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Abbruch und Neubau an der Waltroper Straße

Kirchengemeinde Bork setzt sich kleiner

Bork Bork. „Endlich“, sagt Pfarrer Lothar Sonntag. Endlich werde es etwas mit dem Anbau an der evangelischen Kirche an der Waltroper Straße und dem Neubau einer Wohnanlage daneben. „Allerdings geht auch etwas zu Ende.“ Bevor der Abbruchbagger kommt, haben wir uns mit der 360-Grad-Kamera noch einmal umgeschaut.

Kirchengemeinde Bork setzt sich kleiner

Noch ist alles aus Holz und klein. Das soll sich bald ändern. Dann erhält die evangelische Kirche einen Anbau mit großen Glasfronten (vorne).Foto: Sylvia vom Hofe

Das Modell aus Holz steht mitten im Saal des Gemeindehauses, das den Namen des ersten Pfarrers im Pfarrbezirk Bork trägt: Walter Gerhard. Sofort zu erkennen an dem hohen Baukörper mit Turm: das am 3. Oktober 1954 eingeweihte Gotteshaus an der Waltroper Straße. Im Westen – also auf der Seite zur Straße hin – schließt sich ein niedrigeres Gebäude an, das bislang noch nicht existiert: ein lichtdurchfluteter, etwa 50 Quadratmeter großer Versammlungsraum.

Dieses 360-Grad-Bild zeigt den Saal des Gemeindehauses, der etwa so groß ist wie der geplante Anbau an die Kirche:

Gemeindehaus #theta360 #theta360de - Spherical Image - RICOH THETA

Hier ist das Kaminzimmer zu sehen:

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So groß ist die Küche des Walter-Gerhard-Hauses:

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Einen großzügigen Eingangsbereich soll auch der neue Anbau erhalten. So groß wie der im Gerhard-Haus wird er aber wohl nicht werden:

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Vorrats- und Abstellraum sowie Küche und Toiletten ergänzen es. Was im Holzmodell des Lüdinghausener Architekturbüros Spital-Frenking und Schwarz nicht zu sehen ist, wird im Januar 2019 auch tatsächlich verschwinden: das Walter-Gerhard-Haus mit einer Nutzfläche von fast 800 Quadratmetern inklusive der Kellerräume mit seinen Werkstatt und Jugendraum. Nicht nur Gemeindegruppen nutzen das Haus, sondern auch Blasmusiker zum Proben und Yoga-Gruppen zum Trainieren. Allerdings: Es ist längst nicht mehr so frequentiert wie zur Zeit seiner Erbauung: 1967. 1984 war wegen der großen Nachfrage sogar ein Anbau nötig.

21 Eigentumswohnungen

Das Gemeindehaus muss Platz machen für einen Neubau mit 21 Wohnungen mit einer Grundfläche von 65 bis 95 Quadratmetern. An ihn soll sich in einem zweiten Bauabschnitt ein zweites zweigeschossiges Gebäude mit fünf Wohnungen anschließen. „Um den Anbau an der Kirche zu finanzieren, müssen wir einen Teil unseres Geländes in Erbpacht abgeben“, sagt Pfarrer Sonntag während der Gemeindeversammlung am Chrsti-Himmelfahrtstag. Rund 50 evangelische Christen haben sich im Gerhard-Haus versammelt, um die Neuigkeiten zu hören, die bereits eine lange Vorgeschichte haben.

Schimmelbefall und Sanierungsbedarf

Sonntag nennt Zahlen, die Anfang des Jahrtausends die Protestanten aufschrecken ließen. Wegen des demografischen Wandels in einer immer älter werdenden Gesellschaft und Kirchenaustritten würde die evangelische Kirche bis 2030 ein Drittel seiner Gemeindeglieder verlieren und die Hälfte seiner Einnahmen. Dass sich die Kirche von Gebäuden trennen müsste, habe schnell festgestanden. Um welche, entschieden die Verantwortlichen anhand von Gutachten. „Für uns sah es gemischt aus“, sagt der Pfarrer. Während die Kirche selbst weitgehend gut in Schuss erschien, erklärten die Baugutachter das von Schimmel befallene Pfarrhaus für unrettbar, und beim Gerhard-Haus und dem angrenzenden Küsterhaus sahen sie rund 300.000 Euro Renovierungsbedarf.

