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Syrische Familie wiedervereint

Flüchtling Ahmad Ghanoum holt endlich seine Familie nach

Werne Ahmad Ghanoum aus Syrien lebt seit Juli 2016 in Werne und hat hier vor allem über den Sport Fuß gefasst. Doch richtig glücklich war der Flüchtling nie, denn seine Familie war weit weg. Das hat sich nun geändert.

Flüchtling Ahmad Ghanoum holt endlich seine Familie nach

Die Familie Ghanoum genießt die gemeinsame Zeit (v.l.): Jawad Eddin, Alaa Eddin, Ahmad, Zena, Seham und Ghaith. wellerdiek Foto: Andrea Wellerdiek

Als sich die Tür am Flughafen öffnet, läuft die kleine Zena so schnell sie kann, bis sie endlich in den Armen ihres Vaters liegt. Fünf Jahre ist es her, dass das Mädchen seinen Vater Ahmad Ghanoum das letzte Mal leibhaftig gesehen hat.

Zena war erst drei Jahre alt, als sie mit ihren drei Brüdern und ihrer Mutter vor dem Bürgerkrieg in Syrien flüchtete. In Jordanien fanden sie eine neue Heimat. Vorübergehend. Denn die Familie war nicht vollständig.

Über die Balkanroute nach Deutschland gekommen

Vater Ahmad Ghanoum blieb zurück in der Nähe der syrischen Hauptstadt Damaskus, um sich um seine Eltern zu kümmern. Dann macht er sich Ende 2015 selbst über die Balkanroute auf, um nach Deutschland zu kommen. 2000 Euro für die Schlepper und einen 15-tägigen Marsch zu Fuß bringen ihn schließlich nach München und kurz darauf nach Thüringen.

Seit Juli 2016 lebt der Syrer in Werne. In der Lippestadt fühlte er sich sofort wohl. „Es ist perfekt. Werne ist super. Hier sind alle nett“, sagt Ahmad Ghanoum. Er zieht mit seinem Neffen in eine Wohnung. Doch lange hält er es hier nicht aus. Er muss raus, kann nicht nur zu Hause sitzen.

Schiedsrichter in der 1. syrischen Liga

In Syrien hat er als Fußball-Schiedsrichter in der 1. Liga gepfiffen und als Leichtathletik-Trainer unter anderem für die Nationalmannschaft gearbeitet. Eine Arbeit finden – das ist auch in Werne ein wichtiges Ziel.

Also geht er zum Vereinsheim von Eintracht Werne, zeigt dort der Kassierin Videos auf dem Smartphone, zeigt ihr ein Spiel, das er vor 50.000 Zuschauern als Referee geleitet hat. Sie ruft daraufhin Cafer Yilmaz an. Der Schiedsrichter für die Eintracht spricht zwar türkisch und nicht arabisch, hilft Ahmad aber sofort bei den ersten Schritten in der neuen Heimat. Und er bringt Ahmad wieder an die Pfeife.

Heute vor genau einem Jahr gab Ahmad Ghanoum sein Comeback. Der 41-Jährige leitete wieder ein Ligaspiel - in der Kreisliga C. „Er könnte auch in höheren Klassen pfeifen. Aber dafür muss man Prüfungen machen.

Und da hapert es noch mit der Sprache“, sagt Yilmaz, der zu der wichtigsten Bezugsperson für Ahmad wurde. Ahmad Ghanoum arbeitet daran. Im Moment lernt er für die bald anstehende Abschlussprüfung des B2-Sprachkurses. Das ist seit Kurzem gar nicht so einfach. Denn er beschäftigt sich mit ganz anderen Dingen.

Fehlendes Datum verzögert Familiennachzug

Täglich ruft er bei der deutschen Botschaft in Jordanien an, um seine Familie nach Deutschland zu holen. Lange ohne Erfolg. Denn die Beamten haben sich an einem fehlerhaften Hochzeitsdatum von Ahmad und seiner Frau Seham gestoßen.

Erst als Ahmad seinen Cousin, der Anwalt ist, einschaltet, kommt Bewegung in die Angelegenheit. Vor zwei Wochen mündet eine jahrelange Behörden-Odyssee in Jordanien mit einem glücklichen Ende in Deutschland.

Fünf Jahre lang haben sie auf diesen Moment gewartet, zuvor haben sie täglich nur über das Internet telefoniert. Ahmad Ghanoum konnte seine Kinder nur über Skype aufwachsen sehen. Heute kann er sie spüren, riechen und einfach nur festhalten.

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