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Vandalismus in Selm

Unbekannte vergreifen sich an Selmer Kunstwerk

Selm 1600 Selmer haben an der Skulptur vor Burg Botzlar mitgewirkt. Einige wenige haben sie jetzt schwer beschädigt. Die Polizei könnte ihnen schon bald auf die Schliche kommen.

Unbekannte vergreifen sich an Selmer Kunstwerk

Das Kunstwerk „Selm ist eine Burg“ vor Burg Botzlar ist seit 2015 ein echter Hingucker. Mutwillig haben Unbekannte die Figuren verbogen. vom Hofe Foto: Foto: Sylvia vom Hofe

Die 30 Zentimeter kleinen Selmer lachen. Fast alle der 1600 Figuren haben die Mundwinkel weit nach oben gezogen. Selmer Kinder und Erwachsene hatten sie 2014 so bemalt, bevor Christoph Linhoff sie ein Jahr später zu dem Kunstwerk „Selm ist eine Burg“ komponierte: ein farbenfroher Blickfang vor der Burg Botzlar. An diesem Mittwoch ist dem Künstler allerdings nicht zum Lachen zu Mute, als er seine drei Meter hohe Skulptur wiedersieht. Ganz im Gegenteil.

Künstler fassungslos

„Das gibt es doch nicht“, sagt der Lüdinghauser. Kopfschüttelnd greift er nach den Edelstahl-Fußballern in blau-weißen Trikots. Unbekannte haben sie mit roher Gewalt aus dem Gesamtgefüge des Werks gebogen. Auch die violett gekleideten Figuren etwas weiter rechts sind brutal verdreht. „Und die hier auch“, sagt Linhoff. Minuten lang hört er nicht auf, immer neue Stellen zu entdecken, an denen sich Unbekannte zu schaffen gemacht hatten – nicht nur mit ihren Händen. Flächige Dellen im oberen Teil der Skulptur deuten auf Fußballschüsse hin, schiefe Gestellstangen auf Kletterversuche.

Der konkrete Vorfall sei ihr noch nicht bekannt, sagt am frühen Nachmittag Vera Howanietz, die Sprecherin der Kreispolizeibehörde. Das dürfte aber nur eine Frage der Zeit sein. Denn die Stadt Selm hat Anzeige erstattet. Und sie hat der Polizei auch etwas mitgebracht, das bei der Suche nach den Verantwortlichen helfen könnte: ein Video. Am Bürgerhaus hängt eine Kamera. Sie überwacht das Gelände zwischen der 900 Jahre alten Burg und dem 25 Jahre alten Bürgerhaus.

Selmer Kunstwerk beschädigt

Unbekannte haben einzelne der mehr als 1600 Figuren herausgebogen.
Einige Figuren sind nach der jüngsten Attacke fast kopflos.
Die Burg Botzlar ist rund 900 Jahre als, das Kunstwerk "Selm ist eine Burg" drei Jahre.
Die Schalke-Figuren haben es besonders abbekommen.
Die Bürgerstiftung, die auch Eigentümerin der Burg ist, will, dass das Kunstwerk auch nach der Umgestaltung des Burggeländes dort seinen Platz haben wird.
Das Kunstwerk "Selm ist eine Burg" vor Burg Botzlar ist seit 2015 ein echter Hingucker.  Mutwillig haben Unbekannte die Figuren verbogen.
Ein Wimmelbild als Skuptur.
Spontan hat Künstler Linhoff die ersten Figuren gerichtet. Es braucht aber mehrere Tage, um alles zu reparieren - so weit, das überhaupt möglich ist.
Künstler Christoph Linhoff ist erschüttert.
Auch mit dem Fußball wurden die Figuren traktiert.
Das Kunstwerk "Selm ist eine Burg" vor Burg Botzlar ist seit 2015 ein echter Hingucker.  Mitwillig haben Unbekannte die Figuren verbogen.
Ob die Aufnahme reicht, um einzelne Täter zu identifizieren, muss sich jetzt zeigen. Gerd Stenner, der Vorsitzende der Bürgerstiftung – also der Eigentümerin der Burg –, will nicht so lange warten. Er wendet sich schon jetzt in einem offenen Brief an die Täter – nicht mit einer bitteren Anklage, obwohl ihn der Vorfall sehr schmerzt, sondern mit einer Einladung:

Ungewöhnliche Einladung an die Täter

Die Bürgerstiftung heiße alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt – auch die Täter – am 10. Juni auf dem Burggelände willkommen: von 11 bis 14 Uhr. „Wir wollen Abschied nehmen von der alten Burg, und euch die zukünftige neue Burg vorstellen, eure Burg.“ Stenner meint die Pläne, die alte Burg möglichst bis Mai 2020 zu einem modernen, barrierefreien Bürgerzentrum umzubauen. „Euch, die ihr die Skulptur so beschädigt habt, laden wir besonders ein, damit ihr erlebt, dass die Burg auch für euch da ist. Und wenn ihr es wollt und Mut genug habt, bekennt ihr euch auch zu den Beschädigungen und helft mit, die Skulptur wieder zu neuem Glanz zu verhelfen.“

Viel Zeit und Mühe nötig

Sie lasse sich tatsächlich wieder reparieren, sagt Künstler Linhoff gestern nach einer ersten Inspektion. Das werde aber Zeit und Mühe kosten. Und Material. Denn einige der kleinen, lachenden Edelstahl-Selmer sind wohl nicht mehr zu retten.

Dass sich Unbekannte an Kunstwerken vergreifen, hat Linhoff auch schon bei zwei seiner Objekte in Lüdinghausen erleben müssen. In Selm hatte er allerdings gehofft, dass solche Attacken ausblieben, „weil so viele Selmer selbst an der Skulptur mitgearbeitet hatten“.

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