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Prozess am Landgericht

Schwerstverletzter Fluggast will Schmerzensgeld

STADTLOHN/ MÜNSTER Vor dem Landgericht Münster musste sich am Donnerstag der Betreiber der Fallschirmsprung-Schule am Flugplatz Stadtlohn-Vreden verantworten: 2009 war ein Fluggast mit einem für den Notfall angelegten Schirm bei der Landung aus dem Flugzeug gerissen worden und hatte sich schwere Verletzungen zugezogen. Er hat Klage auf Schmerzensgeld und Schadenersatz eingereicht.

Seit Jahren betreibt Josef Stewing eine Fallschirmsprung-Schule am Flugplatz Stadtlohn-Vreden. Tausende Wagemutige hat er in die Luft gehen und sanft wieder landen sehen. Seit gestern aber steht Stewing in Münster vor Gericht. Ein Umstand, der ihm sichtlich zusetzt.Es war im Juli 2009, als Stewing im Urlaub die Nachricht ereilte, in Stadtlohn habe sich ein schwerer Unfall ereignet. Ein Besucher, der eine Fallschirmspringerin nur als Mitflieger begleiten wollte, sei von seinem sich plötzlich öffnenden, nur für den Notfall angelegten Schirm aus der Maschine gezogen worden und aus 317 Metern Höhe abgestürzt.

Stewing fuhr damals sofort nach Hause und machte sich an die Erforschung der Unglücksursache. Heute weiß er: Bei dem Notfallschirm des Besuchers war offenbar ein System nicht deaktiviert, das automatisch den Reserveschirm auslöst, wenn es eine bestimmte Sinkgeschwindigkeit registriert. Als schließlich der Pilot sehr steil und schnell zur Landung ansetzte, handelte das System automatisch. „Natürlich hätte man das System deaktivieren können“, sagte Stewing gestern vor Gericht. "Aber wenn dann ’was mit dem Flugzeug passiert wäre und der Besucher zur Rettung hätte abspringen müssen, wäre es halt auch ausgeschaltet gewesen. Und dann hätte hinterher jeder gefragt: Warum habt Ihr das gemacht?“

Der Mann, der damals aus dem Flugzeug fiel und sich schwerste Verletzungen zuzog, heißt Antonius Frieling. Der 50-Jährige hat Josef Stewing auf Zahlung von mindestens 150 000 Euro Schmerzensgeld und zusätzlich Schadenersatz verklagt. Seit dem Unfall ist er Frührentner. „Ich kann nur noch Kartoffeln schälen und meinen Nachbarn auf den Geist gehen“, sagt er verbittert. Josef Stewing wird nach Ansicht des Gerichts wohl zahlen müssen – wenn auch vielleicht nicht ganz so viel. Ein Urteil soll später ergehen.

Stewings Problem ist nur: Seine Versicherung, die AXA, weigert sich, den Unfall als Schadensfall anzuerkennen. Der Mitflug von Antonius Frieling sei „gewerblich“ und deshalb nicht mitversichert gewesen. Deshalb hat nun auch Josef Stewing Klage eingereicht. Gegen die AXA. Verhandelt wird vor dem Landgericht Essen.

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