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Urlaub der Generationen

SCHWERTE 89 Jahre hat es gedauert, bis Irene Witt zum ersten Mal in ein Flugzeug stieg. In dieser Woche landete die Schwerterin an Bord eines Ferienfliegers in Frankfurt. Auch für die Sitznachbarin waren es die ersten Flüge. Der Unterschied: Sie ist gerade vier Monate alt. Irenes Urenkelin Inga.

Urlaub der Generationen

830 Kilometer pro Stunde – so schnell war Irene Witt (r.) noch nie unterwegs. „Sie hat richtig gezittert“, konnte Tochter Ursula beobachten.

Daneben: Enkelin Martina (44) und Tochter Ursula (66). Vier Frauen, vier Generationen. Zusammen waren sie auf Ibiza. Dort hat die 89-jährige Irene zum ersten Mal das Meer gesehen. Außer einer Butterfahrt und einem Schweiz-Besuch 1968 war sie in ihrem ganzen Leben nie verreist. 53 Jahre hatte sie ihre nervenkranke Schwester gepflegt, die im vergangenen Jahr mit 94 Jahren starb. Eigentlich habe ihre Mutter einen Orden verdient, meint Ursula Borowka.Flugtickets vom "Schwiegerenkel" Es war schließlich „Schwiegerenkel“ Guido, der die Idee eines Vier-Generationen-Urlaubs hatte. Ein halbes Jahrhundert war die rüstige, alte Dame nie auf ihre eigenen Wünsche bedacht gewesen. Da galt es, ihr auch einmal eine Freude zu bereiten. Zur Taufe seiner Tochter überreichte Guido der 89-Jährigen die Flugtickets. Zwei Stunden waren sie in der Luft. „Ganz schön aufregend“, erzählt Irene. 830 Kilometer pro Stunde – so schnell war sie noch nie unterwegs. „Sie hat richtig gezittert“, konnte Tochter Ursula beobachten. Angekommen im Ferienhaus, das Enkelin Martina und Mann Guido Weishaupt gehört, wurde die Späturlauberin dann so richtig verwöhnt. „Den Kaffee brachten sie mir ans Bett“, schwärmt Irene, die sich auf Ibiza sogar in den Swimming-Pool wagte. Bei der Fortbewegung zu Wasser ist sie nämlich ebenso Spätzünderin wie in der Luft, hatte erst mit 50 schwimmen gelernt und es in den letzten Jahren nie wieder probiert.Nicht die einzige ohne Zähne Bei traumhaftem Wetter erkundeten Frauen und Fräulein die Insel, besichtigten Kirchen oder schlenderten am Hafen entlang. Und als Uroma und Urenkelin abends gemeinsam im Bett lagen, scherzte die 89-Jährige, sie sei wenigstens nicht die Einzige ohne Zähne. Sogar auf einen Hippie-Markt haben sie sie mitgenommen. Ihre Arthrose war indes wie weggeblasen. Schließlich ging alles viel zu schnell vorbei. Es soll nicht der einzige Flug im Leben von Irene gewesen sein. „Schwiegerenkel“ Guido, zuletzt im Management eines großen Unternehmens beschäftigt, hat ein Jobangebot aus den USA erhalten. Die Familie wird daher bald nach New York umziehen. Und Irene, die will zu Besuch kommen.

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