Das 360-Gradbild unten zeigt rechts die Kirche und links das Walter-Gerhard-Haus. In der Mitte ist aus der Ferne das Pfarrhaus zu sehen, das wegen Schimmelbefall seit Jahren leer steht und ebenfalls abgerissen werden wird.

Evangelische Kirche Bork und Gemeindehaus #theta360 #theta360de - Spherical Image - RICOH THETA

Zwei Erkenntnisse seien damals schnell gereift, ergänzt Pfarrerin Antje Wischmeyer: „Erstens: Der Standort Bork muss erhalten bleiben mit Gottesdienst- und Versammlungsraum. Zweitens: Wir müssen uns kleiner setzen.“ Allerdings solle die Kirche auch von der Straße deutlich sichtbar bleiben.

Hier ein Blick in die Kirche, die Walter Gerhard am 4. Oktober 1954 eingeweiht hat. Sie wird nach Fertigstellung des Anbaus renoviert werden. Die drei Fenster an der Westseite bleiben trotz des Anbaus dort erhalten. Sie werden in den Anbau integriert.

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Gesagt, aber nicht so leichtgetan: „Es lag nicht an uns“, so Sonntag. Gleich zwei Investoren, die das Grundstück mit dem Gemeindehaus Nutzen wollten, mit denen die Verhandlungen jeweils auf einem guten Weg schienen, seien abgesprungen. Ihre ursprüngliche Idee, eine Seniorenwohnanlage zu errichten, hat sich inzwischen erledigt. Denn die baut in wenigen Monaten bereits die Caritas auf dem Borker Marktplatz. Investor Georg Eskes aus Waltrop – „keine Sorge, ich habe nicht vor abzuspringen“ – hat eine andere Idee.

Kirchengemeinde Bork setzt sich kleiner

Georg Eskes will die Eigentumswohnanlage auf dem Kirchengrundstück bauen. Bis 2008 war er mit seinem Unternehmen Eskes Immobilien in Bork ansässig, jetzt in Waltrop. Foto: Foto: Sylvia vom Hofe

„Autarkes Wohnen ohne Barrieren.“ Eskes will mit den Eigentumswohnungen, die er als Geldanlageobjekte oder auch an Selbstnutzer verkaufen wolle, Menschen unterschiedlichen Alters ansprechen, auch Familien. Eskes rechnet mit einer Kaltmiete von neun bis zehn Euro pro Quadratmeter. Bezugsfertig seien die Wohnungen voraussichtlich im März/April 2020.

Erinnerungen und Vorfreude

Werner Jockheck (72) ist einer der 50 Teilnehmer der Gemeindeversammlung. Wehmütig sei er nicht, sagt er nach der eineinhalbstündigen Präsentation. „Wehmut ist das falsche Wort.“ Richtig sei es, dass er eine Menge Erinnerungen mit dem Gerhardt-Haus verbinde.

Kirchengemeinde Bork setzt sich kleiner

Werner Jockheck verbindet schöne Erinnerungen mit dem Paul-Gerhardt-Haus. Foto: Foto: Sylvia vom Hofe

„Gerne denke ich daran zurück. Wie wir Spenden sammelten – etwa mit Wein- und Speiselauben. Besucher seien über das Gelände gebummelt und hätten sich hier und da Leckeres kaufen können. Die Einnahmen waren für das Gemeindehaus bestimmt. Bei dessen Bau selbst hätten auch viele mit angefasst. Auch Jockheck selbst: „Ich habe alle Räume angestrichen. Denn bis ich zur Polizei wechselte, war ich Maler.“ Über die Pläne für den Neubau an der Kirche freue er sich. „Die Zeiten haben sich eben geändert. Wir sind weniger geworden und älter. Da muss man bereit sein, sich auch zu ändern.“

In einer älteren Fassung dieses Beitrags war vom Paul-Gerhardt-Haus die Rede, benannt nach dem evangelischen Kirchenlieddichter. Das war falsch. Richtig ist, dass das Gerhard-Haus in Bork benannt ist nach dem 1993 verstorbenen Pfarrer Walter Gerhard, der die evangelische Kirche an der Waltroper Straße 1954 eingeweiht hatte.

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