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Drachen stürmten sein Herz

WERNE Jede Ecke, jeder Winkel seines Wohnhauses verrät sein größtes Hobby: Das Drachenfliegen mit Windvögeln aus aller Herren Länder.

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Winfried Bösels ganzer Stolz: der malaysische Drache Wau Bulan.

Nicht ohne einen Sticker mit nach Hause zu nehmen, verlässt Winfried Bösel das Drachenfestival.

"Schauen Sie, das ist mein ganzer Stolz". Winfried Bösel zeigt auf "Wau Bulan", der Kampfdrache aus Malaysia, der liegende Halbmond aus vielen kleinen Washis (geschöpftes Papier) zusammengeklebt und bemalt. "Dafür könnte man mir über 10 000 Euro bieten, den gebe ich nicht her".

Baujahr 1934

Der Drache ist genauso alt wie Bösel: 1934 von Morso-bin-Saad gebaut und vom Sultan Rerahn geflogen. Alle Daten wie Baujahr, Eigentümer, Reparaturen und vieles mehr halten die Asiaten im Drachenbuch fest. In Asien eine Heiligkeit: "Ich wollte einem Asiaten einen Drachen abkaufen. Da drehte er sich um und ging weg". Danach erfuhr der Werner Drachenfreund, dieser Versuch sei eine Beleidigung. "Ich ging zurück und entschuldigte mich".         Über 40 Drachen in allen Größen von 10 Zentimeter bis 20 Meter, in allen Materialien (Papier, Seide, Spinnakernylon) und mit unterschiedlichsten Schnurstärken (von 20 bis 200 Kilogramm) aus mehr als neun Nationen führt der ehemalige Maler in seiner Sammlung. Der Drachen-Drachen aus Bali, die farbenfrohen Schmetterlings- und Märchendrachen aus China, die von Kinderhand gefertigten Drachen aus den Philippinen, die Kampfdrachen Patangs aus Indonesien, der Suruga aus Japan mit seinen beiden Gesichtern, von der einen Seite grimmig, von der andern Seite lachend, die Patangs aus Indien. Ins Auge sticht der Friedensdrache in Azurblau: "Make love not war". Auch Bösel möchte mit seinem Drachen Frieden in die Welt bringen und ließ ihn schon aus verschiedensten Ländern fliegen. Nach dem Vorbild eines Amerikaners, der zur Friedensstiftung auf den Berg Sinai ging und seinen "Eagle of Paradox" in die Welt sandte.

Hierbei fällt Bösel die Geschichte aus seiner Kindheit ein, die sein ganzes Heimatdorf Rünthe in Schrecken versetzte.

"Es war Kriegsende, die Bomber flogen über den Himmel und ich ließ in aller Seelenruhe meinen Falter steigen", erzählt der heute 74-Jährige die Geschichte mit dem Dorfpolizisten, der ganz aufgeregt zu seinem Opa rannte und schrie. "Runter mit dem Windvogel, der irritiert unsere Jagdflieger". Begradigt wurde die Angelegenheit anschließend bei einer Flasche Schnaps.

Seine Leidenschaft für den Drachensport entbrannte schon in seiner frühesten Kindheit. Die ersten Falter baute der damals Zehnjährige aus dem Papier alter Zuckertüten, als Schnur diente die Kordel, mit der die Kornsäcke zugebunden waren.

Eagle-Team

Seine Begeisterung sprang auch zu den Söhnen über. "Wir nannten uns das Eagle-Team", sagt der Vater von vier Söhnen, heute Mitglied im Drachenclub "Drachenfreunde Wild-Wings in Dortmund-Lindenhorst" und immer noch Feuer und Flamme für das älteste Hobby der Welt. Seine Sammlung nimmt weiter zu. Von weither bringen Freunde kostbare Exemplare mit.

Ehemalige Kommilitonen seiner philippinischen Frau machten ihm ein ganz besonderes Geschenk: "Der chinesische Tausendfüßler, Cenipede mit Drachenkopf und Hühnerfeder. Viel zu schade, ihn fliegen zu lassen. So steht er zumeist zu Dekorationszwecken im Regal".

  

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Winfried Bösels ganzer Stolz: der malaysische Drache Wau Bulan.

Nicht ohne einen Sticker mit nach Hause zu nehmen, verlässt Winfried Bösel das Drachenfestival.

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