Diese Website speichert Cookies auf Ihrem Computer. Diese Cookies werden verwendet, um Ihre Website zu optimieren und Ihnen einen persönlich auf Sie zugeschnittenen Service bereitstellen zu können, sowohl auf dieser Website als auch auf anderen Medienkanälen. Mehr erfahren über die von uns eingesetzten Cookies finden Sie in unserer Datenschutzrichtlinie

Wildpinkler sind ein Ärgernis für Südlohner

Notdurft landet an den Gärten am Vitusring

Südlohn Wer am Busbahnhof mal muss, hat ein Problem. Die Notdurft landet dann nicht selten im Gebüsch – und damit quasi direkt im Garten von Anwohnern.

Notdurft landet an den Gärten am Vitusring

An dem kleinen Weg am Südlohner Busbahnhof verrichten Menschen ihre Notdurft - ein Ärgernis für die Anwohner. Foto: Robert Wojtasik

Im Garten ihres Hauses am Vitusring haben sich Agatha und Karl Rexing ein kleines Paradies geschaffen. Das satte Grün des gepflegten Rasens sticht sofort ins Auge, der Teich liegt ruhig da, rundherum blüht es in den Beeten. Ein Wasserlauf schlängelt sich durch das Idyll, auch Spinat, Kohlrabi und Kopfsalat baut das Ehepaar hier an. Für die Gartenpflege bringen die Rexings viel Zeit auf. Zur Belohnung genießen sie gerne ein Stückchen Kuchen vor ihrer Laube, oder schauen den Kindern beim Spielen zu. „Wir freuen uns immer, wenn die Urenkel sich im kleinen Sandhäuschen vergnügen“, sagt Agatha Rexing. Alles könnte so schön sein, wenn es da nicht dieses Problem auf der anderen Seite des Zauns gäbe.

Fliegen kreisen um Haufen

Der Garten grenzt an ein kleines Pättken, das am Busbahnhof vorbeiführt und der Gemeinde gehört. Es ist schwer einzusehen, was mit ein Grund dafür sein dürfte, dass das Problem überhaupt besteht: Menschen, die mal müssen, verrichten hier ihre Notdurft, pinkeln manchmal direkt an die Rückwand der Gartenlaube und schmeißen ihre schmutzigen Taschentücher ins Gebüsch. Beim Ortsbesuch am Mittwoch kreisen Schmeißfliegen um einen Kothaufen, der kaum zwei Meter Luftlinie von Rexings Gartenlaube entfernt hinterlassen wurde.

Notdurft landet an den Gärten am Vitusring

Das Pättken grenzt an den Garten der Anwohner. Vor dem Stromkasten liegt ein Kothaufen unter einem Taschentuch. Foto: Robert Wojtasik

„Ich komme morgens auf dem Weg zur Apotheke oder zum Einkauf oft hier vorbei“, sagt Agatha Rexing. „Und dann sieht man immer schon die Überraschung.“ Mit dem Appetit auf ein Stückchen Kuchen am Nachmittag hat es sich dann meist schon früh erledigt.

Karl Rexing will den Wildpinklern gar keine böse Absicht unterstellen: „Was sollen sie denn machen, wenn sie plötzlich Druck haben? Es fahren ja jeden Tag auch viele Schulkinder vom Busbahnhof ab.“ Er würde es begrüßen, wenn es am Busbahnhof eine öffentliche Toilette gäbe. Denn seit das Vereinsheim abgerissen wurde, gibt es im direkten Umfeld des Busbahnhofs keine Möglichkeit mehr, seine Notdurft zu verrichten. Das Problem bestehe schon seit Jahren, sagt Karl Rexing. Er habe deswegen auch schon mehrfach das Ordnungsamt kontaktiert. Passiert ist bis heute nichts.

Wenig Chancen

Der stellvertretende Bürgermeister Werner Stödtke sieht wenig Chancen auf die Errichtung einer öffentlichen Toilette am Busbahnhof oder an einem anderen Ort in der Gemeinde. „Das ist immer auch mit zusätzlichen Belastungen für die Kommune verbunden“, sagt er. Erst mal müsse man die Toilettenlage bauen und anschließend die Folgekosten durch den Pflegeaufwand im Auge behalten. In Südlohn können Menschen während der Öffnungszeiten die Toilette der öffentlichen Begegnungsstätte Haus Wilmers am Kirchplatz nutzen. Zu Veranstaltungen ist zudem das Toilettenhäuschen am Rathaus geöffnet.

Kein rechtlicher Anspruch

Einen rechtlichen Anspruch auf die Aufstellung öffentlicher Toiletten haben Bürger nicht. Das hat das Oberverwaltungsgericht Münster im Dezember vergangenen Jahres entschieden. „Die Regelungen der Gemeindeordnung für das Land Nordrhein-Westfalen gäben dem Bürger keinen Anspruch auf Schaffung gemeindlicher Einrichtungen“, heißt es in einer Mitteilung des Gerichts. Geklagt hatte ein Essener mit krankhaftem Harndrang.

Etwas Abhilfe schafft in immer mehr Kommunen das Projekt „Die nette Toilette“. Dabei stellen Gastronomen ihre WCs kostenlos zur Verfügung und erhalten im Gegenzug finanzielle Unterstützung von der Stadt für die Pflege ihrer sanitären Anlagen. Über eine App kann man sich die teilnehmenden Gaststätten anzeigen lassen. Allein für Vreden sind im Internet 38 „nette Toiletten“ ausgewiesen. „Das ist doch eine charmante Idee“, findet auch Werner Stödtke. Und eine, die sicherlich auch im Sinne von Agatha und Karl Rexing wäre. Die Gartensaison ist ja noch jung.

Anzeige
Anzeige