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Fahrschulen in Werne

Hohe Anforderungen stellen Fahrschüler vor Probleme

Werne In Nordrhein-Westfalen fallen immer mehr Schüler durch die Führerscheinprüfung. In Werne gibt es zwar keinen Negativtrend, aber eine perfide Masche, sich durch die Theorieprüfung zu mogeln.

Hohe Anforderungen stellen Fahrschüler vor Probleme

Falk Rzepka von der gleichnamigen Fahrschule kann die Durchfallquoten des Kraftfahrtbundesamtes nicht bestätigen. Wie in den anderen Fahrschulen in Werne fallen hier selten Fahrschüler durch. Doch was die Fahrlehrer beobachten, sind die höheren Anforderungen an die jungen Menschen. Foto: Andrea Wellerdiek

Mehr als jeder dritte Fahrschüler fällt in NRW durch die theoretische Prüfung. In der Praxis scheitern knapp 29 Prozent. Das sind die Ergebnisse des Kraftfahrtbundesamtes aus 2017. Weniger erschreckend sind die Durchfallquoten in den hiesigen Fahrschulen – auch wenn die Anforderungen sich geändert haben.

„Es gibt ein viel höheres Verkehrsaufkommen. Wenn ich vor zehn Jahren mit meinen Schülern auf die Autobahn gefahren bin, musste ich gucken, ob mein Schüler überhaupt ein Auto überholen kann. Heute brauche ich freitagnachmittags nicht mehr auf die volle Autobahn fahren“, erzählt Heike Brümmer, die seit 35 Jahren Fahrlehrerin ist.

Ampelsystem als Vorbereitungshilfe

Sie bereitet die Schüler mit einem Ampelsystem auf die theoretische Prüfung vor. Erst wenn die Ampel auf Grün schaltet, die Schüler wenige Fehler machen, seien sie bereit für die Prüfung, so Brümmer. Ein System, das sich bewährt – wenn sich der Schüler dran hält. „Im gesamten letzten Jahr sind zwei Schüler in der Theorie durchgefallen. Da war die Ampel aber noch auf Gelb. Sie waren erst bei 80 Prozent“, sagt Brümmer.

Bei der praktischen Prüfung habe sie in ihrer Fahrschule eine Durchfallquote von 5 bis 6 Prozent. „Bei mir machen die Schüler lieber ein paar Stunden mehr“, sagt Brümmer. Durchschnittlich nehmen die Schüler 30 bis 40 Fahrten, ehe sie sich für die Prüfung anmelden.

Von niedrigen Durchfallquoten berichtet auch Tobias Niedrich, Inhaber der gleichnamigen Fahrschule. Acht von zehn Schülern bestehen hier in der Regel die praktische Prüfung. Die Ansicht des Bundesverkehrsministeriums, dass mehr Schüler durch die Theorie rasseln aufgrund fehlender Deutschkenntnisse, kann er nicht teilen.

Flensburg/Düsseldorf. Immer mehr Fahrschüler scheitern an den Führerscheinprüfungen. Bei mehr als jeder dritten Theorieprüfung sind die Prüflinge im Jahr 2017 durchgefallen, das geht aus Zahlen des Kraftfahrtbundesamtes für Nordrhein-Westfalen hervor. Das entspricht auch dem bundesweiten Trend. Die Durchfallquote bei den theoretischen Prüfungen in NRW ist demnach auf alle Führerscheinklassen bezogen das vierte Jahr in Folge gestiegen und lag nun bei 35,0 Prozent (2016: 32,9 Prozent). Auch bei 28,9 Prozent der Praxisprüfungen fielen die Führerscheinanwärter durch (2016: 27,1 Prozent) - ein Anstieg zum dritten Mal in Folge.mehr...

Skizzen helfen bei Sprachproblemen

Die Schüler lernen hier etwa mit einer App, die es in verschiedenen Sprachen gibt. Auch die Prüfung könne man in der Muttersprache ausführen. Wenn es Verständigungsprobleme im theoretischen Unterricht gibt, greifen die Fahrlehrer der Fahrschule Sträter auch zu Skizzen, erklärt Jan-Steffen Sträter. Auch er kann die Durchfallquoten des Kraftfahrtbundesamtes nicht bestätigen. „Im ländlichen Bereich fallen deutlich weniger Schüler durch“, sagt er. Es ist also immer auch eine Frage des Verkehrsaufkommens.

Bleibt noch die Praxisprüfung. Woran hapert es am meisten? „Rechts-vor-Links-Situationen, die durch ein verdecktes Auto missachtet werden oder dass der Schüler beim Stoppschild nicht so hält, dass alle vier Räder des Autos stehen“, sagt Tobias Niedrich.

Manchmal versagen die Nerven. „Meistens machen sie eine Fehlentscheidung. Wir sagen immer, dass wir unseren Fahrschüler kennen, aber unseren Prüfling nicht. Manchmal vergessen sie alles, was sie vorher gelernt haben“, sagt Heike Brümmer. Manchmal sei die Nervosität zu hoch. Und die Schüler seien teilweise nicht mehr so belastbar, „sie haben auch viel in der Schule zu tun. Da liegen die Nerven oft blank“.

Ablenkung und Täuschungsversuch

Ähnliches berichtet Fahrlehrer Falk Rzepka: „Das ist schon sehr viel, was auf die Jugendlichen einprasselt. Sie sind nicht nur auf eine Sache fokussiert, sondern haben viele Schauplätze. Da ist es klar, dass irgendetwas auf der Strecke bleibt. Es ist nicht so, dass sie es nicht können, aber sie können es nicht abrufen.“

Vor ganz anderen Herausforderungen würden hingegen ausländische Fahrschüler stehen. „In ihren Herkunftsländern sind sie ganz anders gefahren. Da gibt es manchmal nur Vollgas und Bremse. Das Spielen mit Motor und Drehzahl findet gar nicht statt“, erklärt Rzepka. Hierzulande müssten sie lernen, dass es Verkehrsregeln gibt.

Wer schon einen ausländischen Führerschein besitzt, muss ihn in Deutschland umschreiben lassen und eine Theorie- und Praxisprüfung ablegen. Die teils fehlenden Sprachkenntnisse nutzen Kriminelle in der theoretischen Prüfung aus. Die Prüflinge werden mit Mini-Kameras ausgestattet. Von draußen sagt ein Helfer die Antworten vor. Und das lässt er sich teuer bezahlen, von 1500 Euro hat Falk Rzepka gehört. Am vergangenen Mittwoch sei diese perfide Masche auch im Prüfungsraum in Werne aufgeflogen.

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