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Türkei feiert als Urlaubsland ein Comeback

Werner Reisebüros: „Die Abneigung ist nicht mehr da“

Werne Lange Sandstrände, gastfreundliche Menschen, historische Stätten und ganz viel Sonne: Die Türkei feiert als Urlaubsland 2018 ein Comeback. Trifft das trotz Terror in Istanbul und der Eiszeit mit Erdogan auch auf Werne zu? Wie schnell lässt sich eine Krise vergessen?

Werner Reisebüros: „Die Abneigung ist nicht mehr da“

Leere Strände in Antalya? Für 2018 blicken die Reiseveranstalter wieder positiv auf die Urlaubssaison. Foto: dpa

Direkte Strandlage, große und gut ausgestattete Hotelanlagen und ein vielseitiges Familienprogramm – all das spricht für einen Urlaub in der Türkei. Lange war das Land ein beliebtes Reiseziel für viele Deutsche. Doch in den vergangenen zwei Jahren steckte die Türkei mit ihrem autoritären Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan in der (Wirtschafts-)Krise.

Das sorgte in den Touristenorten wie Side, Belek oder Antalya für leere Hotels und Strände. Nun blicken die Reiseveranstalter positiv auf die kommende Saison. Das Marktforschungsinstitut GfK zählt für diesen Sommer doppelt so viele Buchungen im Vergleich zum Vorjahr. Dass die Türkei vor einem Comeback steht, spüren auch die Reisebüros in Werne.

Vor allem bei Familien gefragt

„Vor allem das gute Preis-Leistungs-Verhältnis ist für viele entscheidend“, erklärt Heike Becker, Reiseverkehrskauffrau im Reisebüro Lunemann. Die 41-Jährige stellt zwei Beispielangebote vor: Eine Woche in einem Vier-Sterne-Hotel in Side für zwei Erwachsene und zwei Kinder gibt es in den Sommerferien für etwa 2000 Euro – inklusive Flug und All-inclusive-Verpflegung versteht sich.

Die Türkei sei vor allem bei Familien gefragt, berichtet Becker. Veranstaltungen für den Nachwuchs, eine große und weitläufige Hotelanlage und eine Riesenrutsche im Poolbereich seien ausschlaggebende Punkte. Und das gilt auch für Fans eines Strandurlaubs.

Für 270 Euro in die Türkei

Wer günstig in die Sonne möchte und nicht auf die Ferien Rücksicht nehmen muss, kann noch günstiger an die türkische Riviera kommen. Heike Becker gibt beispielhaft Daten in die Abfrage: sieben Tage im April, Vier-Sterne-Hotel in erster Reihe am Strand in Side. „270 Euro pro Person mit All inclusive. Das bekommt man in Spanien nicht hin“, sagt Becker.

Werner Reisebüros: „Die Abneigung ist nicht mehr da“

Auch Heike Becker aus dem Reisebüro Lunemann spürt eine steigende Nachfrage von Türkei-Urlauben. Foto: Andrea Wellerdiek

Bei diesen Preisen sei eine Reise in die Türkei nun für einige Sonnenhungrige eine Alternative. Darüber hinaus buchen Reisende, die jahrelang in das Land geflogen sind, wieder einen Urlaub dort. Manche von ihnen seien zweimal im Jahr hingereist, ehe die angespannte Situation die Menschen zum Umplanen gezwungen hätte, so Becker.

Vor allem die politische Situation um Erdogan habe die Leute dazu gebracht, auf andere Urlaubsziele auszuweichen. „Die Frage der Sicherheit im Land war eigentlich kein Thema“, sagt Becker. Aber: „Jetzt ist die Abneigung nicht mehr da.“

„Die Kunden sehen es wieder lockerer“

Ähnliches berichten auch Daniela Krabs aus dem Reisebüro Wagner und Iris Droste aus dem Reisebüro Schulze. Viele Stammkunden hätten zwei Jahre ausgesetzt, ehe sie für den kommenden Sommer wieder einen Urlaub in der Türkei gebucht haben.

„Die Kunden sehen es wieder lockerer. Es ist doch so üblich: Umso weiter etwas zurückliegt, umso mehr schwindet es. Aber Gott sei Dank ist jetzt nichts mehr passiert“, sagt Droste. Die politischen Entwicklungen beobachten die Kunden dennoch sehr genau. „Viele hat die Situation mit Erdogan abgeschreckt“, erzählt Krabs.

Manche lehnen es kategorisch ab

Aus diesem Grund lehnen einige Kunden kategorisch einen Urlaub an der türkischen Riviera ab, erzählt Dorothee Wiewel, Büroleiterin im gleichnamigen Reisebüro. „Die Kunden sagen, dass sie das Land nicht mit ihrem Geld unterstützen möchten. Wie Erdogan regiert und mit Menschenrechten umgeht, missfällt den Kunden“, sagt die Expertin, die Verständnis dafür zeigt.

Auch sie selbst würde derzeit nicht ins Land reisen. „Irgendwie hätte ich ein ungutes Gefühl dabei – vor allem, wenn man mit Kindern reist.“

Oft entscheidet eben doch der Preis

So geht es scheinbar auch ihren Kunden. Viele Familien-Urlaube in der Türkei habe sie für dieses Jahr noch nicht verkauft. Vor zwei Jahren fielen noch 50 Prozent aller Buchungen ihres Reisebüros auf die Türkei. „Um das Vertrauen zurückzubekommen, muss von der türkischen Regierung schon ein deutlicheres Zeichen kommen“, sagt Wiewel.

Andere Kunden hingegen halten am Urlaubsziel treu fest. „Sie fühlen sich sicher in ihrer Hotelanlage. Auf Ausflüge haben viele aber in den letzten Jahren verzichtet. Sie haben große Orte und Menschenansammlungen vermieden“, erzählt sie.

Die Ausstattung und Lage der Hotelanlage sind demnach wichtige Kriterien für einen Türkei-Urlaub. Und natürlich die Rundum-Verpflegung, die All inclusive bietet. „Die Kunden wollen keine weiteren Kosten haben und sich um nichts kümmern müssen“, sagt Daniela Krabs vom Reisebüro Wagner. Und in der Türkei sind auch die Liegen am hoteleigenen Strand inkludiert. Oft entscheidet eben der Preis.

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