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Ruhe an Silvester gestört

Karbid-Knallen schreckt Vögel im Zwillbrocker Venn auf

ZWILLBROCK Raketen und Böller wurden an Silvester im Naturschutzgebiet Zwillbrocker Venn zwar nicht gezündet, laut war es aber trotzdem.

Karbid-Knallen schreckt Vögel im Zwillbrocker Venn auf

Vor allem Enten und Gänse überwintern im Zwillbrocker Venn. Der Krach vom Karbid-Schießen aus den Niederlanden hat sie ganz schön aufgeschreckt. Foto: Foto: Hubert Stroetmann

Es ist Sonntag. Der See liegt ruhig da, auf dem Wasser sitzen Enten und Gänse. Sie suchen nach Futter oder schlafen mit dem Kopf unter die Flügel gesteckt. Doch die Ruhe wird jäh durchgebrochen. Es knallt. Sehr laut. Immer wieder. Solche Szenen haben sich an Silvester im Zwillbrocker Venn abgespielt. Zu hören war wohl vor allem das Karbid-Knallen aus den Niederlanden. Und das schon morgens und nachmittags.

Wie laut es im Zwillbrocker Venn an Silvester tatsächlich war, kann Dr. Dietmar Ikemeyer, Geschäftsführer der Biologischen Station in Zwillbrock, nicht beurteilen. Die Station war über die Feiertage nämlich nicht besetzt. Unmittelbare Anwohner, die die Tiere mit einem Feuerwerk stören könnten, gibt es seinen Angaben nach aber nicht. Und das Zünden von Böllern in Naturschutzgebieten sei „total verboten“, so Ikemeyer. Laut Spaziergängern hat es aber dennoch regelmäßig geknallt. Der Lärm kam wohl aus den Niederlanden, wo an Silvester traditionell Karbid angezündet und so ein extrem lauter Knall erzeugt wird.

„Mittelbarer Stress“

Für die Tiere, die den Winter in dem Naturschutzgebiet verbringen, bedeutet das Stress. Dietmar Ikemeyer sagt: „Den Tieren entsteht kein unmittelbarer Schaden. Es fällt kein Vogel tot vom Himmel. Aber das Knallen bedeutet einen mittelbaren Stress.“ Vögel, die auf dem See schlafen, werden durch das Knallen aufgeschreckt. Schwärmeweise steigen sie dann in die Luft. „Die Gans oder die Ente landet danach aber ja nicht wieder direkt, sondern fliegt erstmal eine Runde und setzt sich dann wieder hin. Das bedeutet auch einen Energieverlust“, sagt Dietmar Ikemeyer.
Vor allem Enten und Gänse sind zu dieser Jahreszeit im Venn anzutreffen. Tiere, die Winterschlaf halten und durch den Lärm aufgeschreckt worden sein können, gibt es in dieser Region eher nicht, so Ikemeyer.

Für alle Tiere ungewohnt

Aber auch für Pferde, Kühe oder Schweine ist die Silvester-Nacht stressig. „Für alle Tiere ist der Lärm ungewohnt und nicht schön. Das ist definitiv eine Belastung, weil das Tier das Geräusch nicht kennt“, sagt Thomas Siehoff, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbands Ellewick-Crosewick-Zwillbrock. Normale Raketen seien aber nicht das Problem, „außer man zündet 30 Raketen direkt neben dem Stall, aber so blöd ist ja niemand“. Das Karbid-Knallen komme aber auch in den Vredener Ortsteilen vereinzelt vor. „Einige Jungs aus meiner Nachbarschaft wollten das machen, haben mich aber vorher gefragt, ob das für mich in Ordnung ist“, sagt der Landwirt. In diesem Jahr hatte er kein Problem damit. Wenn bei seinen Schweinen aber zum Beispiel gerade eine Geburt anstehen würde, fände er das Knallen nicht so lustig. Durch den Lärm werde bei den Tieren nämlich Adrenalin ausgeschüttet. Das Hormon bekämpft das Hormon Oxytozin, das für die Wehen verantwortlich ist. Wenn zu viel Adrenalin ausgeschüttet wird, setzen also die Wehen aus.

Von besonderen Vorkommnissen in diesem Jahr weiß Thomas Siehoff nichts. Auch Dietmar Ikemeyer von der Biologischen Station hat nichts Außergewöhnliches bemerkt, als er am Dienstag wieder zur Arbeit erschienen ist. Den Tieren im Zwillbrocker Venn sei von dem Silvester-Stress zumindest nichts mehr anzumerken. „Selbst wenn die Tiere durch irgendwas aufgeschreckt werden – kurz danach wirkt meist alles wieder normal.“

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