Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

„Tante Emma“ aus Selm wird erste Doppelpreisträgerin

Wirtschafts- und Kulturpreis

Tante Emma gibt es noch – trotz Online-Handel und neuer Discounter vor der Haustür. Elisabeth vom Hofe (74) heißt sie und führt seit mehr als 50 Jahren ihr kleines Geschäft auf der Luisenstraße. Dass das viel mehr ist als nur ein kleiner, etwas aus der Zeit gefallener Laden, in dem es nahezu alles gibt, findet der Wirtschafts- und Kulturförderverein (Wikult) Selm. Er hat die Borkerin am Freitagabend mit etwas ausgezeichnet, das bislang einmalig ist.

Selm

von Sylvia vom Hofe

, 22.06.2018
„Tante Emma“ aus Selm wird erste Doppelpreisträgerin

So freut sich Preisträgerin Elisabeth vom Hofe mit ihrem Ehemann über den Preis, den ihr Laudator Christoph Tiemann (r.) überreicht hat.

Kabarettist Christoph Tiemann ist gegen seine Gewohnheit todernst, als er die Festrede auf die neue Wikult-Preisträgerin hält, die er selbst von klein auf kennt. „Bei Dir haben mehrere Generationen von Kindern das Einkaufen gelernt.“ Wer ihr kleines Geschäft mit den vielen Regalen, der langen Holztheke und den randvoll mit Süßigkeiten gefüllten Schubladen betrete, „bekommt noch ein echtes Lächeln geschenkt und wird mit ehrlichem Interesse gefragt, wie es ihm und der Familie geht“. Solche Gespräche seien längst unüblich geworden. „Im Supermarkt wird man bestenfalls gefragt, ob man Punkte sammelt.“ Bei Elisabeth vom Hofe gibt es keine Payback-Punkte, dafür aufrichtige Sorge um die Nachbarschaft. „Elsbeths“ Bemühungen gingen „weit, weit über das heraus, was im Einzelhandel üblich ist“.

Anschreiben noch möglich

Dafür hat Tiemann, selbst Gewinner des Kulturpreises 2016, jede Menge Beispiele: Die Kauffrau, die 1965 ihren eigenen Laden eröffnete mit der damals gebraucht übernommenen Inneneinrichtung, die ihn heute noch ziert, lasse anschreiben. Sie wissen genau, welches Porto auf welche Briefsendung gehöre und habe die Marken auch zur Hand. „Und wenn man mal nicht sicher ist, wiegst Du den Brief auf der großen Aufschnittwaage.“

