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Workshop des DRK in Selm

Warum Deutschland beim Thema Reanimation noch aufholen kann

Selm Beim Workshop zum Thema Reanimation im Selmer DRK Heim haben die Teilnehmer viele Fragen. Am Ende des Abends Sie gehen sie mit ebenso vielen Antworten nach Hause - und mit einer Zahl, die besser werden muss.

Warum Deutschland beim Thema Reanimation noch aufholen kann

Rettungssanitäter Henrik Lober, zeigte im Selmer DRK-Haus, wie eine Reanimation mit einem mobilen Defibrillator funktioniert Foto: Sabine Geschwinder

Die Zahlen, die Rettungssanitäter Henrik Lober zum Reanimationsworkshop ins Selmer DRK-Heim mitgebracht hat, sind beeindruckend – allerdings nicht gerade im positiven Sinne. Es ist so: In Norwegen, so belegen es Studien, die Lober zitiert, wird ein Herzanfall in 79 Prozent der Fällen von Menschen erkannt, die dann Hilfe rufen. In 73 Prozent der Fälle, haben sich Menschen an die Reanimation gemacht, bevor der Rettungsdienst eingeroffen ist.

Ähnlich sieht es in den Niederlanden aus. 76 Prozent und 65 Prozent lauten dort die Zahlen. Und in Deutschland? In 60 Prozent hat jemand den Herzanfall erkannt, aber was ist der Reanimationsbereitschaft der Deutschen? Die Teilnehmer des Kurses, etwa 20 Personen, rätseln. „30 Prozent?“, fragt jemand. „Auf jeden Fall weniger“, schätzt eine andere Person. „Je nach Quelle sind es zwischen eins und 28 Prozent“, erklärt Lober. „Norwegen und die Niederlande haben einen Vorteil“, erklärt Lober. „Erste Hilfe ist dort ein Unterrichtsfach.“

In Deutschland ist das anders. Bislang. Denn die neue schwarz-gelbe Regierung will Wiederbelebung in den Schulplänen verankern. In diesem Jahr sollen Schüler an 100 Schulen in NRW während der „Woche der Wiederbelebung“ Erste Hilfe lernen. Eine der teilnehmenden Schulen ist auch das städtische Gymnasium Selm.

Nachholbedarf bei Erster Hilfe

Noch kennen die meisten Deutschen Erste Hilfe aber vor allen Dingen als Pflichtkurs, um an den Führerschein zu kommen. Danach reißt der Kontakt mit Erster Hilfe für viele ab. Auch Petra Lakomy-Sommer geht es so. „Mein Kurs liegt schon lange zurück“, sagt sie. Wegen eines Todefalls in der Familie habe sie sich aber sofort für den Kurs der DRK angemeldet. Tanja Schneider aus Selm hat erst vor einem Jahr einen Erste Hilfe Kurs absolviert. Dennoch; „Ich finde, das war eine gute Auffrischung“, sagt sie.

Warum Deutschland beim Thema Reanimation noch aufholen kann

Henrik Lober zeigt auch, wie eine Herzdruckmassage funktioniert: Schnell und kräftig.

Rettungssanitäter Henrik Lober geht mit den Teilnehmern noch einmal ein paar Basishandgriffe durch. Die Herzdruckmassage und die stabile Seitenlage. Danach präsentiert er den Teilnehmern, wie der mobile Defibrillator, kurz AED, funktioniert. Dieser ist auch für Laien einfach zu bedienen, eine Stimme, gibt wie in einem Navigationsgerät durch, was zu tun ist. Kleidung ausziehen, Elektroden verlegen, auf den roten Knopf drücken, wenn der Elektro-Schock erfolgen soll und anschließend die Herzdruck-Massage im Rhythmus 30:2 (30 mal drücken, zweimal beatmen).

Viele Fragen

Lober sowie Ludger Westrup und Frank Schnell vom DRK Selm nehmen sich viel Zeit, um die Fragen der Teilnehmer zu beantworten.
„Muss wirklich der Oberkörper frei sein?“, Antwort: Ja, sonst können die Elektroden nicht angebracht werden. Das gilt auch für Frauenoberkörper. Westrup: „Da können wir keine Rücksicht darauf nehmen, ob wir in einer Fußgänger-Zone sind oder in der Kirche – das hatte ich auch schon.“

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Wenn jede Sekunde ein Leben retten kann

NRW Immer mehr Deutsche beginnen in Notfällen schnell mit einer Wiederbelebung. An 100 Schulen in NRW lernen die Kinder in einem Pilotprojekt, wie sie im Ernstfall reagieren sollten. Doch was würden Sie tun, wenn Sie ohne Vorwarnung Erste Hilfe leisten müssen? In unserem Quiz können Sie die brenzligsten Situationen durchspielen.mehr...

Muss ich die Person aus dem Bett ziehen, um die Herzdruckmassage durchzuführen? „Ja, das Bett federt zu stark“, sagt Westrup. Wie lange muss man reanimieren? „Bis der Notarzt kommt“, sagt Lober. „Auf dem Land kann das auch bis zu 12 Minuten dauern“, sagt Westrup. Dann hat man am besten jemanden dabei, mit dem man sich abwechseln kann, beim Reanimieren.

Am Ende des Abends haben die Teilnehmer gesehen, wie ein mobiler Defibrillator funktioniert und viele Fragen konnten ihnen beantwortet werden. „Ich war überrascht, wie einfach das Gerät zu bedienen ist“, sagt Tanja Schneider. Im Ernstfall geholfen, das hätte sie auch ohne diesen Kurs, sagt sie. Nun könne sie es aber sicherer tun.

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