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Tischfußball auf hohem Niveau

„Pässe im Schlaf spielen“

werne Einen Kickertisch kennt jeder. Und fast jeder hat an den kleinen Männchen schon mal gedreht. Wie es richtig geht, zeigen die Rubberducks Werne. Der Verein hat ein ungewöhnliches Vereinsheim.

„Pässe im Schlaf spielen“

Volle Konzentration herrschte bei den Vereinsmeisterschaften der Rubberducks. Foto: Dominik Gumprich

Durch die Spielothek, dann die Treppe runter in den Keller. „Hier geht‘s lang“, sagt die freundliche Spielothekenaufsicht. Die Treppen hinabgestiegen, vernimmt man schon die typischen Geräusche, die ein Kickertisch so macht. Wenn die Figuren die Kugel mit Schwung treffen, wenn die Kugel ins Tor knallt. Am Ende des Flurs gelangt man in einen gemütlichen Raum mit Sofa-Ecke, Teppichen – und fünf Kickertischen.

Unter der Spielothek am Neutor haben es sich die Mitglieder des Tischfußball-Vereins Rubberduck gemütlich gemacht. Kickern wie in der Kneipe steht hier nicht an. „Wir soccern“, sagt Oliver Michels (48), Präsident der Rubberducks. Für den Außenstehenden mag es keinen großen Unterschied zwischen „Soccern“ und „Kickern“ geben. Doch als Michels den Regelkatalog herausholt, wird klar, dass Soccern nichts mit Kickern zu tun hat. Spätestens, als sich die ersten Akteure Handschuhe anziehen, zeigt sich, wie professionell und auf welchem Niveau hier Sport betrieben wird.

Rainer Schulz gewinnt die Vereinsmeisterschaften

Mit Rainer Schulz (52) hat der Verein dann auch einen ehemaligen Mannschafts-Europameister in seinen Reihen. „Wenn Rainer richtig im Saft ist, ist er schon unser bester Spieler“, sagt Michels. Am vergangenen Samstag zeigte Schulz seine Klasse bei den Vereinsmeisterschaften der Rubberducks, an der 16 der 18 Vereinsmitglieder teilgenommen haben. Vier Disziplinen standen auf dem Programm. Durch einen Punkteschlüssel errechnete sich am Ende der Gesamtsieger – es war Rainer Schulz, der seinen Präsident als Vereinsmeister ablöste.

Während der Vereinsmeisterschaften, wenn alle Tische besetzt waren, herrschte Schweigen. Geredet wird an den Tischen wenig – auch dafür gibt es im Regelwerk genaue Vorschriften. Nur bei strittigen Situationen beraten sich die Spieler, müssen eine Lösung finden. Konzentration ist alles beim Soccern. Und Training. Immer wieder Training.

Als Rainer Schulz zum Beispiel „halbprofessionell“ unterwegs war, so bis zum Jahr 2000, habe er jeden Tag zwei bis drei Stunden trainiert – alleine zu Hause an seinem eigenen Kickertisch. „Wichtig ist das Passspiel zwischen der Fünferreihe, also dem Mittelfeld, und der Dreierreihe im Sturm“, erklärt der 52-Jährige. „Die Pässe muss man im Schlaf können.“

Um die Schussgenauigkeit zu erhöhen, hat sich Schulz eine kleine Torwand gebaut und die in das Tor auf dem Kickertisch gestellt. Durch die Löcher in den Ecken passt der Ball so gerade durch. In den Trainingsstunden nimmt Schulz Hunderte Male Maß auf die Löcher. Bis die Abläufe automatisiert sind.

Erste Mannschaft spielt in der höchsten NRW-Liga

Das viele Training zahlt sich aus. Die erste Mannschaft der Rubberducks spielt in der NRW-Liga, der höchsten Spielklasse in Nordrhein-Westfalen. Die Zweite spielt in der Verbandsliga. Die Rubberducks haben sich die Liga 1991 quasi selbst erschaffen. Sie sind eines von acht Gründungsmitgliedern. Mittlerweile gibt es in NRW 80 bis 90 Mannschaften. Deutschlandweit seien laut Michels 15.000 Spieler gelistet.

Die Rubberducks sind aus einer losen Verbindung von Kicker-Spielern Anfang der 1980er Jahre entstanden. Kennengelernt haben sie sich im Jugendheim Rapunzel. „1985 haben wir uns als Verein eintragen lassen“, erzählt Präsident Michels. Erst in der heute nicht mehr existenten Sportlerklause an der Steinstraße, dann im heutigen Burgtreff und später im Carambolage in Oberaden fanden die Rubberducks ein Zuhause.

„1992 sind wir in den Keller unter der Spielothek am Neutor eingezogen“, sagt Michels. Die Mitgliedsbeiträge finanzieren die Miete. Ebenso wie die Tische. 1500 Euro kann so ein Profimodell kosten. Dann und wann müssen neue Tische angeschafft werden. Zum Beispiel, wenn der Verband mal wieder das Regelwerk geändert hat und bestimmte Tische nicht mehr zulässt. „Die Tische, die wir nicht mehr benutzen können, versuchen wir zu verkaufen“, so Michels.

Die Vereinsmeisterschaften dauerten noch bis in den späten Abend hinein. Morgens um elf ging‘s los. „Egal, wie schön das Wetter ist, wir gehen in den Keller“, sagte Rubberduck-Spieler Tim Hiller.

Die Rubberducks trainieren immer mittwochs und freitags ab 19 Uhr in ihren Vereinsräumen unter der Spielothek am Neutor.

Neue Mitspieler, ab 18 Jahren, sind willkommen und können freitags ab 19 Uhr vorbeikommen.

Infos und Kontakt zu den Rubberducks auf Facebook oder per E-Mail an kaischaefers@gmx.de oder oliver.michels@secure-partner.de

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