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Ein Schützenvogel und seine Geschichte

Nicht aus jedem Holz geschnitzt

Cappenberg Die Schützenfest-Saison steht vor der Tür. Die Cappenberger Schützen zielen am 30. April wieder auf den Vogel. Und zwar nicht irgendeinen. Heinrich XII ist gerade erst gebaut worden. Baumeister Heinrich Westermann erzählt, warum das Vogelbauen für ihn Familiensache ist und warum für den Vogel nur ein bestimmtes Holz verwendet werden darf.

Nicht aus jedem Holz geschnitzt

Heinrich Westermann mit dem Schützenvogel. Foto: Anabelle Körbel

Heinrich XII. soll er heißen, nach seinem Schöpfer Heinrich Westermann. „Das ist schon der zwölfte Vogel, den Heinrich für uns gebaut hat“, erzählt Christoph Böcker, der Vorsitzende des Cappenberger Schützenvereins. In zweieinhalb Wochen steht der große Termin an: das Schützenfest. Traditionell steht dabei das Vogelschießen im Mittelpunkt. Denn nur, wer den Vogel zu Fall bringt, wird zum Schützenkönig gekrönt.

Schützenvogelbau seit 36 Jahren

Heinrich Westermann kann auf einen reichen Erfahrungsschatz zurückgreifen: Seit 36 Jahren fertigt er Schützenvögel an. Nicht nur für den Schützenverein Cappenberg, sondern auch für die Vereine in Lünen-Wethmar und Langern. Auch in Zukunft bleibt der Vogelbau Familiensache. Sein Enkel wird die Aufgabe später einmal übernehmen. „Es ist schön, wenn so etwas in der Familie bleibt“, sagt Westermann.

Der Familie Westermann liegt die Holzarbeit im Blut. Bereits sein Urgroßvater und sein Großvater waren Stuhlmeister. Westermann selbst ist wie sein Sohn und sein Enkelsohn Schreiner. „Holzverarbeitung in siebter Generation“ – so fasst Heinrich Westermann seine Familiengeschichte zusammen.

Nicht aus jedem Holz geschnitzt

Mit viel Liebe zum Detail von Heinrich Westermann ausgearbeitet: das Zepter des Schützenvogels Heinrich XII. Foto: Anabelle Körbel

In minutiöser Handarbeit fertigt er seine Vögel aus frischem Pappelholz an. Die Wahl des richtigen Materials ist dabei von zentraler Bedeutung. Würde er Hartholz verwenden, also beispielsweise Buchen- oder Eichenholz, könnte die Schrotkugel sogar auf die Schützen zurückprallen, erzählt er.

Eine Woche Arbeit

Etwa eine Woche arbeitet Westermann an seinen Kreationen. Die Besonderheit seiner Anfertigungen: „Andere Vögel schauen meist zur Seite. Mein Markenzeichen ist, dass sie wie ein Adler aussehen und nach vorne blicken.“ Insbesondere die Feinarbeit an den Insignien Zepter, Apfel und Krone nehme viel Zeit in Anspruch. Mit Stecheisen, Raspel, Feile und Stichsäge bearbeitet er das Pappelholz auf seiner Drechselbank.

Alles begann mit einem hartnäckigen Freund. „Ich wollte da eigentlich nie rein“, sagt Westermann über den Schützenverein. Er engagierte sich zu diesem Zeitpunkt schon in einigen anderen Vereinen. Doch als der Freund ihm den ausgefüllten Mitgliedsantrag hingelegt habe, habe er dann doch unterschrieben.

„Und dann hat es ihn gepackt“, erzählt Schützenkönigin Barbara Drews. Als er 1986 in den Verein eintrat, hatte Westermann ein klares Ziel vor Augen: „Ich habe mir geschworen, Schützenkönig zu werden.“ 2003 konnte er diesen Schwur dann erfüllen. Mit über 1000 Schuss gelang ihm der Sieg. „Da hat er dann seinen eigenen Vogel abgeschossen“, fasst es Vorsitzende Böcker zusammen.

650 Schuss soll er halten

Für Heinrich XII. sind in diesem Jahr 650 Schuss eingeplant. Einige Kameraden seien auf ihn zugekommen und hätten ihn darauf hingewiesen, dass der Vogel in diesem Jahr schneller zu Fall kommen müsse, erzählt Westermann. Denn: Die Krönung ist bereits für 19 Uhr angesetzt. Danach soll in den Mai getanzt werden. Geändert hat er an seinem Patentrezept dennoch nichts: „Ich sage immer: Das liegt nicht an dem Vogel, sondern an den Schützen, wenn sie nicht treffen“, erklärt er mit einem Augenzwinkern.

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