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Zweiter Betrieb betroffen

Weitere 280 Rinder werden geschlachtet

STADTLOHN In einem zweiten Betrieb steht fest, dass Tiere den BHV1-Virus in sich tragen. 280 Mastrinder und -bullen müssen geschlachtet werden. Derweil betreibt der Kreis Detektivarbeit, um der Seuche auf die Spur zu kommen.

Weitere 280 Rinder werden geschlachtet

Äußerlich sieht man Rindern nur sehr selten an, dass sie den Bovines Herpes Virus 1 in sich tragen. Wird er entdeckt, muss das Tier geschlachtet werden, um die Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Foto: picture alliance / dpa

Im 1000-Meter-Umkreis des Stadtlohner Milchviehtriebs, in dem das hochansteckende Bovines Herpes Virus 1 festgestellt wurde, wurden alle Betriebe überprüft und die Tiere untersucht. Am Mittwoch lieferten Untersuchungen das Ergebnis, dass ein zweiter Betrieb in der Nähe betroffen ist. Von drei weiteren, kleineren Betrieben stehen die Ergebnisse noch nicht fest.

Tiere sehen gesund aus
Das Tückische: Die Kühe, die an dem Virus erkranken, zeigen nicht unbedingt Krankheitssymptome. Seit wann also die Kühe in dem Milchviehbetrieb in Stadtlohn erkrankt sind, steht deshalb nicht fest. Bei der letzten Kontrolle vor einem Jahr war noch alles in Ordnung.

„Wir müssen uns detektivisch heranarbeiten“, beschreibt Kreisveterinär Dr. Manfred Ulrich. Wo kam die Seuche her und wohin wurde sie vielleicht weiter verschleppt – diese beiden Fragen müssen geklärt werden.

Stadtlohn Im westlichen Münsterland gibt es einen Nachweis für die hochansteckende BHV1-Tierseuche. In Abstimmung mit dem Landwirtschaftsministeriums in Düsseldorf müssen in einem Betrieb in Stadtlohn 400 Kühe und Rinder geschlachtet werden, wie der Kreis Borken am Montag mitteilte. Erst im Sommer 2017 war Nordrhein-Westfalen als letztes Bundesland als BHV1-frei erklärt worden.mehr...

Die Tests in den Betrieben in der unmittelbaren Umgebung des Milchviehbetriebs waren der erste Schritt. Von diesem Hof aus wurden regelmäßig die männlichen Kälber an Mastbetriebe verkauft und auch einige Milchkühe wechselten den Besitzer. „Das sind acht bis zehn Betriebe“, so schätzt Manfred Ulrich, wo weiter geforscht wird. „Wir wollen eingrenzen, wann Tiere zum ersten Mal betroffen waren.“ Das kann im Mai oder erst im Oktober gewesen sein. „Die Krankheit merkt man manchmal gar nicht, sie geht schleichend durch den Bestand“, so der Kreisveterinär. Steht ein Zeitraum fest, wird weiter geforscht. Welche Personen waren auf dem Hof, wo kamen sie her, wo gingen sie hin? Tierärzte, Klauenpfleger, Viehhändler oder Besamungstechniker – sie alle können den hochansteckenden Virus weitertragen. Also werden bald weitere Tierärzte ausgesandt, um Milch- oder Blutproben zu nehmen.

Atemwegserkrankungen
Betroffene Tiere müssen geschlachtet werden, damit sich die Seuche nicht verbreiten kann. Symptome haben sie oft nicht. Manchmal machen sich Atemwegserkrankungen bemerkbar, so Manfred Ulrich, manchmal kann ein Milchrückgang verzeichnet werden. Meistens sind es die Untersuchungen einmal im Jahr, bei denen der Rinderherpes auffällt. „Wir überlegen jetzt natürlich, ob man die Zeitpunkte verkürzen muss“, sagt Manfred Ulrich.

Früher hat man gegen den Virus geimpft. Seitdem NRW als letztes Bundesland im Juni 2017 als BHV1-frei erklärt wurde, darf aber nicht mehr geimpft werden. Damit zusammen hängen Auflagen für die Vermarktung von Rindern innerhalb und außerhalb Deutschlands.

Für die Betriebe selbst ist der Virus, der früher weit verbreitet war, heute eine Katastrophe. Mit der Schlachtung der Herde kann die Existenz gefährdet werden. „Eine Kuhherde ist eine Lebensaufgabe“, sagt auch Dirk Große-Damhues, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Stadtlohn: „Eine Milchviehherde wird über Generationen aufgebaut.“ Und dann sei da auch noch die Beziehung zu den Kühen, die man anders als bei Mastbetrieben viele Jahre im Stall habe. „Die melkt man jeden Morgen und jeden Abend.“ Der Ortsverbandsvorsitzende weiß, wie die Kollegen sich fühlen: „Das tut richtig weh.“

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