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Armut und Glitzerfassaden

WERNE Eine Woche Sibirien. Ein Abenteuer der ganz besonderen Art für Vater und Sohn. Nicht nur Wildnis pur. Die beiden waren auch noch mit dem Motorrad, einer Ural, unterwegs. Mit einer Ural durch den Ural also.

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Armut und Glitzerfassaden

Christopher Schleep am Ural-Werk vor der Abfahrt.

"Zähne putzen und waschen im Fluss, für ,das andere´ geht man 200 Meter in den Wald hinein – das ist schon ziemlich gewöhnungsbedürftig, aber es war eine ganz tolle Sache.“ Schwärmerisch schauen sich Olaf und Christopher Schleep die Fotos an, geschossen während einer einwöchigen Tour durch Sibirien – mit einem geradezu martialischen Motorrad namens „Ural“, russische Produktion, mit Seitenwagenantrieb.

Mücken-Attacke

 „Da sitzen wir im Morast fest. War aber kein großes Problem. Da tauschen wir gerade ein Differenzial aus. Hat nur eine Stunde gedauert. Da zelten wir am Fluss. Tagsüber Super-Wetter, abends sind die Mücken über uns hergefallen.“ Wenn Olaf Schleep die Bilder beschreibt, ist die Begeisterung noch zu spüren. „Sibirien – das ist Weite, das sind wunderschöne Landschaften, das sind unheimlich gastfreundliche Menschen . . .“, widerspricht der Langerner allen Vorstellungen von einer äußerst unwirtlichen Region.

Motorrad-Woodstock

Am ersten Tag ihrer Ural-Sibirien-Tour besuchen der Apotheker und sein elfjähriger Sohn in der Stadt Irbit das „Ural“-Werk. „Wir kamen uns vor wie in einem technischen Museum. Nicht zu vergleichen mit einem deutschen Werk und völlig unwirtschaftlich. Bis zu 2500 Gespanne werden da von Hand zusammengeschraubt, früher waren es mal bis zu 120 000“, weiß Olaf Schleep. Der erste Höhepunkt: Ein Meeting mit fast 4000 Ural-Fahrern beim „Motorrad Woodstock“.

 „In einem Corso ging´s unter Polizeischutz durch die Stadt, Verkehrsregeln galten nicht mehr, die Leute standen Spalier – so etwas habe ich noch nicht erlebt“. Und das Beste: Christopher und Olaf Schleep durften mit ihrer geliehenen „Ural“ vorneweg fahren: „Weil wir aus Westeuropa kommen und darum als Exoten gelten.“ Am nächsten Tag wird´s ernst: Ab in die Wildnis, Vater, Sohn und 13 andere Gespanne. „Die ersten zwei Tage hatten wir jede Menge Pannen. Die Maschinen waren wohl doch nicht, wie versprochen, gewartet worden“, vermutet Schleep, „nachdem aber alle möglichen Teile ausgetauscht waren, liefen sie wie am Schnürchen.“

Geländeritte

Zwischen den „Geländeritten“ gibt´s Gelegenheit zu Besichtigungen: der schiefe Turm von Nevianst, die Grenze zwischen Europa und Asien beispielsweise. Und immer wieder – nicht nur landschaftliche – Gegensätze. „In den Dörfern sind die Menschen bettelarm, haben uns aber in ihr Haus und sogar zum Essen eingeladen. Schlimm: Viele Männer greifen aus Verzweiflung schon morgens zur Wodka-Flasche“, erzählt Olaf Schleep – ganz anders die Großstadt Ekaterinburg: „Glitzerfassaden, Nobelkarossen. Das ist schon ein extremes Kontrastprogramm.“ Trotzdem oder deshalb: Die Tour mit der Ural soll nicht der letzte Besuch Sibiriens gewesen sein. 

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