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Er ist wieder da

Freiherr-vom-Stein-Denkmal in Cappenberg wieder komplett

Der Bronzekopf blickt etwas mürrisch. Dabei sollte sich Freiherr vom Stein freuen. Denn Bürger haben das getan, was er zu Lebzeiten gefordert hatte.

Cappenberg

von Sylvia vom Hofe

, 08.06.2018
Er ist wieder da

Der Freiherr vom Stein ist zurück. Der Heimatverein hat die Büste gießen lassen, dank einer Spende der Lions. vom Hofe © Foto: Sylvia vom Hofe

In seiner Nassauer Denkschrift hatte es Heinrich Friedrich Karl vom Stein 1808 klar formuliert. Menschen sollen nicht mehr gehorchende Untertanen sein, sondern frei handelnde Bürger: Der Staat habe sich aus allen Angelegenheiten zurückzuziehen, die der Initiative des Einzelnen, seiner Gemeinde, Stadt oder dem Kreis überlassen bleiben können. Die Selmer wissen, was ihr Ehrenbürger da geschrieben hat. Die Komplettierung des Denkmals am Mittwochabend geriet zur Feierstunde des von dem preußischen Reformer geforderten bürgerschaftlichen Engagements.

Den Bürgern sei dank

„Das sagen zwar alle Bürgermeister gerne, aber hier in Selm ist es schon etwas Besonderes, was Bürger leisten“, sagte Bürgermeister Mario Löhr. Dass fünf Jahre nach dem bis heute nicht aufgeklärten Diebstahl des Bronzekopfs eine neu gegossene Kopie der Büste das Denkmal zwischen Schloss Cappenberg und Freiherr-vom-Stein-Straße schmückt, sei ein gutes Beispiel dafür. Der Heimatverein Cappenberg und der Lions Club Freiherr vom Stein Selm hatten sich dafür besonders ins Zeug gelegt –mit detektivischem Spürsinn.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Bei der zweiten Einweihung des vom-Stein-Denkmals

Fünf Jahre lang war das Freiherr-vom-Stein-Denkmal kopflos. Zur Einweihung einer neuen Büste des preußischen Reformers und Cappenberger Ehrenbürgers haben sich rund 80 Bürger versammelt.
08.06.2018
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Etwas griesgrämig schaut der Reformer drein, dabei hat er Cappenberg als seinen Altersruhesitz sehr geliebt.© Foto: Sylvia vom Hofe
Vom Stein war Protestant, dennoch fühlt sich die katholische Kirchengemeinde eng mit dem Reformer verbunden, dem das Denkmal gewidmet ist.© Foto: Sylvia vom Hofe
Pater Gregor Pahl erinnerte daran, dass vom Stein die baufällige Kirche von Cappenberg gerettet hat.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der Künstller hat den Platz an der Linde als kraftvollen Akupunkturpunkt Cappenbergs identifiziert.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der Bildhauer Marco Pogacnik hatte das Denkmal entwurfen, das am 20. Juni 1992 eingeweihz worden war. Jede Stele hat ein eiigenes Thema. Die Stele mit dem Porträt zeigt Facetten der Persönlichkeit vom Steins: die moralisch-etische Seite des Reformers, die künstlerische und die des Staatsmannes.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der Lions Club hat die Erneuerung des gestohlenen Bronzekopfes mit 8000 Euro unterstützt.Distrikt-Governor Dr. Franz-Peter Kreutzkamp (l.) und Präsident Dr. Michael Stockmann (M.) enthüllen den Kopf zusammen mit Graf Sebastian von Kanitz.© Foto: Sylvia vom Hofe
Der Nachfahre begrüßt die Gäste: Graf Sebastian von Kanitz steht in siebter Erbfolge von Freiherr vom Stein.
Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen von an die 30 Grad haben sich mehr als 80 Menschen im Schatten der alten Friedenslinde versammelt.
Das Kunstwerk besteht aus vier Stelen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Nach der Einweihung gab es Gelegenheit zum Gespräch bei einem Glas Wein, das der Graf spendiert hatte.
Der ursprüngliche Bronzekopf wurde nicht wiedergefunden, die Polizei hat die Täter auch nicht fassen können.© Foto: Sylvia vom Hofe
Da war der erneuerte Bronzekopf noch verhüllt.© Foto: Sylvia vom Hofe
„Die Suche nach dem Gipsmodell war eine große Herausforderung“, sagte Heino Jansen, der Vorsitzende des Heimatvereins. Sie führte bis nach Slowenien zum Künstler Marko Pogaknik, der 1992 das vom-Stein-Denkmal – vier Stelen auf der höchsten Erhebung Cappenbergs, eine mit Porträtbüste – geschaffen hatte. Er hatte jedoch kein Modell mehr, mit dem sich eine Kopie hätte gießen lassen können. „Glücklicherweise hat Graf von Kanitz gesucht und gefunden“, so Jansen.

Unter der Friedenslinde

Der Graf, der in siebter Erbfolge des 1831 auf Schloss Cappenbeg gestorbenen Freiherrn steht, erinnerte daran, dass sein Urahn nicht nur Wegbereiter der Kommunalpolitik war, sondern auch ein großer Naturfreund. Die Lage des Denkmals unter der alten Friedenslinde mit weitem Blick auf den neuen Weinberg hätte ihm gefallen. „In zwei bis drei Jahren können wir uns an dieser Stelle gerne wieder treffen, um gemeinsam den ersten Cappenberger Wein zu kosten“, meinte Dr. Michael Stockmann, Präsident des Lions-Clubs, der 8000 Euro für den Bronzeguss gespendet hatte. „Darunter auch 5100 Euro Reingewinn aus dem Kabarett-Abend mit Christoph Tiemann“, sagte er.

Retter der Kirche

Pater Gregor Pahl, Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde, erinnerte daran, dass vom Stein, der Protestant war, die vorm Verfall stehende Stiftskirche rettete und die Initiative zur Gründung der Kirchengemeinde ergriff.

Das vom-Stein-Denkmal ist erst 26 Jahre alt. Der Ort, an dem es steht ist aber schon länger ein Gedenkort. Dr. Peter Kreutzkamp, Lions-Governor des Distrikts Ruhr und Chronist der Cappenberger Geschichte, blickte in seinem Vortrag zurück.Die große Linde neben dem Denkmal sei bereits 1877 gepflanzt worden als Friedenslinde, sagte er. Sie sollte an die Beendigung des deutsch-französischen Krieges von 1871 erinnern und an den Besuch Prinz Wilhelm I. 1831 kurz vor vom Steins Tod. Zu Ehren Kaiser Wilhelms I. hatte der Kriegerverein 1887 ein 2,50 Meter hohes Denkmal errichtet. Es wurde im Zweiten Weltkrieg zum Kriegerehrenmal. Für jeden Cappenberger Gefallenen wurde ein Holzkreuz aufgestellt. Mit zupackender Initiative hatte die Junge Union Cappenberg Anfang der 1980er-Jahre aufgerufen zur Verschönerung der Fläche.

„Erst schwergetan“

Die Aussichtsplattform sei ein beliebter Anlaufpunkt geworden, so Peter Kreutzkamp. Rund 200 Personen hatten sich am 20. Juni 1992 auf der höchsten Erhebung Cappenbergs versammelt zur Einweihung des neuen Denkmals, für das das alte Kaiser-Denkmal weichen musste. Viele Cappenberger hätten sich damals damit schwergetan. Der slowenische Künstler Marco Pogacni hatte nicht nur als Bildhauer gearbeitet Er hat eine Methode der Heilung und Ausbalancierung von Orten und Landschaften, die sogenannte Geomantie, in der Kunst etabliert,