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Das Dilemma der Zuschauer

WERNE/UNNA Warum schauen Passanten weg, wenn jemand öffentlich verprügelt wird? Diplom-Psychologe Joachim Rüttimann (Foto), Leiter der psychologischen Beratungsstelle des Kreises Unna, versucht das Zuschauer-Verhalten zu erklären. Mit ihm sprach gestern Dennis Werner.

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Das Dilemma der Zuschauer

Diplom-Psychologe Joachim Rüttimann, Leiter der Psychologischen Beratungsstelle des Kreises Unna.

Herr Rüttimann, wenn Menschen beobachten, wie andere verprügelt werden, warum helfen sie dann nicht?

Rüttimann: Zum Teil neigen Menschen dazu, die eigene Verantwortung schnell abzugeben. Man guckt dann einfach zum anderen. Außerdem haben die Zuschauer Sorge, selbst in die Sache verwickelt zu werden – einmal in den Tathergang selber oder hinterher, wenn die Sache zur Sprache kommt, etwa vor Gericht.

Was denken Menschen in einer Situation, in der sie zum Zuschauer werden?

Rüttimann: Eine gewisse Sensationslust kann eine Rolle spielen. Außerdem – vor allem bei Jugendlichen, die häufig Computer-Rollenspiele spielen – kann es sein, dass sie die Fähigkeit verloren haben, sich in andere hineinzuversetzen. Sobald man anfängt, sich in die Situation des Opfers zu versetzen, entsteht eine eigene Betroffenheit.

Wie geht es dem Opfer, wenn ihm Hilfe verweigert wird?

Rüttimann: Dem geht es besonders schlecht. Es ist sozusagen ein doppeltes Opfer. Es hat die Erfahrung gemacht verprügelt zu werden, und dass in einer Notsituation niemand hilft. Aber auch dem Zuschauer geht es nicht gut. Er hat ein schlechtes Gewissen, kann aber nicht eingreifen, obwohl er vielleicht will.

Was kann ein Opfer also tun, damit ihm geholfen wird?

Rüttimann: Es muss die Zuschauer direkt ansprechen, damit bei ihnen eine eigene Betroffenheit entsteht.

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