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Möbelfabrik Spahn insolvent

Die Kündigung kam zum Weihnachtsfest

Stadtlohn Es war ein Schock für die Mitarbeiter der Möbelfabrik Spahn, den sie kurz vor Weihnachten verkraften mussten. 60 Mitarbeiter verlieren ihre Arbeit, sie wurden zum Jahresende gekündigt. Aber es gibt trotzdem einen Hoffnungsfunken.

Die Kündigung kam zum Weihnachtsfest

Nach fast 100 Jahren gehen nun für die die Spahn GmbH an der Kreuzwegstraße die Lichter aus. MLZ-FOTO Gehring Foto: Markus Gehring

Eine bittere Nachricht zum Jahresende für Stadtlohn und ganz besonders für die betroffenen 60 Mitarbeiter: Die traditionsreiche Sitzmöbelfabrik Spahn steht unmittelbar vor dem Aus. Zwei Tage vor Heiligabend wurde allen Mitarbeitern zum Jahresende gekündigt. Für die allermeisten von ihnen beginnt das neue Jahr in Arbeitslosigkeit. Nur einige wenige arbeiten noch Restaufträge ab.

Tränen flossen

Bestürzung und Trauer prägten die Betriebsversammlung kurz vor Weihnachten „Es flossen auch Tränen“, berichtete am Freitag Erwin Plate (58) im Gespräch mit der Münsterland Zeitung. 42 Jahre lang hat der Holzfacharbeiter in der Firma Spahn gearbeitet. „Sie können sich ja vorstellen, wie mir am Weihnachtsfest zumute war. Und so ging es allen Kollegen.“ Wie es für ihn persönlich weitergehen wird, weiß er noch nicht. Ihm ist aber klar: Die Arbeitssuche in seinem Alter wird trotz Facharbeitermangel nicht leicht werden. Das betreffe nicht nur ihn. Das Durchschnittsalter im Betrieb sei relativ hoch gewesen. Jüngere Kollegen hatten sich frühzeitig nach anderen Jobs umgesehen, vor allem, als Anfang September das Insolvenzverfahren eröffnet wurde (Münsterland Zeitung berichtete). Damals hatte Geschäftsführer Michael Timinger den Erhalt aller Arbeitsplätze zum Ziel des Insolvenzverfahrens erklärt. Erwin Plate: „Bis zuletzt haben wir gedacht, die Firma kriegt die Kurve noch . Wir haben alle an einem Strang gezogen und bei finanziellen Einbußen noch mehr gearbeitet. Das war ein schmerzhafter Weg.“

Große Zugeständnisse gemacht

Auch Insolvenzverwalter Dr. Frank Kreuznacht aus Münster hob am Freitag im Gespräch mit der Redaktion hervor, dass die Arbeitnehmer zu sehr großen Zugeständnissen bereit gewesen sein. Dennoch sei eine Fortführung der Firma aus eigener Kraft oder auch eine Übernahme letztlich nicht möglich gewesen. „Wir haben mit drei Interessenten bis kurz vor Schluss intensiv verhandelt. Am Ende hat es nicht gepasst.“ Der Grund: Über viele Jahre hinweg habe das Unternehmen schwierige wirtschaftliche Rahmenbedingungen aufgebaut. Dazu zählten, so Frank Kreuznacht, „vor allem die preislich schlechten Vertriebsstrukturen“.

Hoffnungsschimmer

Der Rechtsanwalt hält kurz vor dem Jahreswechsel aber auch einen Hoffnungsfunken für die Mitarbeiter bereit: „Wir führen sehr vielversprechende Verhandlungen zu einer Übernahme von Teilbereichen des Unternehmens. Ich gehe davon aus, das zwei Drittel der betroffenen Mitarbeiter dann sehr schnell eine neue Arbeitsstelle finden.“

1921 ging die H. & F. Spahn GmbH aus einer kleiner Schreinerei hervor. Damals war die Sitzmöbelfabrik der erste industrielle Möbelhersteller in Stadtlohn.

Nach dem 2. Weltkrieg fertigte Spahn vollstufig: einheimische Buche und Eiche wurde im eigenen Sägewerk geschnitten. Tischbau und die eigene Polsterei rundeten die Produktion ab. Spahn etablierte sich als Lieferant für die Hotellerie und Gastronomie.

2007 firmierte Egbert Weber, der Enkel eines der Gründer, das Unternehmen in die Spahn GmbH um.

2015 übernahm Michael Timinger das Unternehmen, dessen Umsatz 2017 nach eigenen Angaben 7,8 Millionen Euro betrug.

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