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Wie neues Leben in alte Geschäftsräume ziehen kann

Einzelhandel

Die Industrie- und Handelskammer sieht in Sachen Einzelhandel „Probleme für kleinere Orte“. Also auch für Nordkirchen, Südkirchen und Capelle.

Südkirchen

von Thomas Aschwer

, 13.07.2018
Wie neues Leben in alte Geschäftsräume ziehen kann

Die Scheiben sind zwar verklebt, das Firmenlogo ist aber bei Kallwey noch nicht demontiert.

Mittags in Südkirchen. Am Kirchplatz gibt es reichlich freie Parkplätze. Bis zur Oberstraße sind es nur wenige Schritte. Der Blick fällt auf das Ladenlokal der Bäckerei Kallwey. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als ob das Geschäft für eine Renovierung geschlossen habe oder gerade Betriebsferien mache. Das Firmenschild ziert die Fassade. Auch die Werbebanner im Schaufenster sind noch gut zu erkennen. Brot und Brötchen werden hier allerdings seit gut zwei Jahren nicht mehr verkauft. Das Traditionsunternehmen ist Geschichte.

Es war im Jahre 1910, als Bernhard Koch in Südkirchen sein Backhaus eröffnete. Brötchen, Brot und Streuselkuchen waren damals sein Geschäft – noch nicht in der Vielfalt heutiger Bäckereien. Dafür hatte die Bäckerei anderes zu bieten: Als Nahversorger in Südkirchen wurden Zucker, Salz, Mehl und andere Lebensmittel verkauft. 106 Jahre später, im Frühjahr 2016, endet die Firmengeschichte. Firmenchef Bernd Kallwey geht in Rente und gibt seine Filialen an die Bäckerei Braune mit Hauptsitz in Bergkamen ab. Seitdem steht das Lokal leer.

Ansiedlungen

Bürgermeister Bergmann sieht dennoch Südkirchen auf einem guten Weg und wird konkret. In ein früheres Lebensmittelgeschäft sei ein Fußbodenverleger eingezogen. „Eine Logopädin hat sich ebenfalls hier in Südkirchen angesiedelt.“ Auch andere Geschäftslokale würden neu genutzt. „Im früheren Geschäft Schlütermann ist beispielsweise eine Fahrschule.“ Dass Bergmann diese Entwicklungen lobt, überrascht nicht. Im „Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept (ISEK)“ von 2011 hieß es weniger optimistisch: „Die beiden kleinere Ortsteile (Südkirchen und Capelle; die Red.) sind dagegen weniger gut ausgestattet.“ Als Beleg führten die Gutachter folgende Zahlen an: „Von der gesamten Verkaufsfläche von rund 9540 Quadratmetern in der Gemeinde sind rund 65 Prozent im Kernort Nordkirchen angesiedelt und davon etwa 64 Prozent im Hauptgeschäftszentrum Mühlenpark.“

Typisch für Gemeinde einer solchen Größe

Wichtige Magnete wie Lebensmitteldiscounter und -vollsortimenter seien hier angesiedelt. Mit der so gegebenen Struktur sei die Situation des Einzelhandels in Nordkirchen als typisch für eine Gemeinde solcher Größe zu bezeichnen.

Ob die Bürger in der Gemeinde diese Strukturen auch in einigen Jahren so vorfinden hinterfragt zumindest die IHK Nord Westfalen kritisch. Auf unsere Anfrage sagte Jens von Lengerke, Leiter der Handelsabteilung: „Ich gehe davon aus, dass sich der traditionelle Facheinzelhandel aus dünn besiedelten Gebieten und kleinen Orten weiter zurückziehen wird.

Es fehlt jetzt schon generell an Nachfolgern. Das Problem, einen Nachfolger zu finden, wird nach unseren Umfragen in Zukunft besonders stark den Einzelhandel treffen.“