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Sollen Frauen künftig Mitglied im Schützenverein werden? Der Schützenbruder Ansgar Kappelhoff beantragt genau das. Ein Antrag mit einigem Zündstoff.

Südlohn

, 06.03.2019 / Lesedauer: 4 min

Ansgar Kappelhoff plant nicht weniger als eine Revolution in Südlohn. Der 28-Jährige beantragt, dass der Schützenverein St. Vitus in Zukunft auch Frauen aufnimmt. Ein Novum in über 400 Jahren Vereinsgeschichte. Die Satzung des Vereins schreibt unter Paragraf 7 ganz klar vor: „Mitglied des Schützenvereins kann jede männliche Person werden, die das 16. Lebensjahr vollendet hat, die in Südlohn wohnt oder sich in Südlohn beheimatet fühlt.“ Das möchte Ansgar Kappelhoff ändern.

28-jähriger Südlohner kämpft dafür, dass Frauen in den Schützenverein aufgenommen werden

Schützenbruder Ansgar Kappelhoff (28) hat beantragt, dass in Zukunft auch Frauen Mitglied des St. Vitus-Schützenvereins werden können. © privat

Seit ein paar Jahren lebt der 28-Jährige nicht mehr in Südlohn. Er ist nach Berlin gezogen, arbeitet dort als Sozialarbeiter im Jugendamt Berlin-Mitte. So oft es geht, kommt er aber nach Hause. „Ich bin Südlohn immer noch sehr verbunden“, sagt er im Gespräch mit unserer Redaktion. Mitglied im Schützenverein St. Vitus ist er, seit er 16 Jahre alt ist. „Ich bin da über Familie, Freunde und die Nachbarschaft zu gekommen“, erzählt er. Die Mitgliedschaft im Schützenverein gehöre für ihn im Ort ganz einfach dazu.

Schützenfest ist ein fixer Termin für den Kalender

Und so ist es für ihn auch ganz selbstverständlich, dass er schon am Jahresanfang seinen Urlaub auf das Schützenfest im Ort ausrichtet. „Hier trifft man sich und feiert zusammen“, sagt er. Es sei eben einfach schön, einen festen Treffpunkt im Jahr zu haben, an dem das ganze Dorf zusammen kommt. „Egal, wo man gerade lebt“, erklärt er. Und genau da beginnt für ihn das Problem: Er fürchtet, dass die gewachsenen Strukturen langsam beginnen, zu bröckeln. Weil neue Mitglieder fehlen.

28-jähriger Südlohner kämpft dafür, dass Frauen in den Schützenverein aufgenommen werden

An Punkt 10 der Tagesordnung bekommt es die Generalversammlung mit dem Antrag zu tun. © Stephan Teine

Diese Diskussion müsse auch in Südlohn geführt werden. Wenn nicht heute, dann in zehn Jahren. „Alle Vereine und Traditionen stehen doch vor diesem Problem“, erklärt er. Menschen gingen eben weniger selbstverständlich in Vereine. „In der Generation meiner Eltern war das noch etwas anderes. Aber wir müssen heute einen Weg finden, um damit umzugehen“, so Ansgar Kappelhoff. Spätestens in ein paar Jahren, wenn die geburtenstarken Jahrgänge aus dem aktiven Vereinsleben ausscheiden, stehe der Verein vor dem Problem, dennoch ein lebendiges Vereinsleben aufrecht zu erhalten. Um diese Fragen in Zukunft zu beantworten, will er heute schon anfangen, an den Lösungen zu arbeiten.

Was Frauen im Verein dürfen, steht noch gar nicht fest

Er will Frauen mit in den Verein einbinden. Wie das genau aussehen soll, will er mit dem Antrag noch gar nicht entscheiden. „Ich rede ja nicht davon, dass wir direkt eine Frauenkompanie mitmarschieren lassen. Auch darüber sollen alle Mitglieder entscheiden“, sagt der 28-Jährige. Schon heute sei es ja so, dass die Frauen viel mehr als schmückendes Beiwerk seien sondern eine Menge im Hintergrund mitarbeiten. „Sie sind eben nur keine ordentlichen Mitglieder“, erklärt er weiter. Das ist für ihn auch nicht mit dem Stichwort „Tradition“ zu rechtfertigen. Traditionen seien immer auch ein Spiegelbild der Menschen, die sie begründen und weiterführen. Dazu gehöre auch, sie an aktuell herrschende Vorstellungen anzupassen.

