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Elisabeth Geling geht in Rente – aber nicht als „Lisbeth van’t Amt“

„Lisbeth van’t Amt“

50 Jahre hat Elisabeth Geling bei der Stadt Vreden gearbeitet. Jetzt ist sie in Rente gegangen. Und was wird aus der Kunstfigur Lisbeth van’t Amt?

Vreden

von Victoria Thünte

, 11.07.2018
Elisabeth Geling geht in Rente – aber nicht als „Lisbeth van’t Amt“

Elisabeth Geling unterhält auf Plattdeutsch wie hier beim „Moosäten“ des Heimatvereins, aber immer als Lisbeth van’t Amt. Sie erzählt detailreich und mit viel Humor weniger aus dem Rathaus, sondern mehr davon, wie das Leben früher in Vreden war. © Anne Rolvering (A)

Bei ihr ist der Name kein Programm. Mit schwarzem Kleid, Schürze und Holzschuhen bringt Lisbeth van’t Amt ihre Zuhörer mit plattdeutschen Geschichten zum Lachen. Doch die wenigsten davon haben etwas mit ihrer Arbeit bei der Vredener Stadtverwaltung zu tun. „Ich kann doch da nicht aus dem Nähkästchen plaudern“, sagt Elisabeth Geling schmunzelnd. Der Name habe sich einfach so ergeben.

Premiere beim „Moosäten

„Ich habe 2004 angefangen, beim Moosäten des Heimatvereins aufzutreten, und da wurde ich anmoderiert als Lisbeth van’t Amt, damit die Leute wussten, wer ich bin.“ Jetzt ist die Vredenerin nach 50 Jahren bei der Stadt in Rente gegangen – und erzählt doch noch einige Geschichten aus dieser Zeit.

Ihre Laufbahn bei der Stadt begann am 1. Juli 1968 – als „Verwaltungslehrling“, wie Elisabeth Geling erzählt. „Viele Mädchen aus meiner Klasse haben als Näherin oder Spulerin oder im Haushalt gearbeitet, aber ich wollte was mit Büroarbeit machen.“ An ihren ersten Tag in der Ausbildung kann sich die 64-Jährige noch gut erinnern. „Ich war bei der Stadtkasse und wir mussten die sechs Parkuhren am alten Rathaus ausleeren und das Geld aus den unterirdischen Toilettenanlagen holen. 20 Pfennig musste man da damals reinschmeißen. Das hat bestialisch gestunken da unten“, erzählt Geling und kann heute darüber lachen.

Ausbildungszeit ausschließlich in der Stadtkasse

Die gesamte Ausbildung habe sie in der Stadtkasse verbracht, ohne die Abteilung zu wechseln – „das ist ja heute undenkbar“. Viel zu tun hatte die damals erst 14-Jährige. Schließlich bezahlten einige Bürger ihre Grundbesitzabgaben oder die Gewerbesteuer mit Bargeld. Sogar das Geld für einen Grundstückskauf habe sie mal in bar erhalten. „Das hat man dann schnellstmöglich zur Bank gebracht.“ Bei der Stadtkasse hat sie auch Badekarten verkauft. Das waren Jahreskarten für das Schwimmbad, die kinderreiche Familien, Behinderte oder Studenten vergünstigt bekommen haben. „Ab und zu kamen auch mal Kinder, die erzählt haben, dass ihre Mutter die Karte mitgewaschen habe. Sie haben aber nur Ersatz bekommen, wenn sie das wirklich glaubhaft versichern konnten“, erinnert sich Elisabeth Geling. Im Sommer mussten die Auszubildenden auch mal Kassendienst am Freibad machen.

Elisabeth Geling geht in Rente – aber nicht als „Lisbeth van’t Amt“

Die Jubilarin Elisabeth Geling nach der offiziellen Verabschiedung im Kreise einiger Kolleginnen und Kollegen: v.l.: Hermann Wilmer, Ruth Buning, Joachim Hartmann, Elisabeth Geling, Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch, Edeltraud Resing und Christian Micheel.

Nach der Ausbildung blieb Elisabeth Geling zunächst in der Stadtkasse, wechselte dann aber 1978 ins Bauamt. „Das war alles nicht so umfangreich wie heute mit Umweltverträglichkeitsprüfung und Geruchsbelästigung und so weiter. Damals hatte so ein Bebauungsplan auch mal nur fünf Seiten“, erzählt die 64-Jährige.

Später arbeitete sie im Liegenschaftsamt, dem Gebäudemanagement, der Bauverwaltung und bis zuletzt in der Fachabteilung Wirtschaft und Bauen. In verschiedenen Abteilungen hat sie auch die stellvertretende Fachabteilungsleitung übernommen. In den 50 Jahren hat Elisabeth Geling unter fünf Verwaltungsspitzen gearbeitet: Stadtdirektor Paul Kemper, Stadtdirektor Erich Lenfers, Stadtdirektor Werner Stüken, Bürgermeister Hermann Pennekamp und Bürgermeister Dr. Christoph Holtwisch. Drei Mal ist Elisabeth Geling in dieser Zeit Mutter geworden, doch sie hat quasi durchgearbeitet. „Mein Mann war Hausmann.“

Lisbeth van’t Amt hat noch viel zu erzählen

Im Jahr 2004 ist Lisbeth van’t Amt geboren. Damals trat Elisabeth Geling zum ersten Mal beim plattdeutschen Nachmittag „Moosääten“ des Heimatvereins auf. Ihre allererste Geschichte als Lisbeth van’t Amt handelte von den Nachbarskindern, die immer aus einem Topf Buttermilch genascht haben, obwohl in dem Topf im Sommer Fliegen und dicke Brummer schwammen. „Die wurden einfach mit den Fingern rausgefischt. Da war man noch nicht so penibel, da hat von Neurodermitis und Laktoseintoleranz noch niemand gesprochen“, witzelt Elisabeth Geling. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Auftritte dazu: bei Frauengemeinschaften, runden Geburtstagen, Goldenen Hochzeiten, Jubiläen oder Rentner-Gruppen. Auch Auftritte in Ahaus, Südlohn oder Epe hat sie regelmäßig.

Nun ist die Zeit beim Amt für Elisabeth Geling vorbei. „Bei der Verabschiedung habe ich den Bürgermeister gefragt, ob ich denn weiter als Lisbeth van’t Amt auftreten darf“, erzählt die Neu-Rentnerin. Sie darf. Und sie wird. Schließlich hat sie noch viel zu erzählen.