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Heftiger Streit im Kleingarten

SELM Wer "ein ruhiges und grünes Fleckchen zur Erholung sucht", der ist auf der Anlage des Kleingärtnervereins "Zum Gartenfreund" an der Alten Zechenbahn in Selm willkommen. So steht es im Internet über den Verein zu lesen. Allerdings ist es mit der Ruhe erst einmal vorbei. Ein Gartenbesitzer wollte seine Parzelle an eine russlanddeutsche Familie verkaufen.

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Sie möchten eine Parzelle in der Anlage des Kleingärtnervereins "Zum Gartenfreund" kaufen: Ida Focht mit ihren beiden Söhnen Waldemar (l.) und Alexander.

Die Ruhe im grünen Idyll ist trügerisch. In der Anlage herrscht heftiger Streit.

Heftige Vorwürfe zwischen Gartenbesitzern und Mitgliedern des Vereinsvorstands gehen hin und her. Eskaliert ist der Streit jetzt, als Gartenbesitzer Hans Schmidt seine Parzelle an die russlanddeutsche Familie Focht verkaufen wollte.

Seit 15 Jahren in Selm

Seit sieben Jahren besitzt Hans Schmidt einen Garten in der Anlage. Nun ist er aus Selm weggezogen. Als Kaufinteressenten fand er die Familie Focht. Vor 15 Jahren kamen Ida und Alexander Focht mit ihren Söhnen Waldemar und Alexander nach Deutschland. "Ich habe mich mit der Familie unterhalten. Das sind solide Leute", sagt Hans Schmidt. Ida Focht arbeitet im Altenwohnhaus St. Josef. Ihr Mann und die beiden Söhne haben feste Jobs. Eigentlich war der Verkauf des Grundstücks nur noch Formsache. Denn auch die Vorsitzende des Kleingärtnervereins, Elsa Sorré, war einverstanden.

"Keine Ausländer mehr"

Doch dann legten sich angeblich die anderen Vorstandsmitglieder quer. "Uns wurde unmissverständlich klar gemacht, dass der Garten nicht an Russlanddeutsche zu verkaufen sei", berichtet Hans Schmidt. "Wir wollen keine Ausländer mehr in unseren Gärten. Wir haben genug davon", habe er zur Begründung gehört. Schmidt war entsetzt: "Welch ein Rassenhass schlug uns da entgegen."

Doch zwei andere Vorstandsmitglieder wiesen den Rassismus-Vorwurf im Gespräch mit unserer Zeitung zurück. Sie hätten nichts gegen Russlanddeutsche. Immerhin gehörten neun der 45 Gärten in der Anlage schon Aussiedlerfamilien.

Probleme aber auch Einvernehmen

Allerdings räumen sie ein, dass es Probleme mit einigen der Russlanddeutschen gebe: "Sie bauen wild, zum Beispiel große Gewächshäuder oder Pergolas aus Dachlatten, was gegen die städtischen Bauvorschriften verstößt. Wenn man was sagt, sind sie sofort beleidigt. Sie passen sich nicht an, nehmen nicht am Vereinsleben teil, mähen sonntags mit lautem Krach den Rasen und sprechen nur russisch in der Anlage."

Mit anderen russlanddeutschen Familien komme man degegen gut klar. Deshalb wolle man auch mit der Familie Focht sprechen. Ein Verkauf an sie sei durchaus möglich. Dazu bedürfe es aber laut Satzung einer Vorstandsentscheidung. Doch die Vorsitzende habe den Vorstand gar nicht zusammen gerufen. Ohnehin sei der Umgang mit ihr sehr problematisch. So habe Elsa Sorré nach ihrer Wahl das Schloss am Vereinsheim ausbauen lassen und kein Vorstandsmitglied außer ihr habe mehr einen Schlüssel.

Angst um die Gartenhütten

Namentlich wollen die anderen Vorstandsmitglieder nicht genannt werden. Sie befürchten, dass ihnen aus Rache ihre Gartenhütten beschädigt werden.

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Sie möchten eine Parzelle in der Anlage des Kleingärtnervereins "Zum Gartenfreund" kaufen: Ida Focht mit ihren beiden Söhnen Waldemar (l.) und Alexander.

Die Ruhe im grünen Idyll ist trügerisch. In der Anlage herrscht heftiger Streit.

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