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Bettina Riediger führt Interviews

Familienschätze in Leinen gebunden

Stadtlohn Bettina Riediger hat umgesattelt, von der Marketing-Welt der Hochglanzmagazine hin zum Gespräch der Generationen. Die gebürtige Stadtlohnerin führt mit älteren Menschen das „Interview meines Lebens“.

Familienschätze in Leinen gebunden

So fing es an: Bettina Riediger interviewt ihre Mutter Rita Beimesche über die Essenz ihres Lebens. Foto: www.nicola-mesken.com

Die großen Fragen des Lebens fallen im Alltag oft unter den Familientisch: Welche Werte lohnt es zu leben? Welche Wege führen zum Glück? Wie stehe ich Krisen durch? Wie nutze ich meine Potenziale? Was zählt am Ende wirklich?

Antworten gäbe es im Gespräch der Generationen. Doch wie führt man es? Wann ist die richtige Gelegenheit? Diese Fragen trieben Bettina Riediger in der Mitte ihres Lebens um. Und die Furcht, dass es irgendwann zu spät sein könnte, die richtigen Fragen zu stellen. Dass der Familienschatz ungehoben in Vergessenheit gerät.

Mit Tonband und Schreibblock

So ergriff sie vor zweieinhalb Jahren mit Tonband und Schreibblock die Initiative und führt mit ihrer Mutter Rita Beimesche (74) das „Interview ihres Lebens“. „Ganz persönliches Interesse und Neugierde waren mein Antrieb“, sagt Bettina Riediger. Doch das Gespräch wurde auch zu einem beruflichen Wendepunkt in ihrem eigenen Leben. Das Gespräch mit ihrer Mutter war intensiv. „Wir haben den Dialog über ein Jahr geführt. Es tauchten immer neue Fragen auf. Das war wirklich eine bereichernde Erfahrung, voller Inspirationen und Impulse.“

Und das Projekt zog größere Kreise. Bettina Riediger befragte weitere ältere Menschen in der Verwandtschaft und im Stadtlohner Freundeskreis ihrer Eltern, zum Beispiel Antje Kauls (72) und den früheren Stadtlohner Bürgermeister Engelbert Sundermann (79). „Für mich war das sehr interessant, über die Dinge zu sprechen, die mir wichtig sind“, sagt Antje Kauls. „Das war keine Plauderei, das war viel tiefschürfender“, sagt Engelbert Sundermann.

Es geht um den generationsübergreifenden Dialog

Die Erfahrungen mit ihren Stadtlohner Gesprächspartnern ließen in Bettina Riedinger eine Idee reifen: Wie wäre es, professionell solche Interviews zu führen, aufzuschreiben und für die Familien Schwarz auf Weiß in einem Buch festzuhalten – ein Familienschatz in Leinen gebunden, das Vermächtnis eines Lebens? Seit dem vergangenen Sommer verfolgt Bettina Riediger ihr Herzensprojekt hauptberuflich und erstellt für Familien ganz individuelle Interviewbücher, die meist 70 bis 100 Seiten umfassen. Doch sie betont, dass das Lebensinterview das Gespräch in den Familien nicht ersetzten könne. Das Buch biete zahlreiche Anknüpfungspunkte, miteinander ins direkte Gespräch zu kommen. „Denn darum geht es schließlich, um den generationsübergreifenden Dialog!“, sagt Riediger mit Nachdruck.

Welche Werte spielen eine Rolle?

Diese Einschätzung teilt sie mit Engelbert Sundermann und Antje Kauls, die beide intensiv das Gespräch mit den nachwachsenden Generationen pflegen. Welchen Rat für ein gelingendes Leben würden sie denn gerne an ihre Kinder und Enkel weitergeben? „Erstens: ehrlich und bescheiden bleiben und nicht abheben“, sagt Engelbert Sundermann. „Und zweitens nicht nur an sich selbst denken, sondern an die Mitmenschen und die Familie. Dann wird man glücklich.“ Und was sagt Antje Kauls? „Ganz wichtig ist die Toleranz. Dass man auch mal Dinge im Raum stehen lassen kann, die man selbst nicht versteht.“

Was hat denn Bettina Riediger aus einer inzwischen beachtlichen Zahl Interviews für ihr eigenes Leben gelernt? „Wir verlieren oft den Blick dafür, dass ältere Menschen auch mal jung waren. Neulich schwärmte eine ältere Frau von ihrer großen Liebe. Und da saß plötzlich das verliebte Mädchen von damals vor mir. Ich sehe die älteren Menschen jetzt auch mit all ihren Hoffnungen und Lebensplänen.“

Und was ist mit dem Weg zum Glück? „Da gibt es viele verschiedene. Aber in allen Interviews wird deutlich: Man soll die Dinge nicht aufschieben, die einem wirklich wichtig sind. Denn dann kommt der Tag, an dem man die Dinge bereut, die man nicht getan hat.“ Bettina Riediger wird nicht einem versäumten Neustart nachtrauern müssen.

Bettina Riediger geb. Beimesche (40) ist in Stadtlohn aufgewachsen und lebt heute in Hamburg.

Im Verlag Gruner + Jahr war Bettina Riediger im kaufmännischen Bereich in der internationalen Vermarktung von Zeitschriften wie Gala sowie „Auto Motor und Sport“ tätig.

Danach arbeitete sie für einen Kinderbuchverlag als Projektleiterin des Corporate Bereiches. „Bei meiner Verlagsarbeit standen Zahlen im Vordergrund“, sagt Bettina Riediger.

Jetzt stehen Inhalte im Mittelpunkt: In diesem Jahr hat sich Bettina Riediger mit ihrem Buch-Projekt „Das Interview meines Lebens“ selbstständig gemacht. www.interview-meines-lebens.de

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