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An welchen Stellen wird es eng im Ortskern?

Fußgängerfreundlichkeit in Bork getestet

Wie fußgängerfreundlich ist Bork? Um auf diese Frage eine Antwort zu finden, war eine Gruppe aus Experten und Borkern im Ortskern unterwegs. Und hat festgestellt, dass es da an einigen Stellen im Ortskern hakt.

Bork

von Marie Rademacher

, 07.06.2018
An welchen Stellen wird es eng im Ortskern?

An der Kreuzung mit abknickender Vorfahrt im Borker Zentrum muss Rollstuhlfahrer Ulrich Mengelkamp auf die Straße ausweichen. © Marie Rademacher

Einen Kilometer. So viel bewegt sich ein Deutscher im Durchschnitt pro Tag zu Fuß. „Das ist viel zu wenig“, sagt Städteplanerin Dr.-Ing. Minh-Chau Tran. Was Städtebau und Bewegung miteinander zu tun haben? Jede Menge, sagt die Expertin von der Uni Duisburg-Essen. „Bewegung im Alltag hängt auch von den Verhältnissen – also von der gebauten Umwelt – ab“, erklärt sie am Donnerstagmorgen in der Stephanuslaube.

Gehwege, Hindernisse, Sitzgelegenheiten

Vor ihr sitzt dabei schon eine kleine Gruppe aus Borkern, die das Quartiersmanagement, das die Caritas und die Stadt für den Selmer Ortsteil eingerichtet haben, eingeladen hat, um zusammen mit Minh-Chau Tran und ihrem Team die Fußgängerfreundlichkeit vor Ort zu prüfen. Sind die Gehwege breit genug? Gibt es Hindernisse? Wie sieht es mit Sitzgelegenheiten, Gastronomie und Einzelhandel aus? Das gilt es an diesem Aktionstag herauszufinden.

Zur „Datensammlung“ geht es vor die Tür: Von der Stephanuskirche aus gehen die sieben Teilnehmer, jeweils mit einem Tablet und passenden Fragen zur Strecke ausgestattet, eine kleine Route ab. Schnell findet die Gruppe, die altersmäßig bunt durchmischt ist, ein paar Stellen, an denen es hakt. „Ich muss sagen – im Dorf ist es schwierig für Fußgänger“, sagt so zum Beispiel Siegfried Gründkern. Er ist 77 Jahre alt und nicht mehr ganz so gut zu Fuß.

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Als Fußgänger müsste man auf der Hauptstraße teilweise auf dem Bürgersteig den Autos Platz machen, damit der Verkehr weiter fließen kann. Vor allem, wenn man Kinderwagen oder Rollator dabei hat und dann noch Fahrradständer oder parkende Autos im Weg stehen, wird das schwierig – oder sogar gefährlich.

Mit dem Kinderwagen unterwegs

Anja Paechnatz (29) bleibt im Dorf an ein paar Stellen stehen und macht mit dem Tablet Fotos. Sie hat ihren kleinen Sohn im Kinderwagen dabei. „Das ist hier teilweise schon eine Katastrophe“, sagt sie, als die Gruppe vom Dorf aus Richtung Lidl auf die Hauptstraße abbiegt. An der Kreuzung mit abknickender Vorfahrt und auch danach in Höhe der ehemaligen Apotheke sind die Bürgersteige sehr schmal. „Da kommt man mit den Kinderwagen gar nicht durch.“

Und mit dem Rollstuhl auch nicht: Ulrich Megelkamp (62), der seit drei Jahren auf einen solchen angewiesen ist, wählt deshalb kurzerhand den Weg auf der Straße und setzt erst an einem abgesenkten Bordstein wieder zurück auf den Fußgängerweg. „Es gibt hier schon so manche Stellen...“, sagt er und deutet mit einer Handbewegung an, dass es
an denen für Rollstuhlfahrer eng werden kann. Grundsätzlich, so sagt er, gefalle ihm das „ruhige“ Bork aber durchaus.

Zebrastreifen fehlen

Auch Expertin Minh-Chau Tran findet einige Stellen, die nicht schlecht sind. Im Fokus stehen aber die ausbaufähigen. „Hier am Kreisverkehr zum Beispiel“, sagt sie schon fast am Ende der Route an der Netteberger Straße, „fehlen eindeutig Zebrastreifen für die Fußgänger.“ Gerade auch, weil sich an dieser Stelle der einzige Nahversorger des Ortsteils befinde – da sollte es für die „Schwächsten“ im Verkehr, also die Fußgänger, eigentlich besonders freundlich sein.

Die Ergebnisse landen, so erklärt es Quartiersmanager Rüdiger Willms, in Form eines Berichts bei der Stadt Selm und werden im September oder Oktober auch noch mal öffentlich vorgestellt. Konkrete Maßnahmen könnten folgen – das bleibt noch abzuwarten. Minh-Chau Tran meint: „Aktive Bewegung im Alltag ist kein Luxus, sondern Notwendigkeit.“