Dreiviertel-Mehrheit ist eine hohe Hürde

Keine Frage ist für ihn, dass es nicht leicht wird, die benötigte Dreiviertel-Mehrheit für eine Satzungsänderung zu bekommen. „Aber selbst wenn es nicht klappen sollte, habe ich mein Ziel eigentlich schon erreicht“, erklärt Ansgar Kappelhoff. Denn es gehe ihm in erster Linie eben um die Diskussion. „Die wollte ich anschieben“, sagt er.

Vom Verein gibt es dazu im Moment noch keine Stellungnahme. „Wir sagen dazu vorab nichts und lassen die Generalversammlung auf uns zukommen“, sagt Josef Rathmer, der seit 2017 Präsident der Schützen ist. Im Verein habe man vorab ausdrücklich vereinbart, keinen Standpunkt zu dem Antrag zu veröffentlichen. So verwundert es dann auch nicht, dass die amtierende Schützenkönigin Irene Höing auch nichts zum Antrag sagen möchte.

Er selbst hat schon unterschiedliche Resonanzen mitbekommen. Noch nichts wirklich negatives, aber die ganze Bandbreite zwischen „Das ist doch total unnötig“ bis hin zur kompletten Zustimmung sei dabei gewesen.

Frauen gründen in der Nachbarschaft einen eigenen Verein

Dass auch Frauen Lust auf Schützenfest, Vogelschießen und Parade haben, zeigt ein Blick in die etwas weitere Nachbarschaft. In Borken haben 16 Frauen Ende 2018 die Frauenschützen Münsterland gegründet. „Und wir sind jetzt schon bei über 250 Mitgliedern“, sagt Viktoria Keller-Frinks, zweite Vorsitzende, stolz. Dabei sehen sie sich nicht als Konkurrenz zu den männlichen Schützenkollegen. Für sie war es auch gar keine Frage, Mitglied in einem der Traditionsvereine zu werden. „Das stand gar nicht zur Debatte“, sagt Keller-Frinks. Die Frauen wollten einen eigenen Verein mit eigenen Traditionen.

Und die Idee kommt an: Das zeigen nicht nur die rasant gestiegenen Mitgliederzahlen. Auch von den umliegenden Vereinen bekommen die Frauen nur positive Resonanz. In diesem Jahr werden sie in Gemen zum ersten Mal auf ihren Vogel schießen. Am 27. April. „Den Termin haben wir extra an den Anfang der Schützenfestsaison gelegt, damit wir mit keinem Termin kollidieren“, erklärt die zweite Vorsitzende. Die Schützinnen stammen aus dem gesamten Münsterland: Sogar aus Münster oder dem Kreis Steinfurt werden Frauen anreisen.

Frauen standen doch früher auch nicht nur daneben

Zum Thema Tradition hat Ansgar Kappelhoff dann noch eine ganz eigene Meinung: „Die Schützenvereine sind ja damals entstanden, weil man das Dorf verteidigen musste“, sagt er. „Und ich bin mir hundertprozentig sicher, dass man früher auch den Frauen eine Grepe in die Hand gedrückt hat, wenn die spanischen Söldner vor der Tür standen“, erklärt er schmunzelnd. In seinen Augen müsste es also selbstverständlich sein, auch Frauen in den Schützenverein aufzunehmen.

Die Generalversammlung des Schützenvereins St. Vitus tritt am Samstag, 9. März, um 19.30 Uhr in der Festhalle Terhörne zusammen. Der Antrag von Ansgar Kappelhoff steht als zehnter von zwölf Tagesordnungspunkten auf dem Programm.
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