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Stadtlohner Möbelhersteller Hülsta in der Restrukturierung

Hüls-Gruppe verkauft Rolf Benz nach China

Stadtlohn Die Stadtlohner Hüls-Gruppe hat ein weiteres Tochterunternehmen veräußert: Rolf Benz, das bekannteste Markenunternehmen im Polstermöbelbereich in Deutschland wechselt in chinesische Hände.

Hüls-Gruppe verkauft Rolf Benz nach China

Die Hüls-Gruppe trennt sich im Rahmen des Restrukturierungsprozesses ihrer Kernmarke Hülsta vom Sofamarkenherstelle Rolf Benz. Foto: Foto: Thorsten Ohm

Seit 20 Jahren gehört die bekannte Sofamarke Rolf Benz zur Stadtlohner Hüls-Gruppe rund um den Möbelhersteller Hülsta. In Branchenkreisen wurde seit Monaten schon über eine mögliche Firmenübernahme gemunkelt. Jetzt ist der Verkauf an den chinesischen Möbelhersteller Jason Furniture offenbar besiegelt. Nach Angaben der Deutschen Presseagentur hat die Hüls-Gruppe den Millionendeal am Freitag bestätigt.

Der „Schwarzwälder Bote“ beziffert den Verkaufspreis auf 45 Millionen Euro. Die Hülsta-Geschäftsleitung war am Wochenende für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Das Bundeskartellamt hat dem Verkauf noch nicht zugestimmt.

450 Mitarbeiter

Rolf Benz, der in Nagold im Nordschwarzwald ansässige Hersteller von hochwertigen Sofas, beschäftigt 450 Mitarbeiter. Rolf-Benz-Geschäftsführer Jürgen Mauß betonte im Gespräch mit der FAZ, dass das Unternehmen profitabel arbeite: „Rolf Benz ist kein Sanierungsfall.“ Das Unternehmen habe 2017 seinen Umsatz gesteigert und sei gut aufgestellt. So liegt der Verkauf wohl eher in den Restrukturierungsbemühungen des Markenmöbelherstellers Hülsta begründet.

Unternehmensverkäufe

2014 hatte der in wirtschaftliche Schieflage geratene Möbelriese Hülsta den Sanierungsmanager Oliver Bialowons an Bord geholt. Der hatte nicht nur mit spektakulären Auftritten wie zum Beispiel Fallschirmsprüngen die innere Unternehmenskultur umgekrempelt. Unter seiner Ägide verkaufte die Hüls-Gruppe 2016 auch die Unternehmenstöchter Parador in Coesfeld (600 Mitarbeiter) und Ruf Betten in Rastatt (200 Mitarbeiter).

Der nach Bialowons Angaben unrentable Betrieb der Hüls-Tochter Arte M im Schwarzwald (157 Mitarbeiter) wurde vor einem Jahr eingestellt.

„Dynamische Holding„

Die Firmenverkäufe bezeichnete Oliver Bialowons 2016 gegenüber der Münsterland Zeitung als „ganz normales Geschäft“. Die Hüls-Gruppe sei schließlich eine Holding, die ihr Portfolio ständig überprüfe. Er wisse aber auch, dass dies für die Menschen in Stadtlohn ungewohnt sei. „Die Dynamik war früher nicht so groß.“ Mit ihren Finanzpartnern habe die Hüls-Gruppe eine Finanzierung bis zum 31. Dezember 2018 vereinbart, um die nach eigenen Angaben „erfolgreich gestartete Sanierung der Unternehmensgruppe bis zu diesem Zeitpunkt abzuschließen“.

Im April 2016 verließ Oliver Bialowons Hülsta – für viele überraschend. Hülsta sprach dagegen davon, dass die Restrukturierung des Markenmöbelherstellers vorangeschritten sei. Daher laufe die von Beginn an zeitlich befristete Zusammenarbeit im gegenseitigen Einvernehmen aus. Die operative Verantwortung in der Geschäftsführung der Hülsta-Werke liegt jetzt bei einer Doppelspitze: Andreas Bremmer (Vertrieb) und Heinrich Judt (Restrukturierung/operatives Geschäft).

„Neue Chancen für Benz“

In Sachen Rolf Benz, so berichtete der „Schwarzwälder Bote“ am Freitag, habe die Hüls-Gruppe zuletzt mit fünf Bietern verhandelt. Rolf-Benz-Geschäftsführer Jürgen Mauß sieht dem Bericht zufolge im Wechsel zum neuen chinesischen Eigentümer vor allem Chancen für das Unternehmen: Rolf Benz werde internationaler, könne auf dem Asienmarkt stärker wachsen und auch sein Onlinegeschäftsmodell ausbauen. Der Jahresumsatz des chinesischen Möbelriesen Jason Furniture wird auf 4,5 Milliarden Euro beziffert.

Hülsta wurde im Jahr 1940 als Handwerksbetrieb von Alois Hüls gegründet und ab 1960 von dessen Sohn Karl Hüls geleitet. Unter dessen Ägide wurde Hülsta zur bekanntesten Herstellermöbelmarke in Deutschland und größtem Arbeitgeber in Stadtlohn.

In der 78-jährigen Firmengeschichte von Hülsta gab es neben vielen Höhen auch Tiefen. Das Werk in Heek wurde 2008 geschlossen. Das Firmenareal wurde im März 2017 an die Gemeinde Heek veräußert.

Rund 700 Mitarbeiter sind heute an den beiden Standorten in Stadtlohn und Ottenstein beschäftigt – halb soviel wie in früheren Spitzenjahren.

Die Restrukturierung zeigt Früchte. „Von 2014 bis bis 2016 ist der Umsatz um 15 Prozent gewachsen“, erklärte Marketingleiter Wolfgang Herrmann vor einem Jahr. Seinen Angaben zufolge lag im Jahr 2016 der Hülsta-Bruttoerlös bei 140 bis 150 Millionen Euro.

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