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Wehmut, aber keine Bitterkeit

WERNE Vor 67 Jahren floh Ruth Oppenheim vor den Nazis aus ihrer Heimatstadt Werne. Damals war sie 22 Jahre alt. Jetzt kehrte die 79-Jährige zurück. Bei ihrem bewegenden Stadtrundgang wurde sie von RN-Redaktionsleiter Hubert Kramer begleitet.

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Ruth Oppenheim.

Ruth Oppenheim trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Werne ein.

Es ist ein Tag, der zum Genießen einlädt. Ruth Oppenheim speichert mit wachen Augen jeden Blick, den sie auf ihre Geburtsstadt Werne richtet. Freude über das Wiedersehen, Tränen - und dann Schatten, die die Vergangenheit auf die Szene wirft. Die 79-jährige Amerikanerin gehört zu der einzigen überlebenden jüdischen Familie aus Werne. Am gestrigen Sonntag besucht sie zum ersten Mal seit ihrer Flucht vor den Nazis im Jahre 1940 wieder die Lippestadt. Ruth Oppenheim ist eine geborene Heimann und in der Steinstraße aufgewachsen.

Großer Empfang überwältigte die Amerikanerin

"Ich spüre keine Bitterkeit in mir wegen der schrecklichen Geschehnisse damals", sagt sie heute. An Werne habe sie viele Erinnerungen, gute und schlechte. Der Empfang in ihrem Geburtsort überwältigt sie und ihre mitgereisten Familienangehörigen beinahe. "Mit einem solchen Interesse habe ich nicht gerechnet." Bürgermeister Rainer Tappe begrüßt sie und findet die richtigen Worte für den Gast.

Museumsleiterin Heidelore Fertig-Möller gibt einfühlsam Informationen über das Leben in Werne - heute wie damals. Auf dem Rundgang zuckt Ruth Oppenheim zusammen: "Hier war früher die Mädchenschule. Dort war es schlimm damals." Die Nazi hörigen Lehrer haben sie und andere jüdische Kinder diskriminiert und im Unterricht ignoriert. Hundert Schritte weiter jedoch lacht sie: "Da bin ich ´mal bei einem Zahnarzt gewesen, dem hab´ ich in die Finger gebissen."

Heimlich Geld für das Kloster gespendet

Beim Abstecher im Kapuzinerkloster überreicht sie Pater Suitbert beinahe heimlich Geld für das Kloster, sie will davon kein Aufhebens machen. Und dann der schwerste Moment beim Besuch des jüdischen Friedhofs an der Südmauer? Nein, Ruth Oppenheim ist gelöst und gespannt gleichermaßen. Das ist für sie ein Ort der Ruhe, an dem ihre Großeltern begraben sind. Ein bewegender Moment in Wehmut, aber nicht verbunden mit Erinnerungen an böse Zeiten.

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Ruth Oppenheim.

Ruth Oppenheim trägt sich ins Goldene Buch der Stadt Werne ein.

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