weltmeisterschaft ausrichtete, war Marianna Carachure noch längst nicht auf der Welt. Anna Maria Wolf kann sich aber noch sehr gut an das Turnier in Mexiko erinnern. „Damals war ich zwölf und im Ferienlager“, berichtet sie. Und hat immer noch das Maskottchen vor Augen: ein Mexikaner mit einem mächtigen, breitkrempigen Hut auf dem Kopf.

Die ganze lateinamerikanische Nation feierte damals die „Campeonato Mundial De Futbol“, wie die Fußballweltmeisterschaft in der Landessprache Spanisch heißt. So weit sind die Sprachkenntnisse von Victoria noch nicht. Aber „Ayuda“ („Hilfe“) kann sie schon sagen. Auch ein paar weitere Brocken, die sie ihrem Au-pair-Mädchen abgehört hat, gehen ihr über die Lippe. Vor allem, wenn sie sich unbeobachtet fühlt. „Kinder lernen so ungezwungen, immer ein Wort mehr“, sagt Mutter Anna Maria Wolf, die selbst gebürtig aus Polen stammt. Deshalb wächst ihre Tochter auch schon ganz spielerisch zweisprachig auf.

Bratwurst und Schwerter Senf

Und was wäre der kulturelle Austausch zwischen den Ländern ohne die Spezialitäten aus der Küche. „Ich liebe das mexikanische Essen“, erklärt Anna Maria Wolf, die mit ihrem Au-pair-Mädchen aber auch einen der besten kulinarischen Botschafter bekommen hat.

Einmal erhielt sie sogar Unterstützung. Von einer Landsmännin, die derzeit als Au-pair in Duisburg gelandet ist. Man kannte sich aus Skype-Gesprächen bei den Bewerbungen. Schließlich kam die Wahl-Duisburgerin für einen Tag nach Schwerte und stellte sich mit Marianna Carachure an den Herd, um die Familie Wolf zu bekochen.

Umgekehrt hat die Mexikanerin auch schon ihr deutsches Leibgericht gefunden. „Bratwurst“, sagt sie mit einem rollenden „R“ und einem breiten Lächeln. Am liebsten natürlich mit dem originalen Schwerter Senf aus der Senfmühle von Frank Peisert.

Von dieser Würze wird sie bestimmt mindestens ein Glas in den Koffer packen, wenn ihr Aufenthalt in der Ruhrstadt nach einem Jahr im März 2019 endet. Dann geht es in Mexiko wieder zurück in die Universität zum Englisch- und Deutsch-Studium. Dort hatte sich Marianna Carachure schon zuvor ein halbes Jahr lang auf ihre Au-pair-Zeit sprachlich vorbereitet. In Schwerte wurde weiter gelernt – an der Volkshochschule. Damit die Verständigung mit ihren Gastgebern jeden Tag besser klappt.