Diese Website verwendet Cookies. Cookies gewährleisten den vollen Funktionsumfang unseres Angebots, ermöglichen die Personalisierung von Inhalten und können für die Ausspielung von Werbung oder zu Analysezwecken gesetzt werden. Lesen Sie auch unsere Datenschutz-Erklärung

Manchmal eingreifen...

Werne Entscheidend mitgestaltet hat Wilhelm Lülf als Bürgermeister und Kommunalpolitiker die Entwicklung Wernes. Zu seinem 70. Geburtstag blickt er im Gespräch mit Hubert Kramer zurück, aber auch nach vorne.

/

Steht nicht mehr in der ersten Reihe - und will es auch nicht: Wilhelm Lülf, hinter dem amtierenden Bürgermeister Rainer Tappe beim Empfang der "Dachse" zu Sim-Jü. Kramer

Wilhelm Lülf: Ich wollte...

Hallo Herr Lülf, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu Ihrem runden Geburtstag. Sie sind ein aktiver Mensch, dem man kaum abnimmt, dass er sich aus der Kommunalpolitik zurückgezogen hat... 

Lülf: ...das ist aber so. Ich bin zwar noch in Gremien und Organisationen wie dem Kuratorium des Krankenhauses St. Christophorus, natürlich der CDU, dem Internationalen Club Werne und dem Heimatverein, doch stehe ich in der Kommunalpolitik seit Jahren nicht mehr in der ersten oder zweiten Reihe.

Und es juckt Ihnen nicht in den Fingern, sich hin und wieder einzumischen?

Lülf: Also, ehrlich gesagt, das stimmt schon. Gelegentlich möchte ich noch ?mal eingreifen. Ich beschränke mich aber darauf, wenn ich um Rat gefragt werde, meine Meinung zu sagen. Ich bin halt mit dem "Unternehmen Werne" eng verbunden und habe immer für die Interessen Wernes gearbeitet. Politische Ämter kommen für mich aber nicht mehr in Frage.

Ihre Verbundenheit mit Ihrer Stadt ist schon sprichwörtlich. Aber Sie gelten auch als der "europäischste Werner". Wie das? 

Lülf: Kommunalpolitik ist Europapolitik auf lokaler Ebene. Und ganz wichtig für unseres eigenes Selbstverständnis. Unsere Städtepartnerschaften müssen wir deshalb in Mittelpunkt des Handelns rücken. Nur so lernen wir die Situation der anderen kennen und können abgleichen, wo wir selbst stehen.

Wozu?

Lülf: Nehmen Sie zum Beispiel soziale Standards. Da wird in unseren Partnerstädten, speziell in Poggibonsi, eine ganze Menge privat geregelt. Das müssen wir noch lernen.

Sie waren der letzte ehrenamtliche Bürgermeister, mit einem hauptamtlichen Stadtdirektor an Ihrer Seite. Wie sehen Sie heute den Wegfall der "Doppelspitze"?

Lülf: Ganz klare Antwort: Ich habe das frühere System - zumindest für eine Kleinstadt wie Werne - immer für besser befunden. Der hauptamtliche Bürgermeister jetzt hat kraft Amtes zu viele Posten und zu viel Macht. Womit ich nichts gegen meine Nachfolger sagen will. Aber diese Entwicklung hat uns der kommunale Selbstverwaltung nicht näher gebracht, sondern eher von ihr entfernt.

Wie sehen Sie die Situation Wernes heute, sind Sie mit der Stadtentwicklung zufrieden?

Lülf: Unsere ausgemacht schöne Stadt hat sich gut weiter entwickelt, das kann man wohl sagen. Sie brauchen sich da nur das Steintor als westlichen Eingang zur Innenstadt oder den Busbahnhof sowie das Einkaufszentrum Gröblinghoff anzusehen. Um die Post herum muss jedoch noch etwas passieren, ebenso am "Hühnerhof". Und die Gewichtung der Bonenstraße muss beachtet werden.

Was stand zu Ihrer Zeit im Mittelpunkt?

Lülf: Das war natürlich die Stadtkernsanierung, die wir gut hinbekommen haben. Zu der Zeit, ich spreche jetzt von den Jahren 1967 bis 1987/1990, herrschte Aufbruchstimmung, auch was die Gewerbegiete anging. Werne war damals ein Zentrum voller Bauträume; jedoch haben wir eine Flächensanierung, wie sie in Nachbarstädten geschenen ist, verhindern können. Bei der heute anstehenden Neugestaltung der Fußgängerzone bin ich froh, dasss die Stadt praktisch nur noch das Pflaster aussuchen muss.

Sie waren einflussreicher Manager im Bergbau und Bürgermeister. Wie haben Sie das geschafft, das waren doch zwei komplette Berufe?

Lülf: Also, zum einen wollte ich das nicht anders. Schließlich haben mir sowohl Politik als auch Beruf sehr viel gegeben. Zum anderen haben mir viele Mitstreiter, vor allem meine Frau, den Rücken gestärkt. So habe ich beides gut hintereinander bekommen.

Sie sind früh in die Politik gegangen. Was raten Sie jungen Menschen angesichts grassierender Politik-Verdrossenheit?

Lülf: Ich kann jungen Frauen und Männern nur empfehlen, sich in der Politik zu engagieren und das öffentliche Leben mitzugestalten. Nehmt die Doppelbelastung von Beruf und Parlamentsarbeit auf Euch, sage ich ihnen. Das schließt sich nicht aus, sondern stählt einen fürs Leben. 

/

Steht nicht mehr in der ersten Reihe - und will es auch nicht: Wilhelm Lülf, hinter dem amtierenden Bürgermeister Rainer Tappe beim Empfang der "Dachse" zu Sim-Jü. Kramer

Wilhelm Lülf: Ich wollte...

Anzeige
Anzeige