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2,6 Millionen Euro fürs Klärwerk

Neues Nachklärbecken sprengt Kostenrahmen

Südlohn Die Baubranche hat Hochkonjunktur, die Gemeinde Pläne für die Sanierung und Erweiterung des Klärwerks. Das könnte sehr teuer werden.

Neues Nachklärbecken sprengt Kostenrahmen

Das Klärwerk in Südlohn muss um ein weiteres Nachklärbecken erweitert werden. Weil die Baukonjunktur derzeit ein Hoch hat, muss die Gemeinde dafür deutlich tiefer in die Taschen greifen als gedacht. Gehring Foto: Markus Gehring

Was hat das Wort Risikoprognose mit einem Zentralklärwerk zu tun? Die Antwort auf diese Frage gab es in der vergangenen Ratssitzung. Denn es ging darum, wie teuer die anstehende Sanierung und der Bau eines zweiten Nachklärbeckens für die Gemeinde werden können. 2,6 Millionen Euro – diese Zahl nannten die Vertreter des mit der Projektplanung beauftragten Büros Tuttahs und Meyer aus Bochum als Marke für das neue Nachklärbecken. Im Jahr 2015 waren es noch geschätzte 1,3 Millionen Euro gewesen. Um 181.000 Euro steigt wohl auch die Ausgabe für die Sanierungsmaßnahmen. Weit mehr als eine Millionen Euro mehr müssten gestemmt werden, sagten die Fachleute. Dies unter der Voraussetzung, dass beide Bauprojekte gemeinsam ausgeschrieben würden – und dass sich eine Baufirma findet, die sie realisiert.

„Die Firmen sind zu. Wir kriegen kaum noch Angebote“, sagte Diplom-Ingenieur Stefan Koenen, geschäftsführender Gesellschafter. Und unterstrich so, was er und sein Mitarbeiter Andreas Schiffers zuvor in ihrer Risikoprognose aufgezeigt hatten: Die Baupreise sind kontinuierlich angestiegen. Daher rühre die immense Kostensteigerung. „Wir schlagen Alarm“, so der Ingenieur.

Zweifel an der Dringlichkeit

Die Sanierung sei „ganz klar“ nötig, aber zur Notwendigkeit des neuen Nachklärbeckens sah Alois Kahmen (CDU) noch Informationsbedarf. „Ich sehe momentan keine gemeinsame Ausschreibung“, so seine Einschätzung. Weniger konkret war Günter Bergup (UWG) „Das muss ich erst mal sacken lassen“, meinte er. Siegfried Reckers (SPD) schloss sich dem an, wagte aber dennoch die Frage: „Verschieben geht wohl nicht?“

Stefan Koenen hatte zuvor schon betont, dass die Anlage auf 15.000 Einwohnergleichwerte ausgelegt sei, aber auf 20.000 Einwohnerwerte laufe. „Der Betrieb fährt auf Weltklasse“, machte er dem Team um Klärmeister Franz Artz ein Riesenkompliment. Um es den Kommunalpolitikern aber noch einmal klipp und klar zu sagen, wurde er sehr deutlich: „Das zweite Becken ist keine Ergänzung. Wir brauchen die Erweiterung, um den Ist-Zustand nachzuweisen.“ Und nicht zuletzt wurde er drastisch: „Sie sind im nicht-genehmigten Bereich.“

„Wir brauchen Kapazität“

Bauamtsleiter Dirk Vahlmann erläuterte mit Blick auf die Zukunft die Notwendigkeit des zweiten Beckens: Gewerbegebiete würden erweitert, „die Firmen wollen wachsen. Wir brauchen Kapazität. Wir sind am Limit, weiter geht es nicht mehr.“

Allein die Betonsanierung am Klärwerk sei eine Maßnahme, die verschoben werden könne, sagte Stefan Koe-nen. Das sei auch so vorgesehen. Mit der Risikoprognose und den klaren Aussagen gingen die Politiker nun in die Weihnachtspause. Mitte Januar tagt der Hauptausschuss – dann muss eine Entscheidung her, was zu tun ist. Denn eines ist klar: Die Abwassergebühren müssten kräftig steigen, damit die Ausgaben gestemmt werden können. Und das betrifft alle Südlohner Haushalte.

Die Bezirksregierung Münster ist die Aufsichts- und Genehmigungsbehörde für kommunale Klärwerke.

Bei Störungen, so Bürgermeister Christian Vedder auf Anfrage, sei die Aufsichts- und Genehmigungsbehörde des Kreises Borken, zu verständigen.

Die Bezirksregierung entnimmt einmal monatlich unangemeldet Abwasserproben, um die Einhaltung der Grenzwerte zu überwachen.

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