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Wie ein Imker ein ausgeschwärmtes Bienenvolk einfängt

Bienenfänger im Einsatz

Ein Bienenschwarm hatte sich in den Hinterhof unserer Redaktion verirrt. Wir begleiteten Imker Bernd Böhle bei seiner Rettungsaktion. Im Gepäck hatte er eine Art Fertighaus für die Insekten.

Schwerte

von Heiko Mühlbauer

, 05.06.2018
Wie ein Imker ein ausgeschwärmtes Bienenvolk einfängt

Die Traube Bienen hing im Baum. © Bernd Paulitschke

Es war wie eine kleine Wolke am Montagmittag, die auf die Fenster der Ruhr-Nachrichten-Redaktion zuflog. Doch schon bald hingen die Bienen in einer dicken Traube an einem Baum vor dem Fenster. Ein Bienenschwarm hatte im Hinterhof zwischen Eintrachtstraße und Postplatz sein Quartier bezogen. „Das Ausschwärmen ist eigentlich die natürliche Vermehrungsart von Bienen“, erklärt Bernd Böhle, Vorsitzender des Imkervereins, den die Redaktion benachrichtigt hatte, als die Tiere als Traube im Baum saßen.

Alte Königin muss ausziehen

Im Frühjahr, wenn es genügend Nektar gibt, vermehren sich auch die Bienenvölker. Wenn es zu voll im Stock wird, ziehen sich die Bienen eine neue Königin heran. Die alte verlässt mit einem Teil ihres Volkes den Stock und sucht sich eine neue Unterkunft. „Die Imker versuchen, das möglichst zu verhindern“, weiß Böhle.

Wie ein Imker ein ausgeschwärmtes Bienenvolk einfängt

© Bernd Paulitschke

Doch nicht immer gelingt es. Dennoch sind ausschwärmende Bienenvölker mittlerweile relativ selten geworden. „In diesem Jahr bin ich jetzt das erste Mal benachrichtigt worden. Im vergangenen Jahr überhaupt nicht“, berichtet der erfahrene Imker. Imker dürfen solche freien Bienenvölker einsammeln. Deshalb hat Böhle auch einen Kasten mit vorbereiteten Waben mitgebracht.

Mit Wasser beruhigen

Doch ganz so einfach ist die Bergung der Bienentraube nicht. Der Schwarm sitzt auf einem Ast über dem Nachbargrundstück. „Im Bürgerlichen Gesetzbuch steht, dass ein Imker beim Einfangen eines Bienenvolks auch fremde Grundstücke betreten darf“, weiß der Fachmann. Allerdings muss er auch dahin gelangen. Schließlich zeigt ihm ein Mieter einen Zugang zum Innenhof. Dort ist eine Laube, von der Böhle an den Ast mit den Bienen gelangt.

Die Tiere werden zunächst mit Wasser bestäubt. „Bei Regen lässt bei denen die Lust zum Fliegen nach“, erklärt er. Denn schließlich sollen möglichst viele Tiere in den Kasten mit den Waben, die übrigens aus echtem Bienwachs sind, schlüpfen. Dazu schneidet er den Ast ab und legt die Tiere auf die Waben. Die meisten Bienen lassen sich tatsächlich in die Holzkiste schütteln. Einige fliegen aber auch los und schnell ist der Imker in seiner Schutzkleidung von Bienen umschwärmt. Trotzdem bleiben die Tiere verhältnismäßig ruhig.

So eine Umsiedelungsaktion klappt nicht immer. Manchmal akzeptieren die Bienen ihr neues Zuhause nicht und hängen am nächsten Tag wieder im Baum. Am Montagabend in Schwerte sah das nicht so aus. Abgeholt wird die Kiste erst einen Tag später. Damit alle Bienen des Schwarms den neuen Bienenstock gefunden haben. Und das sind nach Schätzung von Böhle in diesem Fall bis zu 20.000 Tiere.