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Silvesterbräuche in Indien

Wenn ein Kaplan selbst am Herd steht

Südlohn Eigentlich hat Peter Raju Silvester und Neujahr bereits hinter sich. Wenn der Pater in seiner indischen Heimat geblieben wäre, dann wäre das jedenfalls so.

Wenn ein Kaplan selbst am Herd steht

Dass Pater Raju Spaß hat beim Kochen, kann man hier deutlich sehen. In der Hand hält er eine Ingwer-Knolle. Foto: Christiane Hildebrand-Stubbe

Seit zweieinhalb Jahren ist der 36-jährige Peter Raju in der katholischen Kirchengemeinde St. Vitus und St. Jakobus. Seine Kindheit und Jugendzeit verbrachte er aber im indischen Bundesstaat Kerala. Dort absolvierte er auch die schulische Ausbildung und sein Studium. Und in Kerala beginnt das Jahr laut Sonnenkalender bereits Mitte August, erzählt Raju von seiner Heimat am Rande einer Großstadt. „Das ist dann sozusagen auch so etwas wie ein Erntedankfest, die Feierlichkeiten dauern rund zehn Tage.“ Während dieser Zeit gibt es die verschiedensten Festivitäten, auch viele kirchliche und natürlich gutes Essen. Ein Feuerwerk allerdings, wie es in Deutschland und vielen anderen Ländern der Welt üblich ist, gibt es im August nicht.

Anders sieht es in der Silvester-Nacht aus. Raju: „Der 1. Januar ist auch in Indien landesweit ein Feiertag, in den großen, westlich beeinflussten Städten gibt es dann nicht nur ein Feuerwerk, sondern auch alle Formen von Silvesterfeiern, genau wie hier.“ Dazu gehöre auch Alkohol, vor allem Brandy, Whisky und Portwein. „Alkohol ist in Kerala gerade an Silvester ein großes Thema“, sagt Peter Raju und lacht.

Auf dem Dorf gehe es etwas beschaulicher zu. Hier trifft man sich mit Freunden bei Musik und Tanz. Auch hier spielt gutes Essen eine große Rolle. Ein klassisches Festessen, wie man es in Deutschland kennt, kann der Kaplan aber nicht nennen: „Indien hat 29 Bundesstaaten, und jeder hat seine eigene Sprache, seine eigene Kultur und eben auch sein eigenes Essen.“

Gewürze aus der Heimat

Immer eigentlich spiele Reis, allerdings in Form von Reismehl, die Hauptrolle. Daraus werden dann Nudeln, Brötchen oder Brot gefertigt. Fleisch, ob vom Rind, Schwein, oder Geflügel, gehören zu einem Festtagsessen. Gemüse natürlich auch. Bekannte Sorten wie Tomaten, Paprika, Möhren, aber auch solche exotische wie die „Ladies fingers“, eine Zucchini ähnliche Frucht.

Dass aus diesen Zutaten dann auch wirklich ein authentisches indisches Festmahl wird, dafür sorgen die speziellen Gewürze: Ingwer, Kardamon, Chili zum Beispiel. Aus vielen Zutaten mixt jede Familie dann ihr eigenes Masala, ihre eigene Gewürzmischung. Wie der Kaplan von der heimischen Küche erzählt, wird schnell klar, dass er gutes Essen schätzt. Und dafür sorgt er sogar selbst. In Indien sei es zwar keine Selbstverständlichkeit, dass Männer kochen, er aber gehöre zu dieser Minderheit. Wenn er nicht mit Pfarrer Schoo frühstückt oder zu Mittag isst, dann kocht er selbst. Natürlich vor allem indische Gerichte. Die Gewürze hat er entweder mitgebracht, oder findet sie im Spezialgeschäft in Münster.

Raju ist Autodidakt, kocht gerne und oft, auch mit den anderen indischen Priestern der Region bei ihren regelmäßigen Treffen. Ein Kochbuch findet man in Rajus Küche allerdings nicht: „Wenn ich nicht weiter weiß, dann rufe ich meine Mutter an.“

Unterschiede sind nicht bedeutsam

Auch ohne Rezeptbuch können sich die Ergebnisse seiner Kochkunst sehen lassen. Und nicht nur das: Marinierter, pikanter Lachs, scharfe Ente, pikant gewürzte Bohnen und dazu eine Joghurtcreme mit Gurkenstückchen – all das schmeckt richtig scharf, aber auch unglaublich köstlich. Für seinen Besuch, einen indischen Kollegen, hat er das gerade vorbereitet. Zusammen mit Basmati-Reis könnte so auch ein indisches Silvesteressen aussehen und wird es morgen vielleicht auch.

Den Silvesterabend in Südlohn verbringt Peter Raju mit und bei seinen deutschen Nachbarn. Er stößt zwar erst später dazu, Vorbehalte gegen deutsches Essen, hat er aber ohnehin nicht: „Ich liebe Grünkohl.“ Die kulinarischen Unterschiede sind für ihn nicht wirklich bedeutsam: „Ob Unterschiede der Kultur oder der Mentalität, wichtiger sind für mich die Menschen.“ Und die will er insbesondere erfreuen, ganz gemäß dem Auftrag seines Ordens „Verkünder der frohen Botschaft“. Und dabei hilft ihm bestimmt auch seine Kochkunst.

Die Heimat des Südlohner Paters

Peter Raju ist in Pullavila, einem dörflich geprägten Stadtteil von Trivandrum (Hauptstadt Keralas) mit zwei Brüdern und einer Schwester in einer christlichen Familie aufgewachsen.

Schon als Kind wollte er Priester werden und die Menschen erfreuen.

Eine Aufgabe, die er auch als Missionar in seiner deutschen Kirchengemeinde in Südlohn sehr ernst nimmt.

Der Name Peter ist in Indien keineswegs ungewöhnlich. Die christlichen Kirchen im Bundesstaat Kerala sind laut Raju dort älter als jede in Europa.

Rajus Opa hieß Josef, seine Mutter Cäcilia.

In Kerala pflegen die verschiedenen Religionen – 45 Prozent Hindus, 24 Prozent Christen, 24 Prozent Muslime ein friedliches Miteinander.

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