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Wagyu-Rinder aus Wennewick

Ungewöhnliches Hobby auf Vredener Bauernhof

Vreden Im Stall steht ein stattlicher schwarzer Bulle. Er ist von anderen Rindern seiner Art umgeben, den Wagyus. Das sind Edelrinder, sie kommen ursprünglich aus Japan. Aber auch aus Wennewick. Und das ist eine lange Geschichte.

Ungewöhnliches Hobby auf Vredener Bauernhof

Walter ist schon eine Wucht! Der Bulle war der erste Wagyu auf dem Hof Bengfort und ein voller Zuchterfolg! Foto: Madlen Gerick

Ganze 1100 Kilo bringt Walter auf die Waage. Doch der Blick in seinen braunen Augen verrät sein sanftes Gemüt. Im Moment ist er der einzige Wagyu-Bulle auf dem Hof Bengfort in Wennewick. Entstanden ist das Tier aus einem 750 Euro teuren Embryo, der, zusammen mit drei anderen Embryos, in eine „normale“ Milchkuh eingesetzt wurde. Da die Leihmutter nicht ins Genmaterial eingreift, findet auch keine Kreuzung statt. So wird dann nach neun Monaten ein Wagyukalb geboren. Allerdings bedarf es dazu eine große Portion Glück. Denn nur aus 55 Prozent der eingefrorenen Embryos entsteht am Ende auch neues Leben, erzählen Hubert Bengfort und Ralf Bennink.

Warum tun sich die Stammtischkollegen dieses kostspielige Hobby dann an? Ralf Bennink erklärt, wie es dazu kam: „Vor zwölf Jahren haben meine Frau und ich auf Sylt geheiratet und sind deswegen in einem noblen Restaurant essen gegangen. Dort habe ich zum ersten Mal Wagyu-Fleisch probiert und war begeistert. Noch an dem Abend hab ich gesagt: ,Die Viecher will ich auch haben!‘“. Also hat er Hubert Bengfort von der Idee erzählt. „Das ist mal etwas ganz anderes als der normale Milchviehbetrieb“, begründet der Landwirt seine Begeisterung für die Wagyu-Zucht.

Langwieriger Prozess

Nachdem die ersten Vorbereitungen getroffen waren, gründeten die Männer im Jahr 2012 die Wagyu GbR. „Man muss schon einen langen Atem dafür haben“, sagt Ralf Bennink. Denn nicht nur die Überlebensrate der Em-bryos ist gering, sondern auch der Aufbau eines Wagyu-Marktes in der hiesigen Region ist nicht einfach. Schließlich muss das Angebot an die Nachfrage angepasst werden. Deswegen haben die beiden Männer bisher auch nur 15 Waygus. Die restlichen 20 eingefrorenen Embryos werden nach und nach in die Leihmütter eingesetzt, sodass im zwei Monats- Takt immer wieder ein Tier schlachtreif ist. Da kein Metzger Platz hat, das geschlachtete Rind drei bis vier Wochen lang hängen und lufttrocknen zu lassen, haben sich Hubert Bengfort und Ralf Bennink ein eigenes Kühlhaus zugelegt. Denn nur durch den langen Prozess des „Dry Aging“ bekomme das Fleisch seinen einzigartigen Geschmack.

Ungewöhnliches Hobby auf Vredener Bauernhof

Walter ist schon eine Wucht! Der Bulle war der erste Wagyu auf dem Hof Bengfort und ein voller Zuchterfolg. Foto: Madlen Gerick

Und nicht allein der Reifeprozess macht das Wagyu-Fleisch so besonders. Auch die Aufzucht der Rinder hat es in sich. So dürfen die Wagyus, sobald sie aus dem Kalbsalter raus sind, erst einmal nur noch in Maßen gefüttert werden. Denn in ihrer vergleichsweise langen Lebenszeit von drei Jahren, sollen die Rinder langsam wachsen und nach und nach an Gewicht zulegen. Dies sei wichtig, damit die Fleischfasern feiner werden und das Fleisch eine schöne Marmorierung bekommt, erklären die Hobbyzüchter. „Die vielen ungesättigten Fettsäuren machen das Wagyu-Fleisch zum gesündesten Rindfleisch der Welt“, ist sich Ralf Bennink sicher.

Wertvolles Fleisch

Zugleich ist das Fleisch auch eines der teuersten der Welt. Ein Kilogramm Filet koste üblicherweise um die 250 Euro. „Es ist schon ein anderes Gefühl, wenn man so wertvolle Tiere auf dem Hof hat“, sagt Hubert Bengfort. Er erzählt, dass seine Frau Silke Bengfort und er mehrmals in der Nacht aufgestanden seien als eines der Wagyu-Kälber krank war. Dem Rind wurde dann Joghurt verabreicht, um dessen Darmflora zu beruhigen. Auch sonst genießen die Tiere viel Aufmerksamkeit von Seiten der Züchter. Und vom Frühling bis zum Herbst genießen sie ganztägig die Weite der Weide an der Berkel-aue. So haben sie sich auch ihren Namen „Berkelauen Wagyus“ verdient.

Für die Öffentlichkeit

Um den Menschen in der Region das Wagyu-Fleisch schmackhaft zu machen, veranstalten Hubert Bengfort und Ralf Bennink Ende April einen großen Galabend auf dem Hof Bengfort. Dabei bereiten zwei Vredener Restaurants, ein Partyservice, der Düsseldorfer Koch Norman Wegener und ein holländischer „BBQ-koning“ das Wagyu-Fleisch in verschiedenen Formen vor. „Uns ist wichtig, dass die Leute merken, dass man auch aus minderen Fleischstücken tolle Sachen machen kann. Es muss nicht immer das Steak sein“, erklärt Ralf Bennink. Deswegen wird es bei dem Fest zwar auch das Wagyu Steak, aber ebenso eine Wagyu-Bratwurst oder Burger-Pattys geben. Die Karten für den Galaabend waren schon nach wenigen Tagen vergriffen, aber allen anderen Interessierten bleibt noch der Tag des offen Hofes am 19. April. Dann wird neben der Wagyu-Zucht auch die konventionelle Milchviehhaltung vorgestellt.

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