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Tag des Baumes: Linde an der Kapelle Maria Brunn

Heilige Aufgabe für eine Linde

Vreden Zum Tag des Baumes an diesem Mittwoch erzählen wir die Geschichte eines besonderen Baumes in Vreden: An der Kapelle Maria Brunn steht eine Linde, die früher eine große Aufgabe hatte.

Heilige Aufgabe für eine Linde

Hermann und Annegret Levers haben viel zu erzählen über den alten Baum an der Kapelle Maria Brunn. Foto: Victoria Thünte

Der Baum versteckt sich. Hinter den vielen grünen Ästen, die überall aus dem Stamm sprießen, ist die Linde nur noch schwer zu erkennen. Sie fällt kaum auf zwischen all den anderen, gerade gewachsenen Bäumen an der Kapelle Maria Brunn. Dabei hat der alte, knorrige Baum eine ganz besondere Geschichte zu erzählen. Denn früher hatte die Linde immer im August eine wichtige Aufgabe zu erfüllen: An ihr wurde zur Apfelprozession der Predigtstuhl festgemacht.

Für Hermann Levers ist der Baum ein Stück seiner Kindheit. Er ist ganz in der Nähe der Kapelle aufgewachsen, im Vikariehaus. Dafür, dass sie auf Kirchengrund wohnte, musste die Familie einige Pflichten erfüllen. „Wir mussten uns um die Kapelle kümmern. Zum Beispiel mussten wir jeden Abend um 18 Uhr die Glocke läuten. Manchmal waren wir aber auch fünf Minuten zu spät“, sagt Hermann Levers schmunzelnd. Und wenn das Seil für die Glocke gerissen war, mussten die Kinder durch eine Luke im Dach der Kapelle kriechen, um es wieder zu reparieren. „Die täglichen Aufgaben waren schon lästig, vor allem weil unsere Eltern ja noch die Landwirtschaft hatten“, sagt Hermann Levers, der sechs Geschwister hat.

Nachbarn zogen Kanzel mit Bollerwagen zur Wiese

An die jährliche Apfelprozession am Sonntag nach dem 15. August erinnert er sich aber gerne zurück. „Am Tag vorher mussten wir den Weg sauber machen und mit Fahnen schmücken“, sagt Hermann Levers. Dann haben die Nachbarn gemeinsam den Predigtstuhl, der im Jahr 1715 vom Vredener Altarmacher Gorit Elsbecke angefertigt wurde, zur Kapelle gebracht. „Der stand das ganze Jahr über bei uns in der Scheune.“ Eine Ecke war dafür extra mit Türen verschlossen.

Heilige Aufgabe für eine Linde

Früher wurde an der alten Linde zur Apfelprozession im August der Predigtstuhl angebracht. Foto: Victoria Thünte

Gemeinsam stellten die Nachbarn die Kanzel auf einen Bollerwagen und zogen ihn quer über die Wiese zur Kapelle. Die Bundesstraße, die die Grundstücke heute trennt, gab es damals noch nicht. „Dann wurde der Predigtstuhl an den Baum gestellt und an den Haken in der Rinde festgemacht. Die Haken waren im Laufe des Jahres immer eingewachsen, sodass wir sie erst freischlagen mussten“, erzählt Hermann Levers. Die Prozession führte von der St.-Georg-Kirche bis zur Kapelle Maria Brunn. Dort stellte sich der Pfarrer auf die Kanzel und predigte. Danach gab es in der Vikarie Kaffee und Kuchen für die Geistlichen. Die Bürger aßen mitgebrachte Sommeräpfel. Heute ist von der Apfelprozession nur noch eine Andacht übrig. Die Kanzel wird in der Kapelle aufbewahrt.

Baum war schon damals sehr knorrig

Doch auch an anderen Tagen war der Baum für Hermann Levers spannend. Denn schon damals war er sehr knorrig. „Er war hohl, man konnte unten reinkriechen und oben wieder raus. Aber das war schon sehr eng“, erinnert sich der Vredener. Die Kinder sind außerdem immer auf den Baum geklettert. „Hoch ging es gut, aber runter war schwierig“, sagt Hermann Levers und lacht. Heute wohnt er nicht mehr in der Vikarie. Doch wenn er in der Nähe ist, hält er an und besucht die Kapelle und den Baum.

Heilige Aufgabe für eine Linde

In der knorrigen Rinde des Baumes sieht Annegret Levers Maria und Josef. Foto: Victoria Thünte

Auch für seine Frau Annegret Levers ist die Linde etwas ganz Besonderes. „Sie ist wunderschön. Ich sehe in den knorrigen Stellen Maria und Josef, und die Kugeln sind ganz viele Kinder. Unten ist sogar eine kleine Krippe“, sagt sie. Doch nicht nur der Baum fasziniert sie, auch die Geschichte der Kapelle und der Vikarie ist für sie „total spannend“. Spontan kann sie die wichtigsten Fakten nennen: Die Kapelle wurde 1697 von Johann Bernhard Abbing gestiftet. Er wollte eine Vikarie gründen und kaufte das Haus in der Nähe der Kapelle, um den Unterhalt des Vikars zu sichern. Doch die Vikarie wurde erst vier Jahre nach seinem Tod, im Jahr 1714, bestätigt. Später kaufte Familie Levers das Haus und das Grundstück, um an das alte Gebäude anzubauen.

Wie lange die Linde schon steht, wissen Hermann und Annegret Levers nicht. Sie haben sich in der Familie und bei Nachbarn umgehört. Alle sind der Meinung: Der Baum ist vermutlich so alt wie die Kapelle. Also rund 300 Jahre.

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