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Kirmes-Wirte schlagen Kompromiss im Becher-Streit vor

Wirte lehnen Plastikbecher auf der Vredener Kirmes ab

Die Kirmes-Wirte haben sich am Montag erstmals zum Thema Einwegbecher geäußert. In einer Stellungnahme sprechen sie sich gegen Plastikbecher aus und schlagen einen Kompromiss vor.

Vreden

von Victoria Thünte

, 18.06.2018
Kirmes-Wirte schlagen Kompromiss im Becher-Streit vor

André Cohaus (r.) und Ulf Dingslaken präsentieren die Einwegbecher aus dem biologisch abbaubarem Material PLA. © Victoria Thünte

Einwegbecher oder Mehrwegbecher auf der Kirmes? Das ist die Frage, die seit einigen Wochen heiß diskutiert wird. Jetzt schlagen die Wirte einen Kompromiss vor.

Wie sieht der Vorschlag der Wirte aus?

André Cohaus (Zum Dicken Jupp) schreibt als Sprecher der Wirte: „Aus unserer Sicht ist es das sinnvollste, das Mehrwegsystem ohne Pfand beizubehalten.“ Es soll jedoch eine Ausnahme geben. Am Samstagabend ab 20 Uhr wollen die Wirte gerne Einwegbecher nutzen – allerdings sollen die Becher nicht aus Plastik sein, sondern aus einem biologisch abbaubarem Material.

Was ist das für ein Material?

Die durchsichtigen Becher bestehen aus Maisstärke und Zuckerrohr. Das Material, aus dem die sogenannten Bio-Based-Becher gemacht sind heißt PLA. Er wird aus der Stärke des Maiskorns gewonnen, kann kompostiert werden und zerfällt laut Hersteller innerhalb von 60 Tagen in seine natürlichen Bestandteile. Die Becher sind nicht so weich wie herkömmliche Plastikbecher. Die Wirte haben sich für eine Variante entschieden, die im unteren Teil einen verstärkten Ring hat, um ihn besser halten und transportieren zu können. „Wir haben uns vom Hersteller zertifizieren lassen, dass der Becher biologisch abbaubar ist, und haben uns bei den Entsorgungsunternehmen erkundigt, wie die Becher verwertet werden“, sagt André Cohaus. Nach seinen Angaben werden die Becher wie der gesamte Vredener Müll nach Gescher gebracht. Dort wird der Müll zunächst gegoren, bis sich die biologisch abbaubaren Bestandteile aufgelöst haben, und dann verbrannt.

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Warum ist denn überhaupt eine Ausnahme am Samstagabend notwendig?

Die Wirte sind der Meinung, dass sich damit Plastikmüll vermeiden lässt. Was sich zunächst nach einem Widerspruch anhört, rechnen sie in ihrer Stellungnahme vor. Ein Einwegbecher wiegt 6 Gramm. Der Mehrwegbecher hingegen wiegt 41 Gramm und beinhaltet demnach 6,5 mal so viel Plastik wie ein Einwegbecher. „Gerade am Samstagabend werden die Mehrwegbecher aber wie Einwegbecher behandelt und sehr oft mutwillig zertreten“, berichtet Ulf Dingslaken (Haus Terrahe). Genaue Zahlen, wie viele Mehrwegbecher in den vergangenen Jahren zerstört wurden, können die Wirte nicht nennen. Ulf Dingslaken sagt jedoch, bei ihm sei es rund jeder vierte Becher, der nicht zurückkommt, André Cohaus spricht von einem Verlust von rund 60 Prozent am Samstagabend. Statt also am Samstagabend Mehrwegbecher zu nutzen, die zerstört werden und im Müll landen, sollen biologisch abbaubare Einwegbecher genutzt werden.

Kirmes-Wirte schlagen Kompromiss im Becher-Streit vor

Links der Plastikbecher aus dem vergangenen Jahr, in der Mitte der Mehrwegbecher und rechts der biologisch abbaubare Einwegbecher. © Victoria Thünte

Wäre dann nicht auch ein Pfandsystem eine Lösung?

Nein, sagen die Wirte. „Das wäre sehr schwer umzusetzen, vor allem am Samstag, wenn es extrem voll ist“, meint Ulf Dingslaken. Vor rund 15 Jahren habe es mal ein Pfandsystem auf der Kirmes gegeben, so André Cohaus. „Das stieß auf sehr viel Unmut in der Bevölkerung.“ Die Wirte hätten keine Zeit, Becher entgegen zu nehmen und Pfand auszuzahlen, und die Besucher hätten keine Lust, jeden Becher zurückzubringen. Einsammeln dürften die Wirte die Pfandbecher nicht, da ja jemand dafür Pfand bezahlt hat. Aber An-dré Cohaus sagt auch: „Wenn unser Vorschlag nicht klappt, dann ist Pfand die einzige Alternative.“

Die Wirte waren doch eigentlich aus hygienischen Gründen gegen Mehrwegbecher. Warum jetzt nicht mehr?

„Natürlich, ein Einwegbecher ist immer die hygienischste Lösung“, sagt Ulf Dingslaken. Auf der Kirmes, wie auch bei Schützenfesten und anderen Veranstaltungen, gebe es nun einmal keine Glasspülmaschine wie im Lokal. Dort kommen lediglich Reinigungstabs zum Einsatz. Aber: „Am Samstagnachmittag, Sonntag und Montag sind wir durchaus in der Lage, gründlich zu spülen“, sagt André Cohaus. Denn dann sei der Andrang nicht so groß wie am Samstagabend.

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Warum haben sich die Wirte in der Diskussion bislang zurückgehalten?

„Wir haben viele Gespräche geführt, untereinander und mit dem Ordnungsamt. Wir wollten keinen Schnellschuss, wir wollten erst an die Öffentlichkeit gehen, wenn wir eine Lösung haben“, so André Cohaus. Die öffentliche Kritik habe durchaus auch dazu beigetragen, sich gegen Einwegbecher an allen drei Tagen zu entscheiden. Doch Cohaus sagt auch, dass die Wirte schon bei Antragsstellung in diesem Jahr nach Alternativen zu Plastikbechern gesucht haben. Der ursprüngliche Plan sei gewesen, biologisch abbaubare Einwegbecher an allen drei Tagen zu nutzen. In der Stellungnahme heißt es: „Der dreitägige Einsatz von Einwegbechern aus normalem Plastik wird von allen Wirten einhellig abgelehnt.“

Ist der Kompromiss schon beschlossene Sache?

Nein. Die Wirte haben ihren Vorschlag an die Verwaltung geschickt. Das Thema steht in der kommenden Ratssitzung am 4. Juli, 18 Uhr, auf der Tagesordnung. Die UWG hatte beantragt, den Ratsbeschluss für den Einwegbecher aufzuheben. Die CDU hatte daraufhin angekündigt, ihre Zustimmung zu dem dreitägigen Test zurückzunehmen. Jetzt wollen die Wirte mit ihrem Kompromiss-Vorschlag die Ratsmitglieder überzeugen.