Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung
Anzeige

Und läuft und läuft und läuft

Kleiner Käfer lässt Herzen höher schlagen

Stadtlohn Heute vor 40 Jahren lief der letzte in Deutschland gebaute VW Käfer vom Band. Aber die Geschichte läuft und läuft und läuft weiter – auch in Stadtlohn.

Kleiner Käfer lässt Herzen höher schlagen

Thomas Iking und sein 1300er Käfer aus dem Jahr 1970. Foto: Stefan Grothues

Porsche, Bentley, Morgan und Mercedes – PS-Träume in Chrom, Lack und Leder… Thomas Iking hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Der 47-Jährige restauriert Oldtimer und Youngtimer. In der Fahrzeughalle der Münsterland Classic Cars an der Eschstraße, die er zusammen mit Barny Milic betreibt, parken Millionenwerte. Und ein chinchilla-grauer Käfer. Der soll heute mal im Mittelpunkt stehen. Denn auf den Tag genau vor 40 Jahren, am 19. Januar 1978, endete eine automobile Erfolgsgeschichte: Der letzte der weit über 14 Millionen in Deutschland produzierten Käfer lief in Emden vom Produktionsband – wie alle anderen unzertrennbar verbunden mit dem Versprechen „Er läuft und läuft und läuft…“. „Stimmt genau“, sagt Thomas Iking. Der Fachmann meint damit nicht nur die Technik. „Käfer sind immer ein Riesenthema, die mag einfach jeder“, sagt Thomas Iking.

Warum ist das so? „Vielleicht ist es die runde Form. Er wird ja auch Knutschkugel genannt“, mutmaßt Thomas Iking. Vielleicht ist es auch der unvergleichliche Klang des luftgekühlten Boxermotors. Vielleicht aber auch die geniale Einfachheit und Zuverlässigkeit. „Alles ist aufs Notwendige reduziert. Wenn man da ein Teil abbaut, dann fährt er nicht mehr“, sagt Thomas Iking und fügt hinzu: „Aber eigentlich läuft er ja immer, solange man nur Benzin und einen Zündfunken hat.“

Geliebt wird der Käfer aber wohl vor allem wegen der vielen Erinnerungen, die er weckt. Für viele war er das erste Auto überhaupt. Und auch Thomas Iking fühlt sich in seine Kindheit in den Siebzigern zurückversetzt, wenn er seine Hand über das runde Dach gleiten lässt. „Wir hatten damals einen himmelblauen Käfer. Mit dem sind meine Eltern, mein Bruder und ich bis nach Jugoslawien gefahren.“ Und weil unter der Fronthaube wenig Platz für das Gepäck war, baute Vater Iking an der Rückbank die Seitenverkleidung aus, damit dort noch die Schuhe der Familie verstaut werden konnten.

Thomas Iking denkt auch gerne an die vielen Samstage zurück, an denen er seinem Vater beim Schrauben am Käfer zuschaute – der Beginn einer lebenslangen Leidenschaft. Und einer generationsübergreifenden: „Ich habe noch einen alten Käfer im Hinterhof stehen. Der ist für meinen 16-jährigen Sohn Simon. Die Restaurierung wird ein Vater-Sohn-Projekt“, sagt Thomas Iking

Der chinchilla-graue Käfer in der Werkstatt dagegen ist längst perfekt in Schuss. Der 1300er Automatic gehört einem Kunden aus Ostwestfalen und ist nur zur Überholung zu Gast in Stadtlohn. Er erblickte 1970 das Licht der Welt mit zarten 40 PS. Heute ist der Original-Motor auf gut 180 PS getunt. Statt 115 km/h schafft er nun in der Spitze bis zu 190 km/h. Aber das Tuning ist Geschmackssache, sagt Thomas Iking. Er schätzt es vor allem, wenn die Autos möglichst im Originalzustand erhalten bleiben. Das mache sie auch für Autoliebhaber umso wertvoller.

Was kostet denn so ein VW-Käfer? 1970 mussten Käufer für einen neuen VW 1300 rund 5500 D-Mark zahlen. Wer ihn über all die Jahre gut gepflegt hat, kann heute dafür ein Vielfaches verlangen. Thomas Iking: „Wer heute einen Käfer kauft, muss schon 13.000 bis 15.000 Euro anlegen, wenn er ein vernünftiges Auto haben will.“ Nach oben hin ist immer noch mehr Luft: „Für einen gut erhaltenen Brezelkäfer aus der Anfangszeit kann auch schon eine sechsstellige Summe fällig werden.“ Und da bewegt man sich schon in einem Preissegment, das sonst nur Edelkarossen vorbehalten ist. Dem Porsche beispielsweise. Und der ist – bei aller Wertschätzung für den Käfer – Thomas Ikings Lieblingsauto. Genauer gesagt der Klassiker: der Porsche 911 RSR 2,8. Aber die Autoliebe bleibt ja in der Familie. Schließlich war Ferdinand Porsche 1934 ja auch der Vater des VW Käfer.

Anzeige
Anzeige