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Wenn der Bettnachbar mithört

Datenschutz im Stadtlohner Krankenhaus bedeutet mehr Bürokratie

Datenschutz im Krankenhaus war schon immer ein sensibles Thema. Die Datenschutzverordnung schafft im Krankenhaus Maria-Hilf vor allem Bürokratie – und Unsicherheit.

Stadtlohn

07.06.2018
Wenn der Bettnachbar mithört

Eine neue Datenschutzerklärung gilt für die Behandlung im Krankenhaus.

Nichts ist so sensibel wie Patientendaten. Deshalb ist Datenschutz im Gesundheitswesen nicht erst seit zwei Wochen ein Thema. Schon im 2400 Jahre alten Eid des Hippokrates wird Verschwiegenheit gepredigt. Die ärztliche Schweigepflicht gilt ohnehin. Was sollte eine Datenschutzgrundverordnung da schon Neues bringen?

Vor allem Papier. „Wir produzieren Tausende Seiten“, sagt Dr. Ulrich Rebers, der als Chefarzt in der Orthopädie und Endoprothetik am Krankenhaus Maria-Hilf (KMH) tätig ist. „Man kommt sich schon vor wie beim Finanzamt.“

Allein drei neue Formulare gibt es nun zusätzlich, seit die DSGVO in Kraft ist. Eine Datenschutzerklärung für Patienten, eine Patienteninformation, die sie auf Anfrage erhalten und ein drittes Formular für die interne Verwendung.

Unsicherheit beim Personal

„Die Bürokratie ist deutlich schlimmer geworden“, bestätigt Anne Bestert, Datenschutzbeauftragte im KMH. Das Krankenhaus sieht sie gut aufgestellt für die Anforderungen der Datenschutzverordnung. „Wir hatten zwei Jahre Zeit, uns vorzubereiten. Und ohnehin haben wir schon immer mit sensiblen Daten gearbeitet, die wir entsprechend schützen.“

Ärzte und Pflegepersonal werden regelmäßig in Sachen Datenschutz geschult. Da werden alle noch einmal daran erinnert, nicht auf dem Flur über Patienten zu sprechen oder das Dienstzimmer abzuschließen. Namen an Zimmern und Betten gibt es nicht und die Anmeldung im Krankenhaus erfolgt immer einzeln.

Und dennoch führt die Datenschutzverordnung zu Unsicherheit, vor allem bei den Mitarbeitern. „Viele haben Angst“, sagt Bestert. Denn viele Vorkehrungen sind in der Praxis schwer umzusetzen. „Es ist schwierig zu verhindern, dass jemand etwas mitbekommt.“

Ein heikles Thema bleibt etwa die Arztvisite im Mehrbettzimmer. Denn die Mitpatienten sind in der Regel dabei. „Es ist wichtig, dass der Arzt vorher fragt und Besucher hinausbittet“, so Bestert. Sofern der Patient eine Visite unter vier Augen wünsche, sei es kein Problem, dies zu ermöglichen. Schließlich könne man die Zimmergenossen jederzeit hinausbitten oder sich in das Arztzimmer zurückziehen.

„Das ist im Alltag kaum umsetzbar“, findet dagegen Chefarzt Rebers. Im Falle von Patienten mit Mobilitäts-Einschränkungen sei dies nur theoretisch möglich. „Als hätten die Schwestern nichts anderes zu tun, als Betten rein- und rauszufahren.“

Von der neuen Verordnung hält er wenig: „Das ist ein Riesenproblem für uns, weil vieles nicht zu Ende gedacht wurde und am Ende alle darunter leiden.“

Viele Rechte sind nicht neu

„Und am Ende wird man noch verklagt“, fürchtet sein Kollege Dr. Stefan Lakemeier. Auch er findet den zusätzlichen Aufwand „nicht zielführend“. „Es gibt viele Probleme in deutschen Krankenhäusern. Datenschutz gehört nicht dazu.“ Denn ohnehin würden Gespräche, etwa im Fall einer Krebsdiagnose, ausschließlich unter vier Augen stattfinden.

Allerdings ist das Thema Arztvisite im Mehrbettzimmer gar schriftlich im Behandlungsvertrag oder der Datenschutzerklärung geregelt. Anne Bestert klärt auf: „Wir gehen hier von einem stillschweigenden Einverständnis des Patienten aus.“ Patienten könnten dem ebenso widersprechen wie der Datenschutzerklärung. „Dann weisen wir darauf hin, dass dies zu Komplikationen führt“, so die Datenschutzbeauftragte. Vorgekommen sei dies aber noch nicht.

Im Notfall ohne Formular

Grundsätzlich bedürfe nicht jede Maßnahme einer Einwilligung des Patienten, klärt Sandra Fösken, Sprecherin der Krankenhausgesellschaft NRW, auf. Die Behandlung im Team oder die Zuziehung weiterer Experten sei demnach problemlos möglich. Und im Notfall spielt das sowieso keine Rolle. „Dann kommen wir nicht mit dem Formular angerannt“, sagt Bestert.

Generell ändert sich für Patienten wenig. „Die meisten der in DSGVO geregelten Betroffenenrechte galten selbstverständlich auch schon nach alter Rechtslage“, so Fösken. Diese seien lediglich präzisiert worden.

Dies gilt auch für das Recht auf Löschung. So können Patienten theoretisch die Löschung ihrer personenbezogenen Daten verlangen. „Dem können aber gesetzliche Aufbewahrungspflichten entgegenstehen“, so Fösken. Diese betragen zwischen 10 und 30 Jahre.