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Wikult-Preisverleihung

Sowohl im Bereich Wirtschaft als auch im Bereich Kultur habe sie Ungewöhnliches geleistet. Das sagt die Jury des Wirtschafts- und Kulturfördervereins über Elisabeth vom Hofe. Sie erhält als erste Preisträgerin die Auszeichnung in beiden Kategorien während eines Festakts im Bürgerhaus.
22.06.2018
/
Christoph Tiemann (r.) kennt die großeUrkunde. Erhat als Preisträger 2016 ebenfalls eine erhalten.© Foto: Sylvia vom Hofe
Bürgermeister Löhr gratuliert mit Blumen.
Bürgermeister Mario Löhr (2. v. r.) gratuliert mit Blumen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Zwei, die sich gut verstehen.© Foto: Sylvia vom Hofe
Christoph Tiemann überreicht die Urkunde.
Elisabeth vom Hofe kennt Christoph Tiemann schon lange.
Elisabeth vom Hofe auf der Bühne.
Aus dem Publikum auf die Bühne: Preisträgerin Eisabeth vom Hofe.
Aus dem Publikum auf die Bühne: Preisträgerin Eisabeth vom Hofe.
Aus dem Publikum auf die Bühne: Preisträgerin Eisabeth vom Hofe.
Aus dem Publikum auf die Bühne: Preisträgerin Eisabeth vom Hofe.
Der Saal des Bürgerhauses als Festsaal.
Aus dem Publikum auf die Bühne: Preisträgerin Eisabeth vom Hofe.
Aus dem Publikum auf die Bühne: Preisträgerin Eisabeth vom Hofe.
Aus dem Publikum auf die Bühne: Preisträgerin Eisabeth vom Hofe.
Musik zum feierlichen Ereignis.
Aus dem Publikum auf die Bühne: Preisträgerin Eisabeth vom Hofe.
Da saß Elisabeth vom Hofe noch im Kreis ihrer Familie.
Nur noch wenige Agenblicke vor der Bekanntgabe, dass sie den Preis erhalten wird.
Tobias Schucht von der IHK sprach über die wachsende Bedeutung des Online-Handels. Der Handel könne dem eines entgegen setzen: individuelle Einkaufserlebnisse.
Spielten sich die Bälle zu: Wikult-Vorsitzender Helmut Jahnke und Christopf Tiemann, der durch den Abend führte.
Spielten sich die Bälle zu: Wikult-Vorsitzender Helmut Jahnke und Christopf Tiemann, der durch den Abend führte.
Laudator Christoph Tiemann (r.) triofft für Ehepaar vom Hofe offensichtlich den richtigen Ton.
Laudator Christoph Tiemann (r.) triofft für Ehepaar vom Hofe offensichtlich den richtigen Ton.
Mit Ehemann und den Söhnen Andreas und Stefan freut sich Elisabeth vom Hofe überden Preis.
Bürgermeister Mario Löhr (r.) und Wikult-Vorsitzender Helmut Jahnke (l.) überreichen Elisabeth vom Hofe Scheck und Urkunde.
Bürgermeister Mario Löhr (r.) und Wikult-Vorsitzender Helmut Jahnke (l.) überreichen Elisabeth vom Hofe Scheck und Urkunde.© Foto: Sylvia vom Hofe
Wer vor acht Uhr Brötchen haben wolle, dürfe sie aus der Tüte im Flur nehmen und später bezahlen. „Danke für dieses Vertrauen“ - und für die mehr als 1000 Süßigkeitentüten zu Sankt Martin, das Singen von Adventsliedern im

und die selbst gebackenen Plätzchen und den heißen Kakao und Glühwein am letzten Samstag vor Heiligabend.

Von Lesern vorgeschlagen

Seit 1985 gibt es den Kulturförderpreis der Stadt Selm. Wegen der hohen Schulden musste die Stadt die Verleihung aussetzen. 2014 sprang der Wirtschafts- und Kulturförderverein (Wikult) ein und zeichnet alle zwei Jahre einen Preisträger aus – entweder für Leistungen in dem einen oder dem anderen Bereich. Das ist in diesem Jahr anders. Nachdem Leser der Ruhr Nachrichten Elisabeth vom Hofe vorgeschlagen hatten, sei schnell klar gewesen, dass sie sowohl eine Wirtschafts- als auch eine Kulturpreisträgerin mit großem sozialem Engagement sei, so Wikult-Vorsitzender Helmut Jahnke.

Dankeschön an die Familie

„Das ist mir eine große Ehre“, sagt „Elsbeth“ sichtlich gerührt, als sich alle im Saal ihretwegen applaudierend von den Stühlen erheben. Danke sagt sie nicht nur dem Laudator und der Jury, sondern insbesondere auch ihrer Familie: ihrem Ehemann, der zweimal die Woche mit ihr zum Großmarkt fährt, und den Zwillingen Andreas und Stefan (43), die ältere und kranke Kunden mit Waren beliefern und Dinge besorgen, die nicht zum festen Angebot gehören.

500 Euro gespendet

Mit 2000 Euro ist der Preis dotiert. Wofür sie 500 Euro nutzen wird, weiß Elisabeth vom Hofe bereits. „Das ist für die Aktion Urlaub ohne Koffer gedacht“, sagt sie. Jedes Jahr biete die Pfarrgemeinde Senioren, die nicht mehr in den Urlaub fahren können, ein abwechslungsreiches Programm vor Ort an. „Das will ich gerne mit einer Spende unterstützen.“

Die Feier am Freitagabend dauert noch lange. Für die Preisträgerin steht dennoch fest: Um 5 Uhr schellt der Wecker – wie jeden Werk- und Samstag seit mehr als 50 Jahren. Das gehört zum Alltag von Tante Emma, die eigentlich Elsbeth heißt - genauso wie der Laden, in dem es alles gibt: vom Schinken bis zum Schnürsenkel.