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"Hochwasser? Das sind für uns Peanuts"

WERNE "Das sind für uns doch Peanuts, da lohnt ja nicht mal ein Foto." Gelassen blickt Wilhelmine Stephan auf den Nordbach hinter ihrem Haus im Grünen Winkel. Das Gewässer ist stark angeschwollen. Ob dies gefährlich ist? "Da muss es schon dicker kommen", sagt sie aus langjähriger Erfahrung.

"Hochwasser? Das sind für uns Peanuts"

Der Nordbach im Grünen Winkel führt viel Wasser. Doch noch bleiben die Anwohner gelassen.

Für den Betrachter ist das Gewässer nach den stundenlangen Regenfällen am Dienstag gefährlich angeschwollen, fast bis zur Oberkante. Doch die 74-Jährige sieht überhaupt noch keinen Grund, die Sandsäcke herauszuholen. "Da muss es schon viel dicker kommen", sagt sie aus langjähriger Erfahrung mit einem Blick zum wolkenverhangenen Himmel. Allerdings: "Wir haben vorsichtshalber die Pumpe aus unserer biologischen Klärgrube ausgebaut", berichtet die Seniorin, "man weiß ja nie . . ."

"Dann sind 1000 Euro weg"

Der Nordbach hat die Grube schon einmal überflutet, und der Elektromotor war hin. "Dann sind 1000 Euro weg, die erstattet uns kein Mensch. Außerdem haben wir die Sachen in der Kühlkammer hoch gestellt, damit kein Wasser drankommt", sagt die rüstige Seniorin.

Seit 1953 lebt Wilhelmine Stephan in der Senke unterhalb der Brücke über dem Autobahnzubringer. Dort, wo sich Horne und Nordbach treffen. Dort, wo es seit vielen Jahren in unregelmäßigen Abständen Hochwasser-Alarm gibt. Dort, wo Wilhelmine Stephan immer wieder mit Hilfe ihrer Angehörigen und den Nachbarn ihre eigenen Schutzmaßnahmen gegen die unberechenbaren Fluten trifft. Diese wurden nach dem Bau der Autobahn, des Zubringers und des Autohofes noch unberechenbarer: Das Wasser kann auf den riesigen asphaltierten Flächen nicht mehr versickern und sucht sich andere Wege.

Hochwasser-Versicherung schier unbezahlbar

Eine Versicherung gegen Hochwasserschäden hat die Rentnerin nicht. Die sei, weil das Risiko extrem hoch sei, schier unbezahlbar.

Also versuchen Wilhelmine Stephan sowie die nebenan wohnende Tochter und der Schwiegersohn, die Schäden so gering wie möglich zuhalten, wenn das große Wasser kommt. Das gelingt nicht immer. "Im November 2002 war hier alles ein einziger See" erinnert sie sich, damals hatte es mehrere Tage ununterbrochen geregnet. Da halfen auch die Sandsäcke nicht mehr.

Am Dienstagabend hielten sich die Fluten in Grenzen. Feuerwehr und Bauhof zählten nur wenige Einsätze. Sie reinigten vor allem verstopfte Bachläufe, vor denen sich das Wasser staute.

Wie gesagt: Am Dienstag, das waren Peanuts. 

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