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Reaktionen auf Schlägereien an Rosenmontag

Kein schulfrei mehr an Karneval?

Werne Nach den heftigen Schlägereien an Rosenmontag denken Verwaltung, Streetwork und die Interessengemeinschaft Werner Karneval (IWK) über Konsequenzen nach. Die könnten unter anderem die Schüler treffen.

Kein schulfrei mehr an Karneval?

Der massive Einsatz von Sicherheitskräften hat laut Ordnungsamt am Rosenmontag Schlimmeres verhindert. Auch wenn der Gesamtcharakter nicht schlecht geredet werden soll, denken alle Beteiligten über Konsequenzen nach. Foto: Jörg Heckenkamp

Laut Kordula Mertens vom Werner Ordnungsamt waren sich alle Beteiligten in der Nachbesprechung am Donnerstag einig: „Die Veranstaltung war generell ein Erfolg, der Rosenmontagszug war gelungen und unser Sicherheitskonzept mit dem Glasverbot und den Straßensperren ist aufgegangen.“ Allerdings räumte sie im Gespräch mit unserer Redaktion ein: „Nach dem offiziellen Ende des Zuges kam es ab 17.30 Uhr zu Problemen in der Innenstadt.“

Zug „generell gelungen“

Wie berichtet forderte die Polizei gut 30 Kräfte nach, nachdem es zu Schlägereien auf dem Marktplatz gekommen war. „Auch im Bereich des Horne-Centers und am Bült kam es zu Auseinandersetzungen.“ Der massive Einsatz von Sicherheitskräften habe Schlimmeres verhindert. „In den vergangenen Jahren ist es ruhig geblieben. Wir wollen nicht, dass der Rosenmontagszug nun durch diese Aktion in Verruf gerät“, so Mertens.

Gleichzeitig müsse man der Realität ins Auge sehen: „Vor allem Jugendliche sind bereits vormittags mit Alkohol gestartet.“ Das gelte es nun in den Griff zu bekommen – einerseits durch praktische Ansätze wie das Absperren von „dunklen Ecken“ in der Innenstadt oder eine neue Position der Bühne auf dem Marktplatz, um den Jugendlichen dahinter keine Rückzugsmöglichkeit zu bieten.

Alkoholverkaufsverbot nicht zielführend

Andererseits sind laut Mertens „weitergehende Denkansätze“ möglich – zum Beispiel die Absage des Ausschanks auf dem Marktplatz nach Ende des Rosenmontagszuges. Ein Alkoholverkaufsverbot in der Innenstadt sieht die Ordnungsamtsmitarbeiterin nicht als zielführend: „Die bereiten sich ja schon zu Hause vor und mischen ihr Zeug.“

Ein generelles Alkoholverbot würde zumindest Rechtssicherheit auch bei jungen Erwachsenen, die sich Alkohol in Plastikflaschen besorgen, garantieren. „Aber auch da stellt sich die Frage, wo man in der Innenstadt die Grenzen zieht – und wie man das alles kontrollieren will.“

Intensivere Prävention

Eine weitere Idee: Die Schulen in Werne schaffen den Rosenmontag als beweglichen Ferientag ab. So müssten Kinder und Jugendliche vormittags die Schulbank drücken, könnten aber zum Start des Zuges um 14.11 Uhr in der Stadt sein. „Das ist in der Tat ein Gedanke, den wir auf unserer turnusmäßigen Schulleiterkonferenz am Montag besprechen wollen“, erklärt Liane Jäger vom Schulamt auf Anfrage. Man sehe da durchaus Potenzial. „Vorschreiben können wir das aber nicht. Das liegt im Ermessen der Schulkonferenz.“

Für Liane Jäger steht fest, dass Alkohol bei jüngeren Menschen immer häufiger zum Problem wird. „Davor dürfen wir die Augen nicht verschließen.“ Deshalb hätten sich Stadt, Streetwork und Schulen unabhängig vom Rosenmontag bereits auf noch intensivere Präventionsprojekte verständigt.

Unser Redakteur Daniel Claeßen kommentiert:

„Sie sind nun mal fest miteinander verbunden: Der Rosenmontagszug, bei dem alle Beteiligten viel Arbeit in ein buntes Spektakel stecken. Und das Rahmenprogramm auf dem Marktplatz, wo vor allem in diesem Jahr ein verantwortungsloser DJ die Situation unnötig angeheizt hat.

Fakt ist: Es war in den vergangenen Jahren nach dem Ende des Zuges auf dem Marktplatz einfach nicht mehr schön. Die Stimmung war albern (gut, wäre zu ertragen) bis aggressiv (unerträglich). Das Glasverbot hat immerhin dafür gesorgt, dass man nicht von einem Scherbenhaufen in den nächsten geschubst wurde. Wer aber so tut, als sei all die Jahre alles immer friedlich abgelaufen, verkennt die Realität. Leider.

Von daher sind die neuen Denkansätze zu begrüßen. Ein halber Tag Schule ist vielleicht nicht die Lösung, aber sicher eine Verbesserung. Ob neue Präventionsprojekte tatsächlich das Zielpublikum erreichen, darf aber zumindest bezweifelt werden. Vielleicht wäre es sinnvoller, die Eltern noch einmal an ihre Verantwortung zu erinnern – von wegen Erziehung. Das scheinen manche ja offensichtlich gerne mal zu vergessen.“

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