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Kiosk-Räuber von Oeding belastet Mitbewohner

Tatvorwürfe bleiben nebulös

Oeding/Bocholt Die drei Kiosk-Überfälle Ende 2015 in Oeding und Südlohn standen erneut im Mittelpunkt eines Prozesses vor dem Bocholter Landgericht. Es ging um einen möglichen Komplizen.

Tatvorwürfe bleiben nebulös

Die Statue Justizia (Symbolbild) Foto: dpa

Nach drei Überfällen auf Kioske Ende 2015 – zweimal in Oeding, einmal in Südlohn – nahm die Polizei im Januar 2016 einen 28-jährigen Borkener und seinen 55-jährigen Vater als dringend tatverdächtig fest. Bei einem Prozess vor dem Landgericht in Bocholt ging es nun am Donnerstag um die mögliche Mittäterschaft eines 27-jährigen Bocholters.

Den hatte der mittlerweile zu einer sechsjährigen Haftstrafe verurteilte 28-jährige Haupttäter in der Hauptverhandlung vor dem Landgericht als Mittäter bei seinem letzten Kiosk-Überfall Ende Dezember 2015 belastet. Der 27-Jährige habe Schmiere gestanden, als er mit einer ungeladenen Schreckschusswaffe in den Kiosk gestürmt sei, erklärte der Haupttäter beim Prozess im Mai 2017. Beute damals: 245 Euro und Zigarettenpäckchen im Wert von mehreren tausend Euro. Die Tatvorwürfe gegen den Vater des inhaftierten Kioskräubers konnten nicht bis zu einer Anklageerhebung erhärtet werden.

Angeklagter streitet Beteiligung ab

Die Aussage gegen den 27-Jährigen führte aber in der vergangenen Woche zu einem weiteren Prozesstermin vor dem Landgericht. Der belastete Bocholter stritt alles ab, er sei bei dem Überfall nicht dabei gewesen, habe auch nicht davon gewusst. Zum Zeitpunkt der Taten wohnte er zusammen mit dem inhaftierten Haupttäter in einer Wohnung in Weseke.

Von dort aus sei er alleine mit dem Rad zum Kiosküberfall nach Oeding gefahren, erzählte der 28-Jährige nach seiner Verhaftung. Nach der Schilderung im Hauptverfahren war aber der Mitbewohner dabei und man sei mit seinem Auto unterwegs gewesen. Bei seiner Aussage im jetzigen Prozess könnte es auch ein Auto der Eltern gewesen sein. Der Haupttäter präsentierte dem Gericht abweichende Aussagen, die seine Glaubwürdigkeit erschütterten.

„Die Aussagen sind nicht sonderlich konstant“, meinte am Ende auch der Staatsanwalt, der Freispruch für den 27-jährigen Angeklagten beantragte: „Das Ganze bleibt im Nebulösen.“ Ähnlich sah es der Anwalt des Angeklagten in seinem Plädoyer: „Aussagen, auf die man eine Verurteilung schließen könnte, liegen nicht vor.“

Hartnäckig fragte der Richter den Angeklagten mehrfach nach den Geschehnissen nach der Tat in der Weseker Wohnung. Der Angeklagte berichtete, dass der 28-jährige Haupttäter am Abend des Tattages zwischendurch etwa eine halbe Stunde weggewesen sei. Dann sei er mit seiner Mutter zurückgekommen und hatte eine Tasche voll mit Zigarettenschachteln dabei. Später habe der Haupttäter ihm erzählt, dass er den Kiosk in Oeding überfallen habe.

Wollte der Räuber seine Mutter schützen?

Wollte der verurteilte Kioskräuber seine Mutter schützen und den Verdacht auf seinen Mitbewohner lenken, mit dem er sich mittlerweile zerstritten hatte? Diese Frage bleib vor Gericht unbeantwortet. Am Ende folgte das Gericht dem Antrag von Staatsanwaltschaft und Verteidigung und sprach den Angeklagten frei. Es stehe Aussage gegen Aussage, sagte der Vorsitzende Richter und erklärte, dass die fünfköpfige Kammer nicht von der Mittäterschaft des Angeklagten überzeugt wurde. Mehrere beim Prozess gehörte Zeugen hatten auch nicht bestätigt, dass sie einen Mittäter bei dem Überfall wahrgenommen hatten